Wort zum Montag: Merkels wertlose Gesellschaft

Foto: Imago
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Es war wieder mal Sonntag. Gestern. Da veröffentlichte der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch einen Nachruf auf den soeben verstorbenen und wohl einst bekanntesten Katholiken Deutschlands: Karl Lehmann. Dieser Artikel auf Focus-Online liest sich wie eine Erinnerung an ein Deutschland, welches wir dabei sind zu verlieren. Kochs Worte wirken wie ein letztes verzweifeltes Rufen aus einer verlorenen Zeit, wie das S.O.S. eines Schiffbrüchigen, der allein auf hoher See geklammert an ein Stück Treibholz schwimmt. Man möchte dem verstorbenen Lehmann, der 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und 33 Jahre Mainzer Bischof war, ein „Ruhe sanft“ mit auf den letzten Weg geben – wobei eine sanfte Ruhe in Deutschland wohl generell demnächst nur noch auf Friedhöfen zu erwarten ist. Doch der Reihe nach.

Von Hans S. Mundi

Auf eine Jugend ohne Gott folgt(e) eine Gesellschaft ohne Gott. Dabei hätten wir gewarnt sein müssen. Das berühmte Werk „Jugend ohne Gott“, vom österreich-ungarischen Schriftsteller Ödön von Horváth, einem genialen Autoren mit diversen zeitlosen Werken, hatte es in sich. Der grausamen Epoche der nationalen Sozialisten an der Macht gab Horváth diese bis heute unvergessene Überschrift: Jugend ohne Gott. Voll tieferer Symbolik beschreibt er darin die Lebensgeschichte eines Lehrers, der nach dem Ersten Weltkrieg durch eben diesen seinen Glauben an Gott verlor – aber nicht seinen klaren Blick für Gefahren in der Gesellschaft.

Ein lieber Gott, der Massenmord, Krieg und massenhaftes Unrecht nicht verhindert, der kann nicht existieren oder er ist eben kein guter sondern ein böser Gott, ein Teufel. Glaube auf dem Prüfstand: Der Fluch der bösen Tat, das historische Debakel der europäischen Länder und Nationen nach zwei Weltkriegen und der teils heftigen Ost-West-Konfrontation, all das Erbe elendig verknüpft mit dem Christentum in Europa – und weit darüber hinaus, bis z. B. auch nach Moskau.

Mit diesem bösen Omen geht jedenfalls das Buch in die Vorhölle des Zweiten Weltkrieges. Man beachte: Ödön von Horváths prophetisches Werk erscheint 1937, der Autor ahnt Böses, aber den höllischen Weltkrieg in all seinen barbarischen Facetten, kann auch er da nicht wirklich geahnt haben. Aber wichtiger, weil zeitlose Grundlage für jegliche Angriffe auf die Epochen von Humanismus und Aufklärung im Westen: Der fanatisierte Mensch, wie eben auch der jugendliche Mitläufer gleichmacherischer Weisheiten und teuflischer Gleichschalterei durch obskure Kollektiv-Ideologen, bekommt eiskalte Fischaugen. Das ist die Botschaft dieses zeitlosen Werkes: Warnung vor dem Fanatiker, egal ober der von politischen Rändern oder aus pseudoreligiösen Strömungen kommt.

Der Mensch ohne höheren Glauben an das Gute, an eine durchs Christentum, wie auch das durchaus verwandte Judentum, geprägte europäische Zivilisation, wird gefühllos, mitleidlos, zynisch, will am Ende selber Herr über Leben und Tod anderer sein. Eiskalte Fischaugen von Fanatikern, egal welch satanische Schriften und Worte sie lenken, sie sind quasi der Gegenentwwurf zum Ideal eines guten humanen Christenmenschen. Daran sollte man sich zuerst erinnern, bevor man sich dem Tod von Karl Lehmann und dem Nachruf von Roland Koch nähert.

„Der Titel des Werkes ‚Jugend ohne Gott‚ des Schriftstellers Ödön von Horváth drückt die Charakter-, Gedanken- und Lieblosigkeit der Jugend im Dritten Reich aus. Ihr gleichgültiges Verhalten wird durch die Namensgebung verstärkt: Die Schüler werden nur mit Buchstaben benannt (z. B. T oder N), sie sind also nur ‚Nummern‘ ohne eigene Individualität. Diese Anonymisierung zeigt aber auch, dass hier nicht einige wenige Einzelpersonen, sondern die Masse der Mitläufer und Opportunisten kritisiert werden soll. Gegen Ende des Romans stellt Horváth eine Gleichung auf, die dem Titel einen echten Sinn gibt – als nämlich der Ich-Erzähler zur Erkenntnis kommt: ‚Gott ist die Wahrheit.‘ Diese Wahrheit ist der Jugend (so wäre der Titel des Werkes zu interpretieren) abhandengekommen.“ 

Was haben wir nicht gelästert über die Kirchen, über Gottes Bodenpersonal, besonders jenes bei den Katholiken. Dafür gab es allerdings auch über Jahrzehnte jede Menge schlechter Gründe. Die Verstrickungen der deutschen Amtskirchen in der Zeit des NS-Regimes, die Mitschuld am Holocaust; der Vatikan und seine Machenschaften mit kriminellen Logenbrüdern in Italien, die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche unter der Obhut kirchlicher Würdenträger und deren Aufsehern. Aber was hat nun gesiegt? Haben wir jetzt das Paradies auf Erden – ohne Religion?

„In einer sich immer stärker säkularisierenden Gesellschaft wird Religion immer mehr zu einer Nebensächlichkeit, verliert an gesellschaftlicher Prägekraft. Bis in seine letzten Aktivitäten nach der Emeritierung hat Karl Kardinal Lehmann nichts mehr umgetrieben als diese aus seiner Sicht für die freiheitliche Gesellschaft fragwürdige bis gefährliche Entwicklung. Es war kein Vorwurf an seine Mitmenschen, es war eine mit oft rastlosem Engagement einhergehende Sorge um den Zusammenhalt der Menschen in Frieden.“

Die Deutschen neigen zur hypermoralischen Pose eines vermeintlichen Siegers. Doch schon vor Jahren warnten allgemein respektierte Persönlichkeiten, wie der bekannte Fernsehjournalist Peter Scholl-Latour vor einer pauschalen Verurteilung von Glaube und Christentum. Denn laut Scholl-Latour war es eben jenes viel gescholtene Christentum, welches Europa die Zivilisation, die humanistischen Werte und solche wichtigen Vokabeln wie Nächstenliebe, du sollst nicht töten und andere Weisheiten brachte. Scholl-Latour: „Die Religion war der Vorläufer des Rechtsstaates, sie brachte mit den zehn Geboten erstmals Gesetze in Zeiten, welche barbarisch waren und in denen ein Menschenleben nichts galt.“ Wir haben diesen Zusammenhang vergessen. Wir schütten das Kind mit dem Bade aus. Wir verachten oder ignorieren die christliche Religion – und so stehen nun alle Kirchen leer.

Der werfe den ersten Stein: Warum existieren die Grünen als Partei der einst bekennenden Pädophilen dann noch? Welche Existenzberechtigung hat die Ex-SED-Linkspartei als Nachfolgerin einstiger DDR-Mauermörder und Stasispitzel? Haben uns die Sozialdemokraten mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten nicht schon in der Weimarer Zeit schwerstens verraten? Warum ist eine mehrfache Brecherin des Amtseides und zahlreicher Gesetze demnächst zum vierten Mal Bundeskanzlerin? Bundeskanzlerin einer Partei, deren ehemaliger Bundesfinanzminister zutiefst in einen Schmiergeldskandal verwickelt war, bei dem illegale Finanzierungen mit Geldkoffern auf Bundesautobahnen bzw. deren Raststätten abgewickelt wurden. Ja, richtig, es ist immer leicht einen Sündenbock zu suchen, auf andere zu zeigen und somit den Kirchen das Recht auf Sinnstiftung abzusprechen – um damit von sich und den eigenen Verfehlungen lautstark abzulenken. Schuld hat immer der Andere, besonders im politischen Raum der allgemeinen und vor allem eitlen Rechthaberei.

„Natürlich sah Lehmann den christlichen Glauben nicht als eine Funktion der staatlichen Ordnung. Aber sein Bild von freien und verantwortlichen Menschen beinhaltete die Achtung vor Gott, die Verantwortlichkeit für die Schöpfung und die solidarische Hinwendung zum schwächeren Nachbarn. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist eben nicht zuerst der Betreiber des Kindergartens oder des Dritte-Welt-Ladens, sondern die im Glauben und in der Verehrung Gottes vereinte menschliche Säule einer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der die Unverletzlichkeit der Würde jedes einzelnen Menschen als Ebenbild dieses Gottes ein Leben gewährleistet, in dem Sicherheit und Freiheit nicht von fremder Hand erzwungen werden müssen, sondern aus tiefer innerer Überzeugung gelebt werden.“

In einem Moment der Nachdenklichkeit, die einen immer dann befällt, wenn jemand seinen letzten Gang angetreten hat und wir nur noch auf seine Spuren sehen, wird plötzlich vieles klar. Eine verlogene Einheit der Mainstream-Moralisten drückt der heutigen Gesellschaft ihren Stempel auf, wozu auch Zensurgesetze und staatliche geförderte Schlägertrupps gegen Andersdenkende gehören. Antifa-Augen, eiskalt wie Fisch, schon wieder eine Jugend ohne Gott. Gewalt nimmt überall zu, Ursachen werden vertuscht und beschwiegen, an den Schulen ist die Hölle los und das Faustrecht erobert ganze Stadtviertel.

Schöne neue Welt ohne Gott. Die psychischen Erkrankungen nehmen besonders unter Jugendlichen zu, Altersarmut ist Fakt und eine Schande in einem reichen Land, Familien werden kaum noch gegründet, denn wenn beide zu Hungerlöhnen arbeiten müssen und sollen, dann bleibt kein Platz mehr für Kinder in einer Gesellschaft mit zunehmend eiskalten Fischaugen an der Macht. Die kinderlose Karrieristin Merkel regiert ihr Volk als sei es ihr Spielzeug, ihr Eigentum. Sie fragt nicht, sie handelt. Sie macht ihr Ding.  Eiskalt.

Vom Christentum könne man Demut und Einsicht lernen, aber eben auch Mitmenschlichkeit und Gemeinsinn, das alles in Selbstlosigkeit und voller Liebe für das Leben, sagen die wenigen, die überhaupt noch etwas christliches mit sich herum tragen. Über Love und Peace sangen die Beatles als eine der berühmtesten Popbands aller Zeiten. Es fällt auf, die Fab Four aus Liverpool hatten keine eiskalten Fischaugen – und der friedensliebende Rebell John Lennen („Imagine“) wurde sogar ermordet. Give peace a chance – bis zum letzten Atemzug.

Man muss eben nicht gleich vollkommen gläubiger Christ sein. Denn es reicht schon die innere Sympathie für jene Werte, welche durch das Christentum maßgeblich geprägt wurden, zu bewahren und kultiviert zu leben. Kritik an den Kirchenoberen schließt das nicht aus. Aber in der Kirche und beim Gebet ist der Mensch allein. Allein mit Gott – und nicht mit Margot Käßmann.

Roland Koch sei dank, dass er daran erinnert, wer heutzutage in der CDU das Sagen hat. Er erinnert an jene Werte, welche in der Merkelgesellschaft längst verloren sind, ungewollt. Merkels Bilanz eines gottlosen Landes, so könnte man es nennen: Eine immer gravierendere Spaltung der Gesellschaft, eine Verhöhnung der Armen und Ausgebeuteten, Rentner an den Mülltonnen, ein Meer der Lügen in welchem die etablierte politische Klasse schwimmt, obenauf, wie Fettaugen nach der letzten Diätenerhöhung.

Sicherlich wollte Roland Koch nur einen Nachruf auf einen verstorbenen Kardinal schreiben. Er schrieb ungewollt einen Nachruf auf dieses Land, welches seinen inneren Zusammenhalt und seine wichtigsten Wertvorstellungen verloren hat – und in dem sich schon wieder die eiskalten Fischaugen der Ideologen, Sektierer und Fanatiker unter verschiedenen Flaggen ausbreiten und überall erkennen lassen. Möge Gott uns vor dem nächsten größeren Unheil bewahren…

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