Westlicher Feminismus, ich danke dir für nichts!

(Foto: Durch goodluz/Shutterstock
Feminin bis unter den Schutzhelm (Foto: Durch goodluz/Shutterstock)

Ein nachträglicher Gastbeitrag zum Weltfrauentag von Young German online gestellt

Wie kurzärmelige Oberteile die thrakische Provinz eroberten

Am Anfang war alles langsam. Natürlich nur bei den Frauen versteht sich. Dann kam meine Mutter, am Anfang passte sie sich an. Man möchte ja Respekt zeigen. Aber wie es im Sommer nun mal so ist mit den Temperaturen. Irgendwann hatte meine Mutter die Schnauze voll und hat ein ärmelloses Oberteil angezogen. Luftig und Locker. Die Männer haben geglotzt – meine Tanten begannen T-Shirts zu tragen und allmählich etablierte sich das kurzärmelige Oberteil.

Erster Zweifel an der Karriere

Es war in meinem letzten Türkeiurlaub, August 2009. Das bäuerliche Dorf, umringt von goldenen Feldern, über uns der endlose blaue Himmel. Frauen in kurzärmeligen Oberteilen und locker sitzenden Kopftüchern schlendern umher. Der Ruf des Muezzins durchschneidet die angenehme Stille. Ich spiele mit dem Straßenhund und am Abend in geselliger Runde werde ich gefragt ob ich mich denn schon auf das neue Schuljahr freue. «Nein», antworte ich. Als mein Vater und mein Onkel betont haben wie wichtig Schule ist, um mal einen guten Beruf zu erlernen, habe ich gelacht und sagte keck geantwortet: «Es gab mal eine Zeit da durften Mädchen gar nicht in die Schule. Und wenn ich nicht in die Schule müsste, dann hätte ich mehr Zeit um Daheim mitzuhelfen.» Immerhin sorgte meine Bemerkung für Lacher, etwas, das sich später ändern würde.

MINT macht frei!

Mit dem Feminismus bin ich nie so wirklich warm geworden.

In der Realschule hat der Karriereterror auf einmal angefangen. Wahlpflichtfächer auswählen – Mathe habe ich eh gehasst. Französisch, nein Danke! Ich kann ja nicht mal richtig Türkisch. BWL? Auf gar keinen Fall. Was blieb war Hauswirtschaft. Kochen lernen ist doch immer nützlich für das Leben. Also wählte ich entgegen dem Wunsch meines Vaters nicht den Mathe- sondern den Hauswirtschaftszweig. Der Karriereterror ging weiter. Wir wurden über den Girls Day informiert. Uns wurde ans Herz gelegt wir sollen doch da unbedingt mal hin. Berufe ausprobieren die eher von Männern dominiert sind. MINT ist gut bezahlt, MINT ist auch für Mädchen, die Wirtschaft verlangt nach MINT. MINT ist die Zukunft! MINT macht frei! Die MINT-Frau in ihrem Lauf, hält weder Kind noch Haushalt auf!

Passend zum MINT-Terror hat BBC im Dezember 2017 entschieden ‚Bob der Baumeister‘ aus dem Kinderprogramm zu streichen. Wegen „Gender-Dysbalance“, die perfekte Ersatzsendung ‚Blitz und Bob‘. Problemlöserin Blitz, eine etwa 8 Jahre alte Ingenieurin soll zeigen, dass Mädchen alles können. Was bei mir bleibt, ist aber der fade Beigeschmack, dass typische Frauentätigkeiten keinen Pfifferling wert sind. Ja es wird einem beinahe suggeriert, dass wer einen sozialpflegerischen Beruf ausübt, oder noch schlimmer Hausfrau und Mutter ist,  nur zu dumm für MINT ist. Er  lässt sich von der Natur in ein Rollenbild zwängen und ist ein Gegner des weiblichen Befreiungskampfes. Quotenfeminismus, der eine angebliche Gender-Dysbalance wieder ins vermeintliche Gleichgewicht bringen will, ist für mich wahrlich den Frauen gegenüber verachtend, denn ganz natürliche weibliche Verhaltensweisen werden als Konstrukt abgetan, ein Dasein als Hausfrau und Mutter wird als ewig estrig bezeichnet, von manchen sogar als Faulheit abgewertet! Es nimmt so groteske Züge an, dass mir schlecht wird. Was gibt es denn eigentlich frauenfeindlicheres als die Lebensaufgabe, die eine Mutter hat, auf so eine niedere Weise abzuwerten? Mütter gestalten die Zukunft durch Kindererziehung, außer natürlich diese Aufgabe wird vollständig an staatliche Institutionen namens Krippe outgesourced.

Arbeit und Familie? Ein bitterer Cocktail

Die von feministischer Propaganda durchtränkte Gesellschaft und der nach Steuern gierende Staat und all die Frauenbeauftragten die vom Steuertrog fressen, erwarten, dass man als Frau eine steile Karriere hinlegt.

„Wenn ich arbeite bin ich unabhängig von Männern.“ – so die Überzeugung einer guten Freundin. Den Kommentar, dass sie dann aber von ihrem Chef abhängig ist, kann ich mir natürlich nicht verkneifen. Für meine antifeministischen Kommentare ernte ich keine Lacher mehr sondern stoße auf Unverständnis, was ich im Kleinen in meinem Freundeskreis oder der Berufsfachschule erlebe, lässt sich gut auf die gesamte Gesellschaft übertragen.

Die meisten glauben ja auch an die Gender Pay Gap. «Wenn es den prinzipiellen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen geben würde, hätten meine Leiharbeiterkollegen und ich nicht genau das gleiche verdient», wende ich ein, wenn in Sozialkunde das Thema aufkommt. Diskussionen werden aber meist im Keim erstickt, denn man muss ja den Stoff in die Schülerinnenköpfe hineinpressen. Der einzige Patriarch vor dem die Frau noch kriechen muss, soll der Staat sein.

Du wirst zerrissen zwischen deinem völlig natürlichen und legitimen Kinderwunsch und Nestbautrieb und den Erwartungen, die dir von klein auf eingebläut werden. Das Schlimme ist, dass du es nicht sofort verstehst und du fragst dich wahrscheinlich jahrelang, was du überhaupt willst, bist hin- und hergerissen und suchst das Problem bei dir selbst. Schiebst deinen Kinderwunsch auf. Und vielleicht kommt irgendwann die Erkenntnis, dass mit dir selbst eigentlich alles in Ordnung ist, aber eine Saat in dein Hirn gepflanzt wurde, die dich nicht ruhen lässt.

Ich bin kein Karrieremensch: nach 2 abgebrochenen Ausbildungen, einem Jahr Leiharbeit, und einer Weile im Berufsförderungszentrum habe ich mich für eine hauswirtschaftliche Ausbildung an einer Berufsfachschule entschieden. Was ich danach mache, weiß ich noch nicht. Planen kann man ja nicht wirklich wenn man so hin- und hergerissen ist. Mein Traum wäre eigentlich ein Dasein als gute Ehefrau, Hausfrau und Mutter. Aber welcher Mann kann so etwas schon mitmachen? Die ungeheure Steuerlast und der unbezahlbare Wohnraum tun zu dem ganzen Feminismuswahn ihr übriges dazu. Wir leben in einem System, dass gegen die Natur kämpft. Und obwohl mir das jetzt alles so bewusst ist bleibt trotzdem dieses beklemmende Gefühl „ich habe die Erwartungen nicht erfüllt“ und „Hauswirtschaft ist nicht hoch angesehen“. Da ändern auch die sprachlichen Regulierungen nichts, so oft die Lehrerinnen und auch ermahnen, dass es „reinigen“ heißt und nicht „putzen“.

Westlicher Feminismus, ich danke dir für nichts.

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