Typisch deutsch? Alles in Maßen bitte!

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Kürzlich sprach mich ein Freund auf ein Phänomen an, welches mir auch nicht ganz entgangen war. Ob in den Zügen der Bahn oder beim Warten auf die S7 nach Hause, überall verfolgt einen eine seltsame Werbekampagne, die uns eine Auswahl an Gesichtern von offensichtlichen Migranten aus Afrika, Nahost oder Asien präsentiert, diese dann mit dem Spruch «Typisch deutsch» verziert und uns dann mit dieser Aussage alleine lässt. Nun bin ich jemand, der sich nicht großartig daran stören würde, wenn man diese Menschen auf den Bildern als deutsch bezeichnete. Das Deutsche kann sich ja auf ihre Staatsangehörigkeit beziehen. Auch kann es ja so sein, dass diese jungen Menschen gut assimiliert sind, sich selbst deutsch fühlen und von der Mehrheitsgesellschaft als Deutsche akzeptiert werden möchten. Oder aber es handelt sich um Deutsche mit Eltern aus verschiedenen Ländern, wo es dann einen deutschen und einen ausländischen Elternteil gibt. Ich störe mich nicht daran, wenn man diese dann als deutsch bezeichnet. Schließlich bin ich ja selber ein Kandidat dafür, der auf diesen Plakaten präsentiert werden könnte.

Von Young German

Was mir sauer aufstößt, ist das Wort «typisch». Typisch impliziert, dass etwas charakteristisch und damit repräsentativ für eine Gruppe ist. Wenn wir uns die Bilder der «Typisch-deutsch»-Kampagne ansehen, können wir aber nur zu dem Schluss kommen, dass alle Menschen dort sehr verschieden aussehen, sogar von verschiedenen Kontinenten kommen, es also hier gar keine charakteristischen körperlichen Merkmale gibt.

Folgt man der Logik dieser Kampagne, wäre «typisch deutsch» also etwas, das eben keinerlei Typizität aufweist und daher überhaupt gar nicht ausgemacht werden kann. Der typische Deutsche sei also ein Weltbürger, ein Weltmensch, der genauso gut chinesisch, indisch oder afrikanisch aussehen könnte. Und wieder sage ich nicht, dass er das nicht tun kann. Der Teufel steckt im Detail, nämlich im Wort «typisch». Der typische Deutsche, dessen Vorfahren seit mindestens 3000 Jahren in Europa siedeln, ist kein dunkelhäutiger und krausgelockter Afrikaner, sondern weißer Mitteleuropäer. Im Harz gibt es beispielsweise eine Familie, die seit sage und schreibe 120 Generationen nicht umgezogen ist, ohne «in Inzucht zu degenerieren», wie ein Herr Schäuble das befürchtet, der in Biologie nicht aufgepasst hat. Und der Nachfahre des Mannes, der in der Antike im Harz siedelte, kann sich heute in seinem Ahnen wiedererkennen. Das ist eine Kontinuität, die erst jetzt gewaltsam aufgebrochen wird. Ich befürworte es, dass wir im Westen zumindest soweit tolerant sind, dass die allermeisten Menschen kein Problem mehr mit der Aufnahme von sehr fremd aussehenden Menschen in ihr Volk haben und diese als auch als die Ihren akzeptieren können. Ein weißer Europäer hätte Schwierigkeiten, sich in Schwarzafrika als Bantu zu präsentieren oder in Korea den Koreanern glaubhaft zu erklären, dass er jetzt plötzlich ein Koreaner sein will, weil er koreanischen Boden betreten hat. Die Bewohner Koreas müssten ihm dann erklären, dass man durch Übertreten der Grenze seine Nationalität nicht automatisch verändern kann und ethnisch auch kein Koreaner wird, nur weil man sich in Korea aufhält. Derlei Konzepte, die von der Kanzlerin mitgetragen werden, wenn sie alle Menschen, «die hier Leben», zum Volk zählt, sind für den Rest der Welt ziemlich befremdlich. Die anderen Völker außerhalb des Westens halten an der biologisch-ethnischen Zugehörigkeit durchaus noch fest, welche hier im Westen langsam aufgegeben wird.

Hier geht den Deutschen aber etwas verloren, was ich als das Verständnis für das Eigene bezeichne würde. Denn wenn selbst die Hamburger Staatsanwaltschaft vor diesem postmodernen Dekonstruktivismus kapituliert, dann erkennen wir, dass diese Kampagne systemisch (nicht systematisch!) und Teil einer gesellschaftlichen Umwandlung ist, die sich aus den ideologischen Wurzeln eines multikulturellen Globalismus speist. Das «Deutsche» im Volk hat keine charakteristischen Merkmale mehr, so die Hamburger Staatsanwaltschaft im Fall der Beleidigung der Deutschen als Köterrasse:

 

Die Hamburger Staatsanwaltschaft sieht jedoch weder in einzelnen noch in sämtlichen Aussagen nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit. Die Begründung: „Es muss sich um eine Gruppe handeln, die sich durch irgendein festes äußeres oder inneres Unterscheidungsmerkmal als äußerlich erkennbare Einheit heraushebt.“ Für die Bezeichnung „Deutsche“ treffe das nicht zu, da diese sich nicht „als unterscheidbarer Teil der Gesamtheit der Bevölkerung abgrenzen lässt“. Und weiter: „Bei allen Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft handelt es sich um die Bevölkerungsmehrheit und daher nicht um einen Teil der Bevölkerung“. Weil es sich also nicht „um einen verhältnismäßig kleinen, hinsichtlich der Individualität seiner Mitglieder fassbaren Kreis von Menschen handelt“, könne das Kollektiv der Deutschen nicht beleidigt werden, heißt es in den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, die der „Welt“ vorliegen. Somit bleibt die Aussage straffrei und ist weiter erlaubt. – Welt

Mit anderen Worten heißt dies nur, dass die Deutschen als unterscheidbare Ethnie und damit als biologischer Körper nicht mehr anerkannt werden. Obwohl im Grundgesetz noch mit der Volkszugehörigkeit und dem Wort Abkömmling ein ethnischer Bezug mit dem Staatsvolk der Deutschen hergestellt wird.  Dort steht nicht Staatsangehörigkeit, sondern Volksangehörigkeit! Auf dieser Definitionsgrundlage war es ja so vielen Vertriebenen und Spätaussiedlern möglich auch ohne Staatsbürgerschaft eine Einreise in die Bundesrepublik Deutschland zu vollziehen und hier als Deutsche wieder anerkannt zu werden. Hier im Wortlaut:

 

(1) Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.
(2) Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abkömmlinge sind auf Antrag wieder einzubürgern. Sie gelten als nicht ausgebürgert, sofern sie nach dem 8. Mai 1945 ihren Wohnsitz in Deutschland genommen haben und nicht einen entgegengesetzten Willen zum Ausdruck gebracht haben.

Obwohl zumindest ein prominenterer Politikwissenschaftler doch zugeben musste, dass die Deutschen durchaus mal ein verhältnismäßig monoethnisches Volk waren und damit Wiedererkennungswert haben dürften. Die Transformation in ein Deutschland, wo «Typisch Deutsch» eine globale Beliebigkeit sein soll, ist eine sehr junge Entwicklung und steht nicht in einer Tradition zu den Deutschen, die «hier schon länger leben». Sachsen, Bayern, Schwaben und all die anderen Stämme waren keine Bantu, sondern weiße Europäer.

„Wir wagen hier ein historisch einzigartiges Experiment und zwar eine monoethnische, monokulturelleDemokratie in eine multiethnische zu verwandeln […] Dabei kommt es natürlich auch zu vielen Verwerfungen“ – Tagesthemen, Politikwissenschaftler Yascha Mounk

Wenn wir also von «Typisch Deutsch» reden wollen, dann müssen wir immer noch vom weißen Mitteleuropäer sprechen, dessen Volk in Europa immerhin noch gut und gerne 65-70 Millionen Menschen umfasst. Deutsche als Ethnie sind keine Beliebigkeit, obwohl sie historisch gesehen immer wieder Fremde in sich aufgenommen haben und daraus eine Einheit schmieden konnten. Wie bei allen Dingen kommt es aber immer auf die Menge, also die Dosierung an – das ist wie mit dem Salz in der Suppe. Ein bisschen Würze macht das Essen besser; zu viel Salz und man kriegt das große Kotzen.

Deutschland ist ein großes Land, die ethnischen Deutschen, die sehr wohl Charakteristika haben, können auch fremde Ethnie absorbieren und sagen: «Ja, du bist AUCH deutsch. Du gehörst auch zu unserem wunderbaren Volk, dem deutschen Volk, weil [Gründe die für gelungene Integration sprechen, Selbstanerkennung des Deutschtums und Staatsbürgerschaft]» Leitkultur kann nur wirken, wenn sie von den hier «länger Lebenden» hinausgetragen und vorgelebt wird, während sie selbst noch eine so große Mehrheit sind, dass sie integrativen Druck auf die Minderheiten ausüben können – einen gesunden Anpassungsdruck.

Die Deutschen jedoch nachträglich zum Weltvolk zu erklären, welches keinerlei ethnische Merkmale besitzt, nie hatte und angeblich nie mehr haben wird, ist absurd und faktisch falsch. Die Deutschen sind erwachsen genug, um nicht gleich in genozidalen Wahn zu verfallen, wenn sie einige Fremde in ihrem Volk willkommen heißen, auch wenn diese nicht «typisch Deutsch» aussehen.  Die Deutschen in ein multiethnisches Volk zu verwandeln, welches keinerlei physischen Zusammenhang mehr hat, wird der Integrations- und Assimilationsfähigkeit der Deutschen jedoch nicht gut tun und eher zur weiteren Segregation führen. Es gibt zu diesem Thema Studien, welche den sozialen Zusammenhalt in multiethnischen und multikulturellen Gesellschaften untersucht haben und zu dem Ergebnis kamen, dass umso vielfältiger die Gesellschaft , umso unsolidarischer und separierter leben die Menschen. Jede Ethnie lebt dann für sich in ihrer eigenen Nachbarschaft und man sortiert sich nach optischer und kultureller Zugehörigkeit.

Wenn die Deutschen ein Volk für ALLE sein wollen, dann werden sie bald ein Volk für niemanden  sein.  Bedauerlichweise handelt es sich wieder um eine grundlegend gut gemeinte Idee, nämlich eine Gesellschaft ohne Rassismus zu schaffen, welche jedoch erneut, wie alle Utopien, in einer Katastrophe enden wird. Ohne geistigen und historischen Kompass für die Deutschen als Volk, werden diese sich verlieren und auch kaum jemanden davon überzeugen können, sich ihrem scheiterndem Projekt anzuschließen. Vielvölkerstaaten wie Jugoslawien sind an diesen Identitätsfragen zerbrochen und in Feuer und Blut untergegangen.

Aber der Weg zur Hölle ist immer mit guten Absichten gepflastert.

Wandere aus, solange es noch geht!
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