Auto & Deutschland: Die grüne Hölle

Foto: Durch fuyu liu/Shutterstock
Foto: Durch fuyu liu/Shutterstock

Unter „grüne Hölle“ verstand der Automobil-Sachverständige für die längste Zeit die Nordschleife des Nürburgrings. Jackie Stewart, dreimaliger Formel 1-Weltmeister der Jahre ´69/´71/´73 hatte den Begriff geprägt für die längste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt, die sich in 170 Kurven durch die Wälder der Eifel windet. Meinereiner kennt jeden Zentimeter einer jeden von ihnen. Heute erleben wir die Verwandlung von ganz Deutschland in eine grüne Hölle. Allerdings weniger in einem motorsportlichen, sondern in einem politischen Sinn. Es ist, als hätte einem der grüne Öko-Hulk in den Tank gepisst und die Einspritzdüsen mit Harnstein verstopft. Die Polemik.

von Max Erdinger

Die dts-Nachrichtenagentur meldet:

„Berlin  – Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat sich vor dem Hintergrund der Debatte über städtische Fahrverbote für die Einführung von City-Mautsystemen ausgesprochen. „Fahrverbote sind Umweltpolitik mit dem Holzhammer und nur als ultima ratio akzeptabel. Man kann und sollte die Einhaltung der Grenzwerte mit intelligenteren Instrumenten umsetzen“, sagte Fuest dem „Handelsblatt“.
„Weitaus besser ist ein City-Mautsystem.“ Fuest verwies auf London. Dort wurde schon 2003 die „Congestion Charge“ (Staugebühr) eingeführt.“

Besserer Vorschlag, Herr Fuest: Man macht gar nichts, freut sich, daß es verbrauchsarme Fahrzeuge gibt, die ordentlich Motorleistung abliefern, lobpreist den technischen Fortschritt als solchen und läßt den Quatsch mit den Grenzwerten bleiben. Man lebt einfach mit der Tatsache, daß man eine Industrienation ist, in welchselbiger die durchschnittliche Lebenserwartung dank ständiger technischer Verbesserungen auch ohne Grenzwerte dauernd steigt – und erfreut sich seines Lebens. Na, hat das was?

„Eine Maut, wie der Ökonom erklärt, bei der Autos, die eine höhere Umweltbelastung verursachen, mehr zahlen. „Die Maut führt dazu, dass die Fahrer auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, die das zu den geringsten Kosten können“, sagte der Ifo-Chef. „Ein Handwerker kann sein Werkzeug, ein zu installierendes Möbelstück oder eine reparierte Maschine in der Regel nicht in der S-Bahn transportieren, der wird dann auch eine hohe City-Maut zahlen.“

Am besten zahlt gar niemand eine City-Maut, weil er ja schon Mehrwertsteuer für sein Auto, Mineralölsteuer, Ökosteuer und Kfz.-Steuer bezahlt. Stattdessen nimmt man Teile der bereits reichlich vorhandenen Einnahmen aus dem Automobilverkehr, übergibt sie den Bürgermeistern verkehrsreicher Städte und ermahnt sie hoch erhobenen Zeigefingers, unverzüglich mit den Planungen zur Gewährleistung eines besseren Verkehrsflusses zu beginnen, da Autos, die im Stau stehen, nur unnötig teuren Sprit verbrauchen, was den Autofahrer ärgert und dadurch seine Lebenserwartung verkürzt. Niemand fährt mit seinem 350 PS starken Diesel-V8 SUV eilends 50 Kilometer weit bis in die Stadt, um sich dort vom Stau ausbremsen zu lassen. Außerdem macht man den Aschenbecher wieder zur Pflichtausstattung, damit niemand mehr seine abgerauchten Kippen zum Fenster hinauswirft. Die Filter abgerauchter Zigaretten sind voll mit giftigen Schadstoffen, die nicht an die frische Luft gelangen dürfen. Es ist ein umweltpolitisch schweres Versäumnis, daß es in der Kippen-aus-dem-Fenster-Frage noch keinen Grenzwert gibt.

Die Kosten eines pauschalen Diesel-Fahrverbots wären nach Einschätzung Fuests dagegen unnötig hoch. „Es wird nicht unterschieden zwischen Fahrten, die nur zu extrem hohen Kosten vermeidbar sind – etwa Fahrten von Handwerkern zu Baustellen – und anderen Fahrten, die leicht vermeidbar sind, wie die individuelle Fahrt zum Arbeitsplatz, bei der man leicht auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen kann“, sagte er. Ein Maut-System könne hingegen je nach Luftbelastung flexibel eingesetzt werden.

Natürlich könnte man auch unterstellen, daß dadurch, daß Autofahren ohnehin schon kein billiges Vergnügen ist, bereits jetzt jeder auf ein Auto verzichtet, wenn er es nicht braucht. Wann jemand mit seinem Auto fahren möchte, wohin auch immer, kann man jedem Einzelnen auch weiterhin getrost selbst überlassen. Hingegen sollte man sich den Kopf darüber zerbrechen, wie die Benützung öffentlicher Innenstadttoiletten so geregelt wird, daß diejenigen zuerst drankommen, die auch am dringendsten müssen. Ich meine, wenn man schon auf die individuellen Fähigkeiten zur Lösungsfindung partout nichts geben will.

„An Tagen, an denen die Abgasbelastung sich den Grenzwerten nähert, kann die City-Maut so erhöht werden, dass die Grenzwerte eingehalten werden“, sagte Fuest. „Mautsysteme hätten außerdem den Vorteil, dass sie helfen, Staus zu vermeiden, indem in Stoßzeiten höhere Gebühren verlangt werden.“ Das spare Zeit und reduziere die Umweltbelastung ebenfalls.“

Und an Tagen, an denen die Mittelohrbelastung durch das scheinheilige Geschwätz von kollektivistisch tickenden Abzockern sich den Grenzwerten nähert, könnte man erhöhte Schwatzgebühren einführen für diejenigen, die sich dennoch äußern zu müssen glauben. Das hätte den Vorteil, daß die allgemeinen Geräuschemissionen reduziert werden, was wiederum zu einer weiteren Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung führen dürfte. Wer länger lebt, zahlt länger Steuern und gleicht so die entgangene City-Maut wieder aus. Der Arzt empfiehlt: Pfeift euch ein paar Tranquilizer rein, ihr Öko-Stresser.

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