Doch nicht unmöglich: Toyota setzt voll auf Hybrid

Foto: Durch Boykov/Shutterstock

 

 Toyota entwickelt im Pkw-Bereich keine neuen Dieseltechnologien mehr.

  • Der Konzern reagiert auf das geringere Interesse der Kunden: In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Diesel-Verkaufszahlen halbiert.
  • Fahrzeuge wie den Land Cruiser oder den Hilux soll es allerdings auch weiterhin mit Dieselmotor geben.

 Von Thomas Schlawig

Ich bin sicher, daß ich mich mit diesem Beitrag bei den Diesel-Fans unbeliebt mache, aber Toyota geht wie so oft genau den richtigen Weg. Schon oft habe ich erwähnt, daß ich über 25 Jahre Mitarbeiter von Toyota war und somit deren Strategie nachvollziehen kann. Als in den 90er Jahren die fatale Diesel-Ära begann, wurde uns in diversen Schulungen immer wieder gesagt, daß Toyota kein klassischer Diesel-Hersteller wäre und man sich schwer tut, dem Trend zu folgen.

Da aber in Europa die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen steigt, muß man zwangsläufig diese Nachfrage auch bedienen.  In der Tat beschränkten sich die Diesel-Modelle auf den oben erwähnten Land Cruiser und den Hilux. Abgesehen davon gab es einige (sehr) wenige Pkw mit Dieselmotor. Diese bereiteten aber damals keinerlei Probleme, weil eine elektronische Abgasreinigung überhaupt nicht zum Einsatz kam. Erst mit dem Einsatz dieser Abgasreinigungssysteme begannen die Sorgen. Oftmals waren sie dem falschen Einsatz der Fahrzeuge geschuldet, weil viele Besitzer eines Diesel überwiegend  kurze Strecken fuhren und somit der Verstopfung der Rußpartikelfilter geradezu Vorschub leisteten. Damit begab sich der Motor in ein Notlaufprogramm und der Besuch der Werkstatt war nicht zu umgehen. Es sei denn, man begnügte sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Um den Motor wieder zum Leben zu erwecken, mußten eine Menge an Prüfarbeiten vorgenommen werden, bis hin zu Software-Updates. Anschließend wurde mit dem Fahrzeug eine Regenerationsfahrt gemacht.

Zu diesem Zweck wurde ein Diagnosetester an den OBD-Stecker des Fahrzeuges angeschlossen und man mußte eine bestimmte Strecke mit möglichst gleichbleibender Geschwindigkeit fahren. Dabei waren die Parameter des Partikelfilters zu beobachten. Vorwiegend Eingangs-und Ausgangstemperatur, sowie Eingangs-und Ausgangsdruck, weil diese Parameter Aufschluß über die   Verstopfung des Partikelfilters gaben. Wenn bestimmte Vorgaben erfüllt waren, wurde manuell über den Diagnosetester Diesel in den Auspuff (vor dem Partikelfilter) eingespritzt und somit ein Verbrennungsprozeß in Gang gesetzt, um den Partikelfilter frei zu brennen. Zu diesem Zweck befindet sich im Auspuff eine Kraftstoffeinspritzdüse und der Vorgang des Reinigens geschieht normalerweise automatisch, ohne das der Fahrer davon etwas spürt. Es sei denn, er schaut genau in diesem Moment in  den Rückspiegel.

Dann kann er nämlich erkennen, daß sein „sauberer“ Diesel alles andere als sauber ist, denn er hinterläßt eine schwarze Wolke. Das Problem Partikelfilter war allerdings nicht das einzige Problem mit der Abgasreinigung. Es gab weiterhin Probleme mit dem Abgasrückführungs-Ventl (EGR-Ventil), welches ständig mit Ruß verstopft war. Ebenso gab es Probleme mit der Hochdruckpumpe und den Injektoren, welche, da aufeinander abgestimmt, niemals einzeln erneuert werden durften. Zu meiner Zeit bis vor vier Jahren kostete ein solcher Injektor ca. 1500 Euro. Das macht bei einem 4-Zylinder-Motor demnach 6000 Euro. Problemkind war der 2,2l D-Cat-Motor mit 177 PS. Als Turbo-Diesel wunderbar zu fahren, wenn man von den Problemen abgesehen hat. Dieser Motor war ein Standard-Motor und im Avensis, RAV 4 und leider Gottes auch im Lexus 220 d verbaut. Hinter vorgehaltener Hand sprach man selbst bei Toyota/Lexus, daß man sich mit diesem Motor im Lexus keinen Gefallen getan hat.

Das war ein kleiner Exkurs in die Diesel-Technik. Bei allem, was heute über den Diesel bekannt geworden ist, vergißt man allerdings, daß dafür diejenigen verantwortlich sind, die heute am lautesten schreien; nämlich die „Politik“. Jetzt die Hersteller dafür verantwortlich zu machen ist billig. Die haben nur das ausgeführt, was die „Politik“ wollte. Sie haben einen  „sauberen“ Diesel gebaut. Ich gehe davon aus, daß Techniker und Ingenieure sich der Probleme bewußt waren, denn selbst durch die effizienteste Abgasreinigung löst sich Ruß nicht in Luft auf. Er wird über einen größeren Zeitraum zurückgehalten, was bei früheren Diesel-Motoren nicht der Fall war, aber irgendwann die die Sättigung des Partikelfilters erreicht und der DRECK muß raus. Ich erinnere mich an eine TV-Werbung aus den 90ern. Dabei hielt man hinter den Auspuff eines Diesel-Fahrzeuges ein weißes Tuch. Dieses blieb trotz mehrmaligen Gasgebens weiß und der Beweis für den „sauberen“ Diesel war erbracht. Jeder kann sich ein Bild beim Betrachten dieses Fotos machen. Diese habe ich selbst während einer Diesel-AU gemacht.

Ergebnis einer Diesel-AU, schädlicher Diesel-Ruß Foto: Thomas Schlawig

 Meiner Meinung nach hat ein Diesel in einem Pkw nichts zu suchen und dieser Meinung bin ich schon immer gewesen. Ich habe über 40 Jahre in meinem Beruf gearbeitet und war im Osten für ein paar Jahre im Motorenbau für Dieselmotoren beschäftigt. Dort wurden luftgekühlte Diesel-Motoren für den Untertageeinsatz im Kalibergbau instandgesetzt. Dort ist meine Abneigung gegen Diesel-Motoren entstanden. Schon allein der Kontakt mit Diesel war für mich abschreckend. Benzin verdunstet ganz einfach, Diesel muß mit einem Bindemittel beseitigt werden. Warum? Weil es ein Leichtöl ist und somit nicht verdunsten kann. Öl verbrennt unter Bildung von Ruß und daran wird sich nie etwas ändern. Es gibt viele Menschen, die sagen, im Osten war nicht alles schlecht. Ich gehöre grundsätzlich nicht dazu, aber in diesem speziellen Fall war der Osten einen Schritt weiter. Es war zwar der Mangelwirtschaft geschuldet, aber es gab für Privatleute keinen Diesel an der Tankstelle zu kaufen.  Folglich gab es auch keine Diesel-Pkw. Das die Luft trotzdem schlimmer verpestet war als heute, hatte andere Ursachen.

Nun ist Toyota der erste Hersteller, der die Diesel-Entwicklung einstellt und gleich ist das Geschrei wieder groß. Toyota unterstützt die Deutsche Umwelthilfe, Toyota profitiert vom Dieselskandal etc. Wie schon oben erwähnt, ist Toyota schon immer Wegbereiter für neue Technologien gewesen. Begonnen hat es 1997 mit der Hybrid-Technologie, worüber man in Deutschland schmunzelte. Bei Mercedes ließ man sich sogar zu der Aussage hinreißen, „an derartigen Spielereien werden wir uns nicht beteiligen“. Neben dem Diesel hat Toyota auch dem reinen E-Auto eine Absage erteilt. SPIEGEL ONLINE schrieb dazu am 17.11.2017: Toyota-Aufsichtsratschef über das Auto der Zukunft „Tesla ist kein Vorbild“ Die Konkurrenten setzen auf Batterieautos – Toyota arbeitet lieber weiter am Wasserstoffantrieb. Aufsichtsratschef Uchiyamada erklärt die Vorzüge.

Der Toyota-Aufsichtsratschef ist (wie Merkel ?) Physiker, scheint aber im Gegensatz zu ihr die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Es ist mir schleierhaft, wie man nach dem staatlich geförderten Desaster mit der Diesel-Technologie denselben Fehler mit der E-Mobilität begehen kann und diese auf Biegen und Brechen durchsetzen und fördern will. Schlimm, daß die Menschen in Deutschland auch diesem Irrweg wieder bedenkenlos folgen, aber die Deutschen sind scheinbar wirklich das einzige Volk, welches aus Erfahrung dümmer wird. Anders läßt es sich nicht bezeichnen. 

Die Auslaufphase [Diesel] werde schon in diesem Jahr beginnen, sagte Johan van Zyl, Präsident von Toyota Motor Europe in Genf. Bereits 2012 hatte das Unternehmen angekündigt, keine neuen Diesel-Pkw mehr zu entwickeln. Seither wurden in diesem Fahrzeugsegment Motoren von BMW verbaut. Jetzt nochmal im Pkw-Bereich Geld in neue Abgasreinigungskonzepte zu stecken, um die künftig geltende Norm Euro 6c einzuhalten, ist Toyota zu teuer.

Der Konzern reagiert mit dem Ausstieg im Pkw-Bereich auf das geringere Interesse der Kunden. Im vergangenen Jahr hatten knapp 15 Prozent der in Europa verkauften Toyota einen Dieselmotor. 2012 waren es noch 30 Prozent. Dagegen sind die Verkaufszahlen für die Hybridmodelle von Toyota stark gestiegen.

Seinen Absatz in Europa konnte der weltweit drittgrößte Autobauer im vergangenen Jahr um 14 Prozent steigern – der gesamte Automarkt wuchs nur um 3,4 Prozent. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte der Hybrid: Hier legte Toyota 2017 in Europa um 45 Prozent zu.

Vollkommen richtig, der Ausstieg aus der Diesel-Technologie ist schon vor einigen Jahren (vor dem Diesel-Skandal) angekündigt worden. Die Hybrid-Modelle waren eben für den Kunden lukrativer, vor allem nachdem neben dem Prius bei Toyota und dem RX 400h bei Lexus für alle anderen Modelle der Hybrid-Antrieb angekündigt wurde. Es ist nur normal, daß ein Konzern auf eine sinkende Nachfrage reagiert. Es nennt sich Marktwirtschaft, ein Begriff der in Deutschland keinen Wert mehr zu besitzen scheint. Hier bedient man sich lieber staatlicher Vorgaben (Planwirtschaft), welche dann zwangsläufig im Desaster enden (siehe Diesel).

Wenn es überhaupt einen Autobauer gebe, der vom Dieselskandal profitiere, „dann Toyota“, sagt dazu Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen.

Dabei zehre der japanische Konzern auch von seinem Erfolg in der Vergangenheit. Die europäischen Autobauer hätten lange Zeit nur auf die Dieseltechnologie gesetzt, um die CO-Emissionen zu reduzieren – ohne eine Alternative zu entwickeln.

Da muß ich dem Branchenexperten Prof. Dudenhöffer recht geben, aber Toyota profitiert vom Dieselskandal weil man dort konsequent das „Ohr am Markt“ hatte und immer rechtzeitig reagiert hat, während die europäischen Autobauer zu lange auf das falsche Pferd gesetzt haben. Jetzt mit dem Finger nach Japan zu zeigen ist nicht hilfreich, wie Frau Merkel sagen würde. Daher sehe ich auch keinen Interessenkonflikt bei der Unterstützung der Deutschen Umwelthilfe. Dazu heißt es in der FAZ vom 28.05.2016 !!!, Zitat: Von Toyota werden die Fakten bestätigt. Die Zusammenarbeit bestehe seit „mehr als zehn Jahren“, neben den Umwelttaxis auch beim Umweltmedienpreis. […] „Das Engagement mit der DUH ist in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden.“ Aber Toyota sei eben „sehr interessiert an Themen der nachhaltigen und umweltfreundlichen Mobilität.“

Das war schon immer die treibende Kraft bei Toyota und ich weiß nicht, was es da zu bemängeln gibt. Für eigenes Versagen sollte man nicht andere verantwortlich machen. Vor allem, wenn man dieses Versagen trotz allem weiter betreibt. Am vergangenen Montag schrieb Heise.de, Zitat: Elektroautos: Telekom will ab Sommer Verteilerkästen zu Ladestationen aufrüsten.

Rund 380.000 Kabelverzweiger unterhält die Telekom in Deutschland, etwa 12.000 davon hat sie als geeignet ausgekundschaftet, war auch Telekom-Chef Tim Höttges kürzlich auf dem Mobile World Congress in Barcelona zu vernehmen. Manche „grauen Kästen“ lägen zu weit vom Bordstein entfernt oder auf der falschen Straßenseite oder seien auf andere Weise nicht geeignet. Bis Ende 2018 sollen möglicherweise ein paar hundert der geeigneten Verteiler ausgebaut werden.

Es läßt einen nur innerlich mit dem Kopf schütteln, wie man wieder konsequent einen Irrweg beschreitet. Am Ende werden die Schuldzuweisungen hin-und hergeschoben und keiner will es gewesen sein. Wieviele E-Fahrzeuge kann man wohl gleichzeitig an einem derartigen Verteiler mit Energie versorgen.  Kleiner Tipp, stellt sie in die Mitte eines Kreisverkehrs und sperrt diesen in der Nacht für den Verkehr, dann lassen sich viele Fahrzeuge gleichzeitig andocken.

Gespannt darf man zudem sein, wie sich das Magnetfeld des Stromnetzes auf den Niederspannungsbereich in diesem Verteiler auf die Qualität von Internet und Telefon auswirken wird. Aber Opfer müssen gebracht werden (für den technischen Fortschritt). Schließlich ist die Post mit ihren Streetscootern auch auf dem richtigen Weg, wenn davon abgesehen wird, daß deren Fahrer im Sommer mangels Klimaanlage schwitzen und im Winter frieren müssen, weil die E-Heizung die Reichweite beeinträchtigen würde.

„Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart“  Curt Goetz (1888-1960)

 

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