Akif Pirincci: „Schnauze jetzt red ich“. Es war mir eine Lesefreude!

Schöner Platz. Direkt neben Uma Thurman. (Foto: Privat)

Informativ, ausführlich, exzellent geschrieben. Ich finde Akif Pirinccis „Magazin für echte Männer und wahre Frauen“ ist ein großer Wurf. Ich habe (auch) viel gelacht.

Ich gebe gern zu, ich habe als junger Mann angeregt durch eine Buchbesprechung in der Musikzeitschrift Sounds 1981 das erste Buch von Akif Pirincci gekauft und war sofort ein „nennen wir es Fan“ des Autors. Gut erzählt, gut geschrieben, guter Blickwinkel. Auch von den Büchern, die danach kamen, habe ich einige gelesen. „Die Damals Tür“ ist mein Favorit von Pirinccis erzählerischem Werk. Als er auf Sachbuch umsattelte, hab ich die auch alle gekauft und versteh bis heute nicht, was daran so gefährlich sein soll. Außer man hat Angst vor der Wahrheit oder an manchen Stellen davor, sich tot zu lachen. Denn Akif Pirincci hat einfach Humor. Wenn er mal pöbelt? Ehrlicherweise pöble ich auch mal ganz gerne. Für mich also kein Problem. Als Befangener habe ich seine Zeitschrift schon früh bestellt.

Erst mal gefällt mir, dass Akif Pirincci wirklich fast alle Artikel selber geschrieben hat. Es ist also drin, was draufsteht.

Ein Magazin mit nur einem Autoren (bis auf wenige Ausnahmen) das hört sich ja erst mal verrückt an. Soll ein Magazin ja eher unterschiedliche Meinungen spiegeln. Doch es funktioniert. Und ich bin positiv überrascht, weil es besser ist als erwartet. Was daran liegt, dass Pirincci es einfach drauf hat, inhaltlich und stilistisch. Seine Texte werden von einem klaren Layout optimal präsentiert.

Das 10-Seiten-Interview (gut geführt von Jürgen Elsässer und Daniell Pföhriger) ist keinen Deut zu lang, einfach interessant zu lesen Pirinccis Weg vom Jungautor, über Medienliebling und Bestsellerautor zum Verfemten, dem man versucht, den Mund zu verbieten, besonders nach der Pegida-Krise, die ja eher eine Lügenpresse-Krise war, aber für ihn unangenehme Folgen hatte:

„Leute haben mich auf der Straße angespuckt, mit Cola übergossen und solche Dinge.“

 „…die totale Auslöschung. Es war eine Hysterie ohnegleichen. Unfassbar, wie man die Leute bekloppt machen kann.“

Bei den Artikeln bietet Akif: Vielfalt. Geschichten über Richard Burton und Stummfilmstar Louise Brooks sind unterhaltend, interessant, Lesespass.

„Akif allein im Puff“. Mich fasziniert die radikale Selbstbespieglung und die völlige Abwesenheit von falscher Romantik.

„Der böse Akif“ ist ja auch im Internet unterwegs. Das ein oder andere Geschichte kannte ich daher schon, aber:

„Vanessa im Wunderland“ über das „Zeit online Einhorn“ Vanessa Vu und den #metoo-Quatsch, kann ich immer nochmal lesen lesen.

„Generation Cameltoe“: Zum Schreien.

„Magic Money“ und „Im Maschinenraum der Nation“: Wirtschaftswissenschaft für Anfänger.

„Die Moslem-Queen“ bespiegelt in einer Filmbesprechung den Irrsinn der Umdeutung von Geschichte. Grandios.

Na und dann:

„Frauenwahlrecht Nein Danke“. Müsste Claudia Roth (pars pro toto) jeden Tag hundert Mal abschreiben:

 „Frauen sind konformistische Wesen und auf Harmonie bedacht. Man könnte auch sagen, dass sie dem Sozialen, Helfenden, Lieblieb und Bloß-keine-Gewalt-Gedanken bei weitem mehr zugeneigt sind als Männer. Allerdings überlassen sie die Kosten für eine solche Another-Day-in-Paradiese-Welt stets der Allgemeinheit.“

 „Frauen haben nur soviel Freiheit, wie Ihnen Männer zugestehen wollen – oder in der Lage sind zu garantieren.“

 „Wenn die Orientalen die Mehrheit haben, wird sich die Frauenfrage von selbst erledigen.“

Wem das zu starker Tobak ist, zu vereinfacht, oder was auch immer, für den dürfte Compact Pirincci schwer zu verdauen sein, aber der Autor ist gründlich und eloquent. Denn das muss man sein, wenn man komplexe Vorgänge auf ihre einfache Struktur herunterbricht. Auch die nicht erwähnten Artikel haben mir gut gefallen. Die wenigen Gastautoren machen ihre Sache gut.

Sehr gelungen. Als Frühbesteller war mein Heft gestern in der Post inklusive Autogramm.

Das hängt jetzt an der Pinnwand (s. Beitragsbild). Ab dem 10. März (Ich glaube ohne Autogrammkarte) ist das Heft im Zeitschriftenhandel oder ab sofort hier zu bestellen.

Wer sich jetzt fragt, kann das Heft so gut sein, wie hier gelobhudelt?

Erinnern Sie sich an die beiden alten Meckerköpfe aus der Muppetshow, die immer aus ihrer alles niedermachen? Waldorf und Statler? So bin ich. Nur in einer Person. Das mir etwas uneingeschränkt gefällt, kommt also seltener vor. Seien wir froh, dass es Ausnahmen gibt.

Kaufen und lesen.

Das ist ein Befehl. (VK)

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