IM TAGESSPIEGEL: Integrationsbeauftragter warnt vor Gewalteskalation durch „Flüchtlinge“

Der Tagesspiegel zwischen Traum und Wirklichkeit, aber immer noch "Wir schaffen das". "Bild: Screenshot Tagesspiegel, Link im Text)

Wenn schon ein Integrationsbeauftragter vor der Gewalt auf Berlins Straße warnt und „Flüchtlinge“ als Gefährder klar benennt, kann es nicht im Tagesspiegel stehen. Doch. Aber es wird weiter relativiert, was nicht zu relativieren ist.

Wenn im Tagesspiegel etwas zum Thema „Flüchtlinge“ steht, kommt der Redakteur an bestimmten antrainierten Reflexen nicht vorbei.

Das Übliche: Sind ja nicht alle so. Die tollen Fachkräfte, die den ganzen Tag nur arbeiten und lernen, sieht man nicht. Dennoch kann man nicht völlig daran vorbei, dass gerade in Berlin Menschen vor den Schutzsuchen mittlerweile immer öfter Schutz suchen müssen.

Natürlich ist das nur gefühlt, so liest man im Tagesspiegel „Wird Berlin zum Angstraum?“ ernsthaft:

„Es geht viel um Gefühl, wenig um Statistik“

„Ich habe Klienten, Flüchtlinge, die wunderbar integriert sind. Die sprechen besser Deutsch als mancher Deutscher.“ 

 „Viele sind bereit, sich zu hinterfragen.“ 

 „In Schulen funktioniert die Kooperation sehr gut“

 „Die Menschen brauchen Arbeit, eine Wohnung, Dialog mit Deutschen.“

 Was einfach Blödsinn und im einzelnen so oft wiederlegt ist, dass es schon langweilig wird und durch die Äußerungen des interviewten Arnold Mengelkoch, Integrationsbeauftragter des Bezirksamts Neukölln, im Artikel auch ziemlich hart auf die Füße gestellt wird. Mengelkoch habe selber beobachtet, wie am Alexanderplatz zehn arabisch stämmige junge Männer ohne Warnung auf Polizisten los stürmten: „Erkennbar krawallwillig“.

Viele Flüchtlinge stellen schnell fest, dass die Polizei zwar viel kontrolliert, aber das Ganze aktionistisch wirkt. Als kleinem Drogendealer passiert einem selten etwas. Die Justiz ist überlastet, die Polizei genießt zu wenig Respekt. Ein Staatsanwalt sagt inoffiziell: „Der Rechtsstaat hat sich hier aufgegeben.“

Arnold Mengelkoch, der Integrationsbeauftragte, beobachtet, „dass sich dort seit einem halben Jahr alles verdichtet“. Gelangweilte Flüchtlinge sammelten sich dort, eine „kritische“ Klientel, wie er meint.

„Die fühlen sich sicherer. Die wissen, dass man nach einer Festnahme schnell wieder freikommt.“ Und das hat erhebliche Konsequenzen, jedenfalls aus Sicht von Mengelkoch: „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass eine neue Welle von Gewalt auf uns zukommt.“

Mit anderen Worten: Berlin wird nicht zum Angstraum. Ist schon längst passiert.

Was ich auch sehr schön (entlarvend) finde an der Geschichte, ist der Vorspann, der zeigt, so richtig viel Hoffnung sollte man sich beim Tagesspiegel nicht machen:

Das Verhalten mancher Geflüchteter löst Unbehagen aus, der differenzierte Blick wird seltener. Ein Integrationsbeauftragter warnt vor neuer Gewalt.

 Liest sich, als sorge sich der Integrationsbeauftragte um zukünftige Gewalt gegenüber „Flüchtlingen“. Er sorgt sich aber um Gewalt, die jetzt schon von den Flüchtlingen“ ausgeht.

 Auch den Tagespiegellesern geht da langsam ein Licht auf. Aus den Kommentaren:

„Wurde zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 schon von vielen so vorhergesagt. Massen junger Männer, ohne Perspektive auf Arbeit, Wohnung, Geld, Partnerschaft aus den gesellschaftlich, wirtschaftlich und religiös rückständigsten Erdteilen treffen auf eine westliche Industriegesellschaft – was kann schon schiefgehen?“

 Es ist nicht nur ein Unsicherheitsgefühl, sondern eine soweit konkrete Unsicherheit, dass das normale Leben schon eingeschränkt wird.“ 

 Es fällt auf, das jedes Mal, wenn die Polizeistatistik angeführt wird, die Kriminalität angeblich zurückgegangen sei. Gefühlt geht das schon über Jahre so. Irgend etwas scheint da nicht zu stimmen, die Statistik erscheint nicht wirklich aussagekräftig, von ihrer Glaubwürdigkeit ganz zu schweigen. 

 „Ich (Mann, 39J) bin viel mit dem Kinderwagen in der U-Bahn unterwegs, U6 und U9. Regelmäßig werden ich beim Aussteigen von arabisch aussehenden jungen Männer behindert, teilweise sogar gerempelt. Es wird nicht gewartet bis alle ausgestiegen sind. Sofort drängen sie rein. Da sie meistens in Gruppen auftreten, traue ich mich nicht, den Mund aufzumachen. Hab ja ein Kind von 15 Monaten dabei.“

So sieht die Realität aus. Vielen Politikern würde es sicher zu einer anderen Weltsicht verhelfen, würden sie sich wie normale Bürger auf den Straßen bewegen anstatt im Dienstwagen gefahren zu werden.

Aber es gibt auch welche, die wohl in einem anderen Berlin leben:

Aus persönlichem Erleben empfinde ich Berlin als insgesamt sehr friedliche und sichere Stadt. Ich kann nicht von Konflikten mit Migranten berichten und ich habe in meinem persönlichen Bekanntenkreis auch nichts dergleichen vernommen. Mag sein, dass das daran liegt, dass in meinem Umfeld besonders viele weltoffene Menschen leben, denen es auch nicht an Selbstbewusstsein mangelt und denen rassistische Vorurteile fremd sind.“

 Gutmenschen passiert eben nichts. Die surfen auf ihrem Heiligenschein nach Hause. (HA)

 

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