Türkei, China, Nordkorea, Kandel…

Foto: Privat
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Heiko Maas: Eine Zensur durch Einschränkung des Internets ist nicht unser Verständnis von Demokratie!

 Von Holm Teichert

Man hat es wirklich nicht leicht. Da plant man wochenlang mit seinem Chefredakteur die Liveübertragung von Kandel, um den Lügenmedien das Wasser abzugraben und den Interessierten die Wahrheit uneingeschränkt zu Verfügung zu stellen, um dann prompt in die nächste Falle der Regierenden zu tappen.

Dabei fing alles so gut an.

Wir waren rund 2 Stunden vor Beginn der Veranstaltung vor Ort und begannen die ersten Einspieler und die Anmoderation abzudrehen. Zwischendurch trudelten via mobilem Internet, also WhatsApp, Nachrichten von Freunden und Familie ein. Das Übliche, was immer kommt. Passt auf Euch auf. Kommt den Linken nicht zu nahe.

Man beantwortete die Nachrichten und machte mit seiner Arbeit weiter.

Bis hierhin alles gut. Bis hierhin alles wie immer.

Der Internetempfang war hervorragend. Zumindest bis hierhin.

Eine Viertel Stunde vor Veranstaltungsbeginn ein letztes Telefonat mit unserem Chefredakteur, welches mit den Worten endete: „Wir schalten uns jetzt auf, wir kommen in wenigen Minuten on.“

Das sind wichtige Worte für einen Chefredakteur. Denn nun werden verschiedene Monitore beobachtet, auf denen unsere Liveübertragung aufläuft.

Und dann wird die Übertragung von FB oder Youtube auf die Journalistenwatch-Seite geleitet. Man ist ja mittlerweile realistisch genug und sendet sicherheitshalber gleichzeitig zu mehreren Portalen, da ja weder FB noch Youtube wirklich dafür berühmt sind, solche Übertragungen ungehindert zuzulassen und so der Meinungsfreiheit gerecht zu werden!

 Doch heute war alles anders.

Ganz anders. Heute erlebten wir den Hauch Exotik aus der Türkei, China und Nordkorea. Heute wurde Kandel plötzlich zur kleinen Schwester dieser 3 Mächte.

Denn so ziemlich auf den Punkt genau 14.00 Uhr, ein paar Sekunden nachdem wir on waren, brach unsere Verbindung ab und ward weg und verschwunden.

Hektisches Suchen bei uns und den Kollegen von RT Deutsch.

„Habt Ihr Netz?“ „Nein! Plötzlich weg!“ „Komisch, unseres auch!“

Bestürzte Gesichter bei all den freiwilligen Filmern, die ihre eigene Liveübertragungen auf ihre FB-Seiten senden wollten. Nichts ging mehr.

Alles Versuchen nützte nichts. Das Netz war weg.

Und es war genau bis wenige Minuten nach Veranstaltungsende weg.

Kaum war die Demonstration offiziell für beendet erklärt, na, Ihr ahnt es, war das Internet wieder verfügbar.

In bestechend schnellem Tempo wurden wieder alle Nachrichten übertragen, Bilder gesendet und empfangen.

Immerhin haben wir es da gegenüber der Türkei, China und Nordkorea doch noch etwas besser. Bei denen wird von den Regierenden das Netz dauerhaft eingeschränkt. In Kandel wenigstens nur solange, bis eine Demo zu Ende ist.

Puh. Glück gehabt, dass Kandel noch nicht zur Achse des Bösen zählt.

Und nun kommen wir zum komischen Teil des Beitrages:

Bild, ARD und regionale Medien erwähnten plötzlich sogar den Zusammenbruch des Internets.

Nun bricht aber irgendwo in der Digitalwüste Deutschlands immer ein Netz für ein paar Stunden zusammen. Erwähnung in den Nachrichten fand das noch nie.

Warum also plötzlich die explizite Erwähnung dieses Ausfalls in den Medien? Wusste man schon vorher, dass dies zu unangenehmen Fragen der Teilnehmer und Journalisten führen wird?

Denn dass das Netz mit voller Absicht abgeschaltet wurde, um eine ehrliche Berichterstattung zu verhindern, wird auch dadurch mehr als wahrscheinlich, weil nicht ein Netz nicht mehr funktionierte, sondern alle Netze.

Egal ob Vodafone, O2, E+, yourphone oder das Telekomnetz.

Alle Netze brachen exakt zu selben Sekunde ein und fanden Stunden später zur selben Sekunde wieder zurück ins Leben.

So einen Zufall habe ich bis dato noch nicht einmal Silvester erlebt. Und Silvester eine Nachricht zu versenden, ist ein Geduldsspiel. Ihr werdet mir da sicherlich alle Recht geben.

Nach kurzer Beratung beschlossen wir also, einfach ohne Liveübertragung weiterzumachen und erst einmal nur zu drehen, um Euch dann wenigstens im Nachhinein die Bilder präsentieren zu können.

Wir haben fantastische Interviews mit Veranstaltern geführt, wir haben einen Übergriff der Polizei gefilmt und beeindruckende Bilder von einer der besten Veranstaltungen gesammelt, die wir je besuchten.

Und so hat uns die nordkoreanisch anmutende Netzabschaltung nicht daran hindern können, für Euch zu drehen. Nur dass wir jetzt eben nicht im Bett liegen und von tausenden Stimmen träumen, die in Kandel ihr „Merkel muss weg!“ schmetterten, sondern stattdessen einen Beitrag schreiben und Filme und Interviews schneiden, um Euch so schnell wir möglich nachzuliefern, was Ihr in einer echten Demokratie hättet schon heute Nachmittag live sehen können.

Und morgen geht´s weiter. So Gott und das Internet dies zulassen.

Wir sehen uns in Bottrop.

Herzlichst, Euer Holm Teichert

 

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