AfD deckt auf: Wo der Hofreiter Toni seine Weisheiten her hat

Foto: Imago
Foto: Imago

Der Hofreiter Toni von den Grünen hat am Donnerstag im Bundestag aus Versehen verraten, wo er seine ganze Weisheit herhat: Aus der Zeitung. Die Satire.

von Max Erdinger

Graues Sakko, verbeulte Jeans und blonde Schnittlauchhaare – wer ist es? Der Hofreiter Toni von den Grünen. Weiß der Geier, welcher Teufel den politischen Brunzkartler aus Bayern geritten hat, daß er sich im Bundestag ausgerechnet zum Thema Anstand äußern wollte. Jeder weiß, daß er vom Anstand keine Ahnung hat. Er hat es trotzdem probiert. Und zwar so: Wenn die Raffzähne von der Autoindustrie einen Funken Anstand hätten, sagte er sinngemäß, dann würden sie die Kosten für eine fällige Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge auf eigene Kosten vornehmen.

Das war natürlich wieder verkehrt. Wenn die Automobilindustrie einen Funken Anstand hätte, würde sie dem Hofreiter nämlich ehrlich sagen, daß er den Quatsch bei seinem Friseur loswerden kann, weshalb es auch gut wäre, wenn er sich einen suchen würde. Und daß ihn der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages bei der Suche vermutlich unterstützen würde.

Jedenfalls gibt es ernstzunehmende Wissenschaftler, den Prof. Klingner vom Fraunhoferinstitut in Dresden zum Beispiel, aber auch viele andere, die quasi behaupten, der ganze Dieselhype sei wegen seiner tatsächlichen Irrelevanz überflüssig. So, wie ein Grüner im Bundestag oder sonstwo, möchte man anfügen. Das juckt aber den Hofreiter Toni nicht. Wenn sich der einmal entschlossen hat, einen rechten Scheiß zu erzählen, dann bleibt er auch dabei. So gingen ihm also die Worte vom Betrug, von den Grenzwerten, der Betrugssoftware und der 500-, 600- und gar 1000-fachen Überschreitung des Grenzwerts mit Leichtigkeit über die Lippen.

Beim Hofreiter ist es so, daß er eine eingebaute Redezeitanzeige hat. Wenn der Kopf vor lauter Erregung feuerrot ist, dann ist das Ende der Redezeit erreicht. Am Donnerstag war der Hofreiter Toni erst auf dem rosa Level, als eine gefährliche Zwischenfrage eingereicht wurde. Sie kam von jemandem, der sich beim Thema Diesel auskennt wie Tarzan im Dschungel: Dr. Ing. Dirk Spaniel von der AfD. Herr Dr. Spaniel war früher Leiter einer Entwicklungsabteilung bei Mercedes-Benz. Spaniel begehrte vom Hofreiter Toni zu wissen, wie er im Zusammenhang mit den politischen Grenzwerten auf den Begriff „Betrug“ kommt.

Dem Hofreiter Toni war anzumerken, daß er instinktiv die Gefahr erkannte, von einem Experten als Ignorant geoutet zu werden. Er zögerte kurz – und dann kam ihm der rettende Einfall. Der Herr Dr. Ing. Spaniel von der AfD solle sich eine Zeitung kaufen, die Süddeutsche oder die FAZ, da stehe alles über den Betrug drin. Und daß die Abgeordnetenbezüge des Experten von der AfD wohl ausreichen sollten, um sich eine Zeitung zu leisten. Er wisse ja nicht, wo sich Dr. Spaniel die beiden letzten Jahre aufgehalten habe, daß er im Zusammenhang mit der Dieselsauerei noch solche Fragen stellen muß. Ich muß gestehen, daß ich schon lange den Verdacht gehabt habe, der Hofreiter Toni könnte sich immer dann fortbilden, wenn er vom Wochenmarkt zurückkommt und seinen fair geangelten Fisch auswickelt.

Die Frage von Dr. Spaniel ist natürlich auch ein bißchen gemein gewesen, weil ihn genau diese Frage nämlich gar nicht interessiert hat. Er weiß schon, daß die Grünen die Diskrepanz zwischen der Realität und ihren Hirngespinsten gerne als Betrug bezeichnen, damit sie nicht als Ignoranten, sondern als Hintergangene wahrgenommen werden. Weil das unter PR-Gesichtspunkten günstiger ist.

Deswegen stand Dr. Spaniel auch nur süffisant lächelnd an seinem Saalmikrofon, als der Hofreiter Toni die Quelle seiner Weisheiten verriet. Lehrreich war das Ganze aber insofern, als daß seit Donnerstag klar ist: Auch der Hofreiter Toni ist ein lustiger Typ. Man muß ihm nur die richtigen Fragen stellen.

 

 

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...