Abt. Deppen-News: Joschka Fischer mahnt Europa

Ein Mann und seine "Nazi-Brille" (Foto: Von Michael Thaidigsmann - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35661019
Krass überschätzt: Der Metzgersbub aus Gerabronn (Foto: Von Michael Thaidigsmann - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35661019

Bei Web.de haben sie den ollen Fischer wieder ausgegraben. Weiß der Geier, warum. Interessant ist nämlich nicht so sehr, was er zu sagen hatte, sondern wie Web.de meldet, was er gesagt hat. Die hochgerollten Zehennägel.

von Max Erdinger

Zitat: „Joschka Fischer: Ex-Außenminister mahnt: Europas letzte Chance.

Letzte Chancen sind immer solche, die man schon sicherheitshalber unbedingt ergreifen sollte. „Chance auf was?“, ist da völlig nebensächlich. „Manni Häfenkamp: Ex-Knacki mahnt: Malles letzte Currywurst“, wäre aber auch eine schöne Schlagzeile gewesen.

Web.de: „Mahnung an Europa: Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer hat bei einer Rede an die EU-Mitgliedsstaaten appelliert, gemeinsam an einen Strang zu ziehen. Es sei die letzte Chance Europas.“

Das Mysterium klärt sich auf. Die Europäer sollen nicht gemeinsam an den Waldrand oder einen Fischteich umziehen, sondern an einen Strang. Wer jetzt nicht an einen Strang zieht, muß auf ewig in Buxtehude wohnen bleiben. Neue Heimat: Wohnen am Strang.

Europa hat nach Ansicht des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer nur gemeinsam eine Chance, in einer sich wandelnden Welt zu bestehen. „Wir werden uns sehr viel mehr um unsere eigene Sicherheit und unsere Interessen kümmern müssen“, sagte Fischer am Freitagabend beim Matthiae-Mahl in Hamburg.

Wie anders, als gemeinsam, könnte man sich das eine Europa auch vorstellen? Ein bißchen Europa gleich hinter Kamtschatka, ein anderer Teil neben Neuseeland vielleicht? Ich habe den Verdacht, daß Europa ohne jede sich wandelnde Welt auch so irgendwie „gemeinsam“ ist. Wäre es anders, würden wir uns demnächst wohl schweren Herzens von der Schweiz, von Norwegen und Island verabschieden müssen. Wo die wohl weiterbestehen werden, wenn es nicht mehr in der sich wandelnden Welt ist? Wie wandelt die sich eigentlich? Ist sie dabei, würfelförmig zu werden?

Die westliche Führungsmacht USA könne und wolle diese Rolle nicht mehr ausfüllen; die Macht verlagere sich von West nach Ost. Nationalstaaten europäischer Prägung könnten nicht mithalten mit den Größenordnungen der USA, Chinas und Indiens.

Tja, Joschka, da ist der „Ami-go-home!“ also tatsächlich home gegangen. Aber es gibt einen Ersatz. Das wäre ein Verbund europäischer Nationalstaaten, der täglich seine eigene Vielfalt feiert und genau weiß, in welcher Hinsicht er zusammenarbeiten muß, um seine je eigene Nationalstaatlichkeit in der ganzen europäischen Vielfalt zu bewahren. Mit „Größenordnungen“ mitzuhalten, scheint mir kein erstrebenswerter Wert an sich zu sein. Ich weiß schon, daß du EU meinst, wenn du Europa sagst. Weißt du noch, wie groß die Sowjetunion gewesen ist? Boah, Meister, da hätten die USA unter Größenordnungsgesichtspunkten aber einpacken können! Wer hat letzten Endes eingepackt? – Siehste? Und was sagt dir das jetzt über eine EUdSSR? – Ah, nichts. Das habe ich mir fast gedacht.

Wir können uns ein weiteres verlorenes Jahrzehnt nicht leisten“, sagte Fischer. „Der Stillstand muss überwunden werden.“ Der Erfolg der Europäischen Union sei auch im obersten nationalen Interesse Deutschlands. Im sei für die Zukunft nicht bange. „Aber scheitert Europa und werden wir abgehängt, dann sehe ich schwarz“, sagte Fischer. „Das 21. Jahrhundert wird für uns keine zweite Chance bereithalten.

Mit fettgefressenen Schwätzern hat noch niemand jemals eine Chance gehabt, worauf auch immer. Europa scheitert nicht, wenn diese EU scheitert, ganz im Gegenteil. Daß diese EU scheitert, ist vielmehr die erste Voraussetzung dafür, daß Europa überlebt. Im Klartext: Sämtliche feisten Kommis erst einmal rausschmeißen und mit einem politischen Wiederbetätigungsverbot belegen. Als nächstes ganz Brüssel desinfizieren und die EU-Räumlichkeiten mit Denkern und fachlichen Experten besiedeln, die erstrebenswerte Ziele anders definieren als über „Größenordnung“ und „mithalten“. Keinesfalls ist ein „Erfolg der Europäischen Union“ darin zu sehen, daß ein Haufen abgeranzter Säufer und selbstreferentieller Kleptokraten, die von keiner Sau je gewählt worden sind, ihr eigenes Weiterleben als stinkreiche Laberparasiten in einem bürokratischen Ameisenhaufen absichern.

Wie man die einzigartige Vielfalt Europas erhält, wirtschaftlich dennoch konkurrenzfähig bleibt und militärisch unangreifbar wird, darum wird es gehen müssen, nicht um die klassische Kommi-Umverteilung innerhalb der EU unter barbarischer Mißachtung ihrer regionalen Mentalitätsunterschiede, das Mästen einer selbstherrlichen Funktionärskaste und die Neuauflage einer Sowjetunion.

Was sollen das überhaupt für politische Aussagen sein, Joschka? „Stillstand überwinden“, „mithalten“, „letzte Chance“, „abgehängt werden“, „sich wandelnde Welt“ – ein solches Bla-bla bringen ja sogar die Merkel oder die Göring-Eckardt fertig. Pfiffigkeit, Deregulierung, Innovation, Entbürokratisierung, Dezentralisierung, Marktradikalität, Originalität, Subsidiarität, freie Entfaltungsmöglichkeiten für Unternehmen, frei konvertierbare Währungen innerhalb der EU, – das sind die Stichworte, die meinereiner lesen will, wenn es um die Zukunft eines Europa geht, das sich die kulturelle Einzigartigkeit seiner eigenen Vielfalt bewahren will, anstatt zu einer x-beliebigen Weltgegend herabzusinken, in der dieselben Meßgrößen maßgeblich sind wie überall sonst. Wir sind nicht irgendwer und deswegen setzen wir unsere Prioritäten selbst, anstatt uns welche aufschwatzen zu lassen.

Etwas besseres, als daß diese EUdSSR im Stillstand verharrt, gibt es momentan gar nicht. Es spricht nichts dagegen, den Jet zu einem neuen Ziel aufbrechen zu lassen, nachdem die besoffene Crew ausgetauscht worden ist. Austauschen muß man sie halt zuerst, diese phantasielosen, im Suff marodierenden Gurkenkrümmer und Bananenbieger in ihrem Standardisierungs- und Regulierungsdelirium.

Ungewöhnlicher Gedanke vielleicht: Wenn der ganze Zug auf eine eingestürzte Eisenbahnbrücke zurast, ist es nicht das Verkehrteste, lange vorher in einem abgehängten Waggon auf freier Strecke stehenzubleiben. „Abgehängt“ worden zu sein ist nicht immer gleich in einem negativen Sinn zu verstehen. Die Vorstellung, man müsse immer dorthin laufen, wo alle anderen auch hinlaufen, ist ein bißchen infantil, Joschka.

 

 

 

 

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