Pippi Langstrumpf-Stokowski im Spiegel: „Zellen schützen, Frauen quälen“

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Der "Spiegel" sucht Auswege (Foto: Collage)

Bei Spiegel-Online gibt es eine Kolumne von Margarete Stokowski. Unter dem Titel: „Zellen schützen, Frauen quälen“ beschäftigt sie sich diese Woche mit dem Werbungsverbot für Abtreibungen. Sie kritisiert dabei den § 219a StGB, der ein solches Verbot beinhaltet. „Zellen schützen, Stokowski quälen.“ Das neue Motto.

von Max Erdinger

Die Stokowski liefert wieder einmal den niederschmetternden Beweis, daß ihr jeglicher Sinn für Eigenverantwortung und Logik fehlt. Frauen haben Rechte. Und zwar nur Frauen.

Stokowski: Selbst ernannte „Lebensschützer“ verteufeln Abtreibungen generell. Sei’s drum. Dass Ärzte aber nicht öffentlich darüber informieren dürfen, ist absurd. Die Würde der Frau interessiert da niemanden.

Da Lebensschützer von niemandem ernannt werden, werden sie sich wohl selber irgendwie nennen müssen. Das ist wie bei den Feministinnen, selbsternannte Margarete. Die ernennt auch niemand. Die Würde der Frau interessiert uns aber selbstverständlich noch viel mehr als jede andere. Und die Rechte der Frau interessieren uns geradezu rasend.

Die Bescheidwisserin: Wenn Leute feministischen Fortschritt blockieren, weiß man manchmal nicht, was mit ihnen los ist: ob sie Angst haben oder irgendwas nicht verstanden, oder ob sie einfach nur anderen Menschen das Leben schwer machen wollen. Im Falle von Abtreibungsgegnern und selbst ernannten „Lebensschützern“ trifft oft alles gleichzeitig zu. 

Könntest du dich eventuell mit dem Gedanken anfreunden, Margarete, daß es so etwas wie feministischen Fortschritt nicht gibt? Es gibt Fortschritt oder keinen. Inwiefern und ob der Feminismus überhaupt dazu beiträgt, ist eine ganz andere Frage. Der gesellschaftliche Fortschritt als solcher – und auf den hebst du ja ab – wäre sozusagen ein Generalfortschritt, bestehend aus vielen Abteilungsfortschritten verschiedenster Art. „Feministischer Fortschritt“ als einer davon ist aber dieselbe gequirlte Hühnerkacke wie die „feministische Geschlechtergerechtigkeit“. Es tut mir leid, Margarete, aber man kann wirklich nicht die hellste Kerze auf der Torte sein, wenn man absolute Begriffe wie Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit – und eben auch Fortschritt systematisch in Unterfreiheiten, demokratische Abstufungen („Mehr Demokratie wagen!“) und eine Vielzahl verschiedener „Gerechtigkeiten“ aufteilt. Freiheiten sind das exakte Gegenteil von Freiheit.

Überprüfen wir doch einfach einmal, inwieweit dein „feministischer Fortschritt“ im Rahmen des Generalfortschritts überhaupt einer wäre. Am Leben hängt bekanntlich alles. Was nehmen wir da? – Ah, hier, die Demografie. Da sieht es insgesamt sehr unterfortschrittlich aus, Margarete. Geradezu desaströs. Wir sind das vergreisteste Volk der Welt und haben eine viel zu geringe Geburtenrate. Scheint also nicht so fortschrittlich zu sein, dein „feministischer Fortschritt“. Bedenke, Margarete: In einem äußerst rückschrittlich ausgestorbenen Volk interessiert sich niemand mehr für deinen „feministischen Fortschritt“. Auch Frauen erwächst aus der Tatsache ihrer schieren Existenz eine gewisse Sinnhaftigkeit zum Segen des Ganzen. Woraus die sich ergeben könnte, stellen wir einfach im Ausschlußverfahren fest und kommen zu dem Ergebnis: Außer Schwangerschaft können wir Männer alles auch selbst.

Stokowski: Nun gibt es in Deutschland wieder eine Debatte um das Abtreibungsrecht, das immer noch beachtlich unzeitgemäß ist. Schwangerschaftsabbrüche sind rechtswidrig, aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Das allein ist absurd.

Wenn das absurd wäre, Margarete, dann wären eine ganze Reihe anderer Gesetze, die sich mit dem Fortbestand und der Sicherung der Nation beschäftigen, ebenfalls absurd. Ist es nicht völlig absurd, daß sich junge Männer unter Androhung schwerster Strafen auf ein Schlachtfeld schicken lassen? Und was wäre denn ein „unzeitgemäßes Abtreibungsrecht“? Ändern sich Sinn und Zweck der menschlichen Fortpflanzung alle Nase lang oder bleiben sie doch immer dieselben?

Stokowski: Zur Frage, ob eine beginnende Schwangerschaft abgebrochen werden sollte, kann man unterschiedliche Meinungen haben.

… Danke. Sehr großzügig.

Die Antwort hängt von vielem ab, unter anderem davon, wie die Befruchtung zustande gekommen ist und wie lange sie zurückliegt, wie die Lebenssituation und Gesundheit der Schwangeren ist und ab welchem Zeitpunkt man den Zellen in der Gebärmutter einen Status als Mensch zuspricht, außerdem davon, wie man generell über Sexualität denkt, ob man an Gott und/oder die Hölle glaubt, und was man glaubt, Menschen zumuten zu können.

„Gott und/oder Hölle“ – made my day, Margarete. Du hast ja richtig Humor. „Bockwurst und/oder Reifenpanne“ …

Wenn die Antwort von vielem abhängt, dann wirst du uns natürlich erklären, wovon genau – und wie sie, die Antwort, also aussehen muß. Das heißt, daß du dir von Anfang an sparen kannst, hier groß und breit aufzuschreiben, wovon sie „unter anderem“ abhängt. Die Antwort hängt zuvörderst von der Frage ab, ob man Leben einfach leben lassen oder Leben töten soll. Da geht es gar nicht einmal um die spezielle Schwangerschaft, sondern um Schwangerschaft überhaupt. Das ist auch eine kulturell hochinteressante Frage. Kann es sein, daß Feministinnen „selbsternannte Lebensverhinderinnen“ sind?

Stokowski: Aber um all diese Fragen geht es in der aktuellen Debatte eigentlich nicht. Es geht nicht darum, ob Abtreibung möglich sein sollte oder nicht, sondern nur um die Frage, wie leicht eine schwangere Person Informationen bekommen sollte, um diese Entscheidung treffen zu können. Wie widersprüchlich sich Konservative und Rechte in dieser Frage verhalten, wird oft schon an den Begriffen deutlich, die sie verwenden.

Jede befruchtete Eizelle ist ihnen dabei wertvoller als die Freiheit einer Schwangeren, über ihren Körper selbst zu entscheiden. Man kann noch so viel über „ungeborenes Leben“ reden – man respektiert bereits geborenes Leben nicht, wenn man es Menschen möglichst kompliziert macht, selbst zu bestimmen, ob und wann sie sich fortpflanzen.

Auch, wenn Dir das nahegehen dürfte, Margarete, glaube es einfach: Jede Schwangere sollte die Freiheit haben, über ihren Körper selbst zu entscheiden. Sie muß halt aufpassen dabei, daß sie nicht aus Versehen über Körper und Seele eines anderen mitentscheidet. Da wäre beispielsweise an ein ungeborenes Kind zu denken, das heranreift, was wiederum die Frage aufwirft, ob der Körper einer Schwangeren wirklich noch ganz und gar exclusiv nur der ihrige ist. Selbstbestimmung hat ja nur dann Sinn, wenn es um Sachverhalte geht, die man auch selbst beeinflussen kann. Am Sinn der menschlichen Fortpflanzung gibt es aber so gar nichts Selbstbestimmtes. Bei der Form deiner Nasenspitze durftest du auch nicht mitbestimmen, habe ich recht? Es ist nun einmal so, daß du an der Sinnhaftigkeit der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit nichts ändern kannst. Was willst du da also selbst bestimmen?

Daß man es Menschen kompliziert macht, selbst zu bestimmen, ob und wann sie sich fortpflanzen, stimmt ja auch so überhaupt nicht. Erstens ist bei weitem nicht jede Schwangerschaft das Resultat einer Vergewaltigung, – auch wenn es Feministinnen schwerfällt, das zu glauben -, und zweitens gäbe es noch immer Verhütungsmittel. Was du meinst, ist doch nicht die Freiheit der Frau, über ihre Fortpflanzung selbst zu bestimmen, sondern ihre Freiheit, jegliche Verantwortung für ihre Schwangerschaft von sich zu weisen.

Stokowski: „Aber so überraschend ist das nicht, denn Antifeministen und Antifeministinnen werden immer eigenartig emotional, wenn es um Dinge geht, die mit Sex oder Geschlecht zu tun haben. Sie sprechen von „Frühsexualisierung“, wenn ihren Kindern in der Schule beigebracht werden soll, dass es Lesben und Schwule gibt, oder von „Homolobby“, wenn sie feststellen, dass Homosexuelle öffentlich sichtbar sind. Sie fühlen sich bedroht, wann immer sie sehen, dass andere weniger verklemmt sind als sie selbst, und sie wollen Menschen bestrafen, deren Sexualität ihnen zu frei vorkommt. Man könnte Mitleid mit ihnen haben. Wenn sie nicht so elendig mächtig wären.“

Siehst du, Margarete, an diesem Absatz erkennt man schön, weswegen die Geschlechtsteile zwischen den Beinen angewachsen sind und nicht unter dem Pony: Weil Frauen nicht am Geiste befruchtet werden sollen, sondern am Unterleib. Und was meine Verklemmtheit angeht, Margarete: Früher, als ich mich vor lauter kreatürlicher Begeisterung für Menschen deines Geschlechts kaum noch einkriegen konnte, habe ich solche Tussen wie dich im Dutzend flachgelegt. Freie Sexualität, daß ich nicht lache. Und die Homolobby geht übrigens auch vielen Schwulen gewaltig auf den Zeiger. Wer will schon ständig an seine sexuelle Orientierung erinnert – oder permanent auf sie reduziert werden? Ab und zu gibt´s ja auch etwas anderes zu tun, oder?

Zum Schluß noch der Expertentipp, Margarete: Zur Verhinderung einer Schwangerschaft eignen sich Verhütungsmittel oder Enthaltsamkeit. Zum Erwachsenwerden eignen sich Verantwortungsübernahme und die Bereitschaft, mit den Konsequenzen seines Handelns zu leben, anstatt sie auf Dritte abzuwälzen. Aktiv schwanger geworden? – Sieh´es einfach mal so: Außer dir hätte niemand ein Interesse daran, daß du nicht schwanger bist. Du hättest es also alleine schaffen können, nicht schwanger zu werden, oder? Du bist doch schon ein großes Mädchen. Was mußt du also ständig die Öffentlichkeit belästigen mit deinen Pippi-Langstrumpf-Wehwehchen?

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