SPIEGEL Bento ist wütend… leider nicht auf sich

Foto: Collage
Die Belästigerin heißt Lena Seuferlein (Foto: Collage)

Endlich mal wieder was aus der Feder einer SPIEGEL bento-Autorin. Dieser eingeschränkte und vollkommen faktenfreie Blick auf die Welt ist erhellend und erschreckend zugleich. Das man dabei die alleinige Wahrheit für sich beansprucht, ist selbstverständlich. Schon die Überschrift des Artikels spricht Bände.

Von Nils Kröger

Ich bin wütend auf die AfD – und will, dass ihr es auch seid!

 Meine Mutter sagte früher immer zu mir: „Wer was will, kriegt was auf die Brill`!“. Dass dies natürlich spaßig gemeint war, ist klar. Denn der Erziehungsansatz zur höflichen Einleitung „Ich möchte bitte,…“ steht dabei im Mittelpunkt. Nun ist Erziehung mit Werten und Normen im grün-linken Milieu „voll Nazi“ und somit altbacken. Deshalb maßen sich auch gewisse Gruppierungen und Leute an, für die gesamte Gesellschaft zu sprechen und Forderungen zu erheben.

 Wir müssen reden. (Wenn eine Frau ein Gespräch mit diesen Worten beginnt, ist Vorsicht geboten.) Über die Rede von Cem Özdemir. Über diesen Wutanfall des Grünen-Politikers gegen die AfD. Da ist jemand aufgestanden und hat sich Luft gemacht. Da hat jemand auf den Tisch gehauen. Und uns eine Lektion erteilt. Ja, uns allen.

 Nun wurde ein Video von der Rede des Herrn Özdemir eingefügt (nach der Werbung durfte man sich dann die geschnittene Fassung zu Gemüte führen). Zumindest hat die Autorin dahingehend Recht, dass wir alle daraus lernen sollten (nämlich faktengestützt zu argumentieren und nicht haltlose Behauptungen zu verbreiten). Was nun der Auslöser für diesen verbalen Ausfall war, enthält SPIEGEL bento den, hoffentlich nur in kleiner Zahl vorhandenen, Lesern lieber vor. Es ging um den Antrag der AfD, die deutschlandverächtlichen und menschenverachtenden Äußerungen des türkisch-deutschen Journalisten Deniz Yücel durch die Bundesregierung missbilligen zu lassen. Auch hat die AfD angekündigt, die Rede Özdemirs dem Ältestenrat vorzulegen (bleibt alles unerwähnt). Danach lässt die Autorin uns an ihrer Wut teilhaben.

(…) Dabei spüren sie doch so viele von uns, diese Wut, wenn wieder jemand aus der AfD Dinge sagt, die wir nie wieder hören wollten. (…)

 Frei übersetzt: „Jetzt reißt mich jemand aus dem grün-linken Traum und konfrontiert mich doch tatsächlich mit der Realität. So ein Frevler!“

 Wir spüren die Wut, wenn Busse mit Flüchtlingen belagert werden und wenn Menschen andere Menschen verachten für ihre Herkunft oder Religion. Aber wir äußern sie selten laut.

 Vermutlich meint die Dame den, von sämtlichen Qualitätsmedien skandalisierten, Vorfall in Clausnitz vor zwei Jahren. Seitdem gab es aber keine „Belagerungen“ von Bussen mehr. Mit dem nächsten Zusatz stellte sich die Autorin aber selbst ein Bein. Mit Hilfe einer gewissen Suchmaschine fand ich z.B. einen fast acht Jahre alten Artikel von der FAZ („Das Gift der muslimischen Intoleranz“). Dort werden Dinge beschrieben, die sich sicherlich nicht zum Besseren entwickelt haben. Aber wie sagte der AfD-Abgeordnete Dr. Marc Jongen: „… nur Rassismus von Deutschen aber nie gegen Deutsche.“ So viel zum Thema Verachtung für Herkunft oder Religion. Ist der wütenden Dame sicherlich nicht aufgefallen.

 Ich bin wütend, weil ich nicht glauben kann, dass ein Scheißverein wie die AfD Dinge sagen kann, von denen ich dachte, dass sie nie wieder auch nur in den Köpfen von Menschen stecken sollten. Ich bin wütend, weil ich nicht verstehen kann, wie eine solche Partei Zulauf hat. Ich bin wütend, weil ich große Angst davor habe, wo das alles enden wird.

Langsam aber sicher bemerkt man die Einflüsse rot-grüner Bildungspolitik. Der jungen Frau sei bezüglich ihrer Ansicht zu den Gedanken das alte deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ empfohlen. Ah… Fehler von mir. Volkslied und auch noch deutsch!!! Ok… wie wäre es mit dem Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungsfreiheit)? Aber man kann die Angst von ihr verstehen. Denn immer mehr Bürger begreifen langsam, dass die grün-linke „politische Korrektheit“ jeden vernünftigen Diskurs verhindert und wehren sich. Die Qualitätsmedien wie z.B. der SPIEGEL spüren dies durch sinkende Auflagen. Da droht eine gewisse „Filterblase“ zu platzen und das macht viele wütend.

Und ich bin nicht allein mit dieser Wut.

Trotzdem kam es mir manchmal so vor, wenn ich sah, wie ruhig ein ganzes Volk blieb, wenn es um die AfD geht. Wie lange es dauerte, bis sich die ersten trauten, deutlich zu sagen, dass es sich bei dieser Partei um eine handelt, in der Rassismus, Homophobie und Sexismus nicht bloß geduldet werden, sondern Teil des Programms sind. Wie lange wir alle gedacht haben, dass sich das schon von alleine regelt.

 Ja, das Volk (erstaunlich, dass so ein Wort bei SPIEGEL bento Einzug hält) ist auch wütend. Bleibt aber immer noch ruhig bzw. zivilisiert (trotz aller Umstände). Fast sechs Millionen Deutsche (auch mit Migrationshintergrund) haben bei der Bundestagswahl ganz ruhig ihre Stimme der AfD anvertraut. Lange dauerte es und trotz all der Diffamierungen (wie z.B. Rassismus, Homophobie und Sexismus als Teil des Programms) fanden viele den Mut (Gegenteil von Wut) aufzubegehren.

 Bloß: Wer sollte es regeln, wenn nicht wir alle, gemeinsam?

Ich will nicht in einem Land leben, in dem sich Rassismus, Faschismus und „Das-wird-man-ja-wohl-noch-mal-sagen-dürfen“ zu wiederholen drohen. Und ich glaube fest daran, dass die meisten Menschen in Deutschland das auch nicht wollen, genau so wenig wie die meisten Politiker. Wir haben lange zugehört und versucht, zu verstehen, was die AfD und ihre Anhänger wollen. Das ist ein Weg, den ich noch immer nicht ausschließe und von dem ich glaube, dass er langfristig vernünftig ist. Aber kurzfristig ist es ebenso wichtig, die Stimme zu erheben und Rassismus auch Rassismus zu nennen.

Langsam bekomme ich, wie bei jedem SPIEGEL Bento-Artikel, Kopfschmerzen. Wenn jegliche Argumente fehlen, schwingt man die Rassismuskeule. Eines muss man denen lassen, lern- und beratungsresistent bis zum bitteren Ende. Wer sind denn bitte die „meisten Menschen“ oder die „meisten Politiker“? Die Profiteure der Asyl- und Sozialindustrie? Die Angestellten von ARD und Co? Die Politiker von Grünen, Linken oder SPD? Und was bedeutet: „Wir haben lange zugehört und versucht, zu verstehen“? Habt Ihr ja eben nicht. Ihr seid lieber wütend und deshalb stimmen die Leute in Scharen mit den Füßen ab.

Dabei geht es nicht darum, Wut mit Wut zu bekämpfen, sondern Unmenschlichkeit mit Menschlichkeit zu begegnen. Es geht darum, zu sagen: Ich möchte nicht, dass ihr einige der wichtigsten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte kaputt macht. Ich möchte, dass alle Menschen gleich sind, dass Frauen Frauen heiraten dürfen und dass Flüchtlinge nicht mehr ertrinken. Ich möchte nicht, dass ihr mit eurem Hass alles zerstört, wofür Generationen gekämpft haben.

Das klingt als hätte die Autorin ein Seminar bei Margot Käßmann besucht. Die wollte den Terroristen ja auch mit Liebe und Beten begegnen. Auch hier bin ich geneigt zu fragen, welche wichtigen Errungenschaften? Die Gender-Ideologie, die Energiewende-Ideologie, No-Go-Areas, marode Infrastruktur, NetzDG etc. etc.? Des Weiteren trägt die AfD ganz sicher keine Schuld daran, dass Migranten ertrinken. Da spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Auch ist es anmaßend, kleine aber einflussreiche Lobby-Gruppen als Generationen auszugeben. Die Bürger der DDR und Osteuropas haben mit friedlichen Mitteln für die Freiheit und Souveränität gekämpft und wollen sie ganz sicher nicht auf dem Altar der „One-World-Ideologie“ opfern. Somit ist es kein Hass oder Wut (um beim Thema zu bleiben) sondern einfach nur gesunder Menschenverstand, der sich Bahn bricht. Liebe Autorin, Du magst es kaum glauben. Diese Leute (ob AfD oder freie Medien) kämpfen ebenso für Dich. Damit Du freie Gedanken haben darfst und diese ohne Probleme der Welt mitteilen kannst. Innerlich ist Dir das auch bewusst. Aber Deine Wut und vermutlich auch Dein Brötchengeber versperren Dir eine klare Sicht auf die Realität.

Ich wünsche mir, dass wir jetzt, genau jetzt alle begreifen, dass es an der Zeit ist, die Stimme zu erheben. Nicht nur online, nicht nur im Stillen, nicht nur im Freundeskreis. Ich möchte, dass wir Rassismus weder dulden noch verharmlosen, ich möchte, dass wir alle verstehen, dass eben dieser keine Meinung ist, sondern Unmenschlichkeit und Wahnsinn und dass eine Partei, die menschenfeindlich, inhuman und neofaschistisch ist, keinen Platz mehr hat in unserer Gesellschaft. Ich möchte, dass niemand mehr glauben kann, dass es das ist, was dieses Land will.

Man ist gewillt zu fragen, wo die wütenden Stimmen dieser Leute beim Anschlag in Berlin waren, bei den Morden an Maria L. oder Mia V. oder bei der Behinderung der Frauen-Demo in Berlin? Ach, daran war ja nicht die AfD Schuld.

Die Zeit für Nachsicht und Ignoranz ist vorbei. Es ist an der Zeit, wütend zu sein und konsequent zu benennen, was die AfD ist und was sie will. Es ist an der Zeit, wie Cem Özdemir Stellung zu beziehen und sich zu wehren. Seine Rede ist nicht nur wütend, sie ist auch leidenschaftlich. Sie zeigt, dass da jemand ist, der genau so wenig wie ich akzeptieren will, dass diese Partei und ihre böswilligen Absichten sich durchsetzen kann. Sie zeigt, dass es sich lohnt, die Stimme gegen sie zu erheben und laut zu sein – weil andere uns dann hören. Und merken, dass sie nicht allein sind, mit der Wut. Worte und Sprache sind das, was wir haben, die mächtigsten Werkzeuge einer zivilisierten Gesellschaft. Es ist Zeit, sie genau dafür einzusetzen.

 Dieser Artikel zeigt mehr als deutlich, wie Wut sich auf die Denkfähigkeit auswirken kann. Bei all ihrer Wut übersieht die Autorin nämlich den entscheidenden Punkt. Sie ist auf die falschen Leute wütend. Die absolut verque(e)re Politik, die einseitige Berichterstattung und die damit einhergehenden Verwerfungen in unserer Gesellschaft mussten zur Entstehung der AfD führen. Aber anstatt wieder die Hirnwindungen einzuschalten und die Interessen des Volkes zu vertreten sind die altbekannten Protagonisten weiter wütend. Wie sagte schon der Dalai Lama: „In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.“

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