Pressefreiheit: Kommt Österreich wieder heim ins Reich?

"Du Heinz, der Kleber vom ZDF macht sich Sorgen um unsere Pressefreiheit." "Is mir egal." "Mir glaub ich auch." (Screenshot youtube)

Aus dem demokratischsten Deutschland aller Zeiten, dem Gral von Meinungsfreiheit und wahrhaftigem Journalismus ziehen ein paar wackere deutsche „Presse Aktivisten“ Richtung Süden, um in den dunklen Alpentälern Österreichs ihre verfemten Kollegen zu verteidigen. Ungefragt!

VON VOLKER KLEINOPHORST

Das man den hochbezahlten Mitmäulern besonders der öffentlich-rechtlichen der Propaganda-Medien nicht mehr über den Weg traut, ist keinesfalls ein exklusiv deutsches Phänomen. Dass die deutschen Propagandatröten in Österreich für die Pressefreiheit eintreten, entbehrt daher nicht einer gewissen Komik. Der „klebrige Klaus“, „Anne Will (und kann) nicht“ und die „Kommissarin intensive Verhöre“, die so gar nicht nette Marietta Slomka, die üblichen Verdächtigen also, per Eildepesche aus Berlin:

„Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

mit großer Sorge beobachten wir die Angriffe von Politikern Ihres Koalitionspartners FPÖ auf unabhängige Journalisten und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ORF in Ihrem Land.“

„Bestürzt sind wir über das Facebook-Posting lhres Vertreters im Amte des Bundeskanzlers, Heinz-Christian Strache, in dem er den ZiB2-Nachrichtenmoderator und Hanns-Joachim-Friedrichs-Preistäager Armin Wolf mit Lüge und Propaganda gleichsetzt und hunderte Joumalistinnen und Journalisten des ORF als Propagandisten und Produzenten von Falschmeldungen verleumdet.“ 

Die Polen und die Ungarn kriegen auch noch ihr Fett weg:

„Er gleicht den Methoden der ungarischen und polnischen Regierung, Druck und Diffamierung die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten einzuschränken.“

Die Unterzeichner, Screenshot

Darum geht es:

Heinz Christian Strache von der FPÖ und Vizekanzler in der Regierung Kurz hat am Karnevals-Dienstag einen Witz gemacht:

Screenshot

Was daran satirisch sein soll, mal außen vor. Denn der „Witz“ beschreibt ja eigentlich nur die „Lage der Nation“ und seines verlotterten Staatssenders, dem man einfach nicht weiter trauen darf, als man einen Amboss werfen kann. Strache meinte wohl mit Karneval, Satire und einem Smiley wär das vielleicht leichter zu ertragen. Wobei er doch wissen müsste: Wenns oa „Rechter“ is, is allweil woas andres.

Also: Skandal im Sperrbezirk der Gesinnungskontrolle. Und da sind unsere halt Profis. Also nix wie hin.

Mir ist an der Geschichte aber nur eines unverständlich:

Wieso hat Strache das Bild zurückgezogen? Dazu besteht keinerlei Anlass. Noch nicht einmal ohne Satire und Smiley. Hätte Herr Strache den Artikel meines Kollegen Collin McMahon „ORF-Fakenews-Skandal: Bald auch bei ARD und ZDF?“ gelesen, verfügte er schon genug Material für jede Auseinandersetzung.

Tipp an Strache: Maul aufreißen und dann zurück zu rudern, so lächerlich. Also entweder vorher Gehirn einschalten, gegebenenfalls auch mal die Klappe halten. Aber wenn, dann doch bitte mit Rückgrat oder wie Olli Kahn sagen würde: „Eier, wir brauchen Eier.“

Zu unseren Qualitätsjournalisten mit Weltgeltungsanspruch fällt mir hingegen bald nichts mehr ein. Kehrt doch mal vor der eigenen Tür. Jeden Tag haut ihr ein Zeug raus, dass es der Sau graust. Verlasst eure Filterblase. Fahrt U-Bahn, joggt am frühen Abend, treibt euch nachts am Berliner „Kotti“ rum oder am Hamburger Steindamm. Jede Stadt hat mittlerweile solche Ecken. Holt euch Streetcredibility. Und wenn ihr dann nur in eurer Unterwäsche wieder in euren schicken Altbauwohnung im Besserviertel angekommen seid, wird das sicher bewusstseinserweiternd wirken.

Immer nur „Rechte stellen“ ist zu wenig. Außerdem kriegt ihr es ja nicht mal hin, weil die euch nämlich häufig ziemlich „lügig“ aussehen lassen. Und jetzt auch noch Auslandseinsätze?

Zum „Im Boden versinken“ der Schlussabsatz unserer Riesenstaatsjournalisten:

„Wir hoffen sehr, dass es in Wien einen Platz gibt, an dem pressefeindlichen und demokratieschädlichen Attacken durch österreichische Regierungsvertreter deutlich Einhalt geboten wird. Vielleicht ist dieser Ort ja das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz.“

 (Übrigens auf dem Briefkopf des Hanns Joachim Friedrichs Preis. Schämt euch, besonders Sie, Herr Wickert.)

Fritz Goergen auf Tichy Einblick:

Den teutschen Briefeschreibern ist obendrein offensichtlich nicht aufgefallen, dass ihre Arroganz nicht nur eine Anmaßung gegen die Regierung eines anderen Landes ist, sondern vor allem auch eine bevormundende der Journalisten in Österreich.“

Da fehlte wohl ein wenig die Sensibilität. Ist ja auch keine deutsche Tugend.

Wandere aus, solange es noch geht!
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