Abt. Schockschwerenot: Die Hitler-Glocke von Herxheim am Berg

Foto: Durch Alessio Catelli/Shutterstock
Eine Kirchenglocke - dieses Mal ohne Nazivergangenheit (Foto: Durch Alessio Catelli/Shutterstock)

Ooonglaub … Unglaubliches offenbart sich in unserem Lande. Seit 1934 hängt im Kirchturm der protestantischen Jakobskirche zu Herxheim am Berg eine Glocke, welchselbige von einem Hakenkreuz verunziert ist und den Schriftzug „Alles für´s Vaterland – Adolf Hitler“ aufweist. Und nie ist es jemandem aufgefallen. Schauen sich die Leute ihre Glocken nicht an? – Die Empörung.

von Max Erdinger

Geschlagene 2:44 Minuten dauert eine Kurzreportage des SWR im Rahmen der Fernsehnachrichten, die sich mit einer Kirchturmglocke beschäftigt und dem personalpolitischen Tumult in Herxheim am Berg, bei welchem alle wie angestochen um die Glocke herumsaußen, sich dabei mit hölzernen Kochlöffeln auf die eigene Stirn klopfen und „Hitl-di-ding-dong!“ schreien. Ein Skandal! In Herxheim am Berg! Hitler auf Glocke!

Was war geschehen? Jemand hatte im Jahre 83 der unsichtbaren Bimmel ein Faß aufgemacht, „Hitler!“ geschrien und ist ohnmächtig geworden. Daraufhin wurde die Glocke abgeschaltet. Seit Anfang September 2017 durfte die Hitler-Glocke nicht mehr ertönen. Wegen Nazipropaganda, wahrscheinlich.  Die Mehrheit im Gemeinderat stimmte nun dafür, die abgeschaltete Nazi-Glocke wieder in Betrieb zu nehmen und an der Kirche eine Gedenktafel anzubringen, die auf ihre Geschichte hinweist. So viel gesunder Menschenverstand jedoch ist des Teufels. Der Herr stehe uns bei.

Der SWR: „Der frühere Bürgermeister von Herxheim am Berg war nach umstrittenen Äußerungen zur Glocke zurückgetreten. Sein Nachfolger Welker, ein ehemaliger Pfarrer der Gemeinde, wollte die Glocke hängen lassen. Nur wenn in dem Gutachten massive Gründe dagegen sprächen, solle sie abgehängt werden, hatte er im Vorfeld gesagt. Die Evangelische Kirche der Pfalz hatte angeboten, die Kosten für die Demontage und die Anschaffung einer neuen Glocke zu übernehmen.“

Gutachten. Sie brauchten tatsächlich ein Gutachten. Es gibt Leute, die brauchen ein Gutachten, wenn sie wissen wollen, ob sie Hunger haben. Weiß der Geier, was das für umstrittene Äußerungen gewesen sind, derentwegen der frühere Bürgermeister unumstritten zurückgetreten ist. Der frühere Pfarrer jedoch ist schlau und sagt sich: Wenn in dem ganzen jakobinischen Gesinnungsterror schon einer den Kopf hinhalten muß, dann nehmen wir am besten den vom Gutachter.

Es ist ein Wahnsinn in diesem Land. Seit 83 Jahren bimmelt der Hitler mit seiner Glocke unsichtbar in Herxheim umeinander – und keiner merkt, woran es liegt, daß die Schokolade braun ist. Kein Wunder, daß der Zentralrat der Juden empört ist. Wie üblich, völlig zu recht.

Josef Schuster vom ZdJ: „Die Entscheidung des Gemeinderats von Herxheim macht mich fassungslos. Sie zeugt von einer tiefen Respektlosigkeit vor allen Opfern des Nationalsozialismus“, sagte Schuster. „Wie eine Kirchenglocke, die einem der größten Menschheitsverbrecher der Geschichte gewidmet ist, mit dem Christentum vereinbar sein soll, ist mir ein Rätsel.

Fassungslosigkeit ist aber auch eine sehr kleidsame Attitüde. Das muß man neidlos anerkennen. Wenn die Hitl-di-ding-dong-Glocke trotz Hinweistafel schon eine tiefe Respektlosigkeit vor allen Opfern des Nationalsozialismus sein soll, möchte ich nicht wissen, was Schuster außer der Fassung noch alles los wird, wenn ihm einfällt, daß Berchtesgaden auch diesen Winter wieder schön ausschaut und der Obersalzberg sich auf christlichem Territorium befindet. Die Atombombe vielleicht? Vielleicht sollte ihm außerdem mal jemand sagen, daß es keinen Rechtsanspruch auf Mysteriumsbefreiung gibt.

Aber warum war der frühere Bürgermeister Welker zurückgetreten?

– Zitat: „Ortsbürgermeister wegen umstrittener Äußerungen vor Gericht. Zuletzt hatte sich Welker vor Gericht verpflichtet, eine umstrittene Äußerung nicht mehr zu wiederholen. Er hatte im ARD-Magazin „Kontraste“ gesagt, er höre beim Läuten der Glocke „die Opfer, das waren auch deutsche Bürger, also nicht nur die jüdischen“.“

Merkt er was? Dem Manne war eigentlich nur vorzuwerfen, daß er einen Unterschied zwischen deutschen und jüdischen Bürgern gemacht hat. Beim Klang der Glocke hat er jedenfalls die richtigen vor seinem inneren Auge auferstehen gehört, nämlich „alle Opfer des Nationalsozialismus“. Er hat nicht eines der Opfer vergessen, deren Gehörgänge laut Schuster von der GröFaZ-Bimmel tief respektlos versifft werden.

Liebe Leute vom SWR, das ist doch alles nicht mehr wahr, oder? Knapp drei Minuten der gesamten Nachrichtenzeit für eine unsichtbare Hitler-Bimmel in Herxheim am Berg? Habt ihr schon mal die Latten bei euch am Zaun nachzählen lassen?

 

 

 

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