Zieht Springer-Chef Döpfner nach »Titanic«-Blamage die Notbremse?

Fotocollage: Deutschland Kurier
Fotocollage: Deutschland Kurier

Gabor Steingart als Nachfolger für »BILD«-Chef Julian Reichelt im Gespräch

Die Tage von »BILD«-Chefredakteur Julian Reichelt scheinen nach der Blamage des Springer-Blattes im Zusammenhang mit einer angeblichen »SPD-Schmutzkampagne« gezählt zu sein. Wie der Deutschland-KURIER aus gut informierten Branchenkreisen erfuhr, soll Springer-Chef Mathias Döpfner den bisherigen Herausgeber des Düsseldorfer »Handelsblattes«, Gabor Steingart, als neuen Chef der »BILD«-Gruppe favorisieren. Steingart und »Handelsblatt«-Verleger Dieter von Holtzbrinck hatten sich Anfang Februar nach einem Zerwürfnis getrennt.

Döpfner traut Steingart offenbar am ehesten zu, die seit Jahren anhaltenden massiven Auflagenverluste der »BILD«-Zeitung zu stoppen. Auslöser für eine möglicherweise bevorstehende Ablösung Reichelts sind gefälschte Emails des Satire-Magazins »Titanic«, denen die »BILD«-Zeitung aufgesessen war. Die vermeintlichen Enthüllungen, die Reichelt nachträglich auch noch zu rechtfertigen versuchte, stützten sich auf einen offensichtlich frei erfundenen Russen namens Juri aus St. Petersburg. Dieser hatte den von dem Satire-Magazin über gefälschte Accounts lancierten Emails zufolge Juso-Chef Kevin Kühnert Unterstützung bei dessen Kampagne No-GroKo angeboten.

Als weiterer Grund für eine mögliche Ablösung Reichelts wird in Kreisen von Axel Springer genannt, dass Mehrheitseignerin Friede Springer der Berufung von Reichelt zum alleinigen Chef der »BILD«-Gruppe von Anfang an kritisch gegenüber gestanden habe. Der 37-Jährige ist zudem wegen seines nassforschen Auftretens in der Redaktion umstritten. Offenbar befürchtet Verlagschef Döpfner durch die Email-Affäre einen nachhaltigen Rufschaden, welcher den Auflagenschwund von »BILD« noch beschleunigen könnte.

Nach dem Abgang der glücklosen Chefredakteurin Tanit Koch, der Reichelt als Vorsitzender der Chefredakteure vorgesetzt war, scheint Springer-Boss Döpfner jetzt einen »radikalen Neuanfang« anzustreben. Dafür soll der 55 Jahre alte Steingart, der die Auflage des sich wohltuend vom Mainstream abhebenden »Handelsblattes« erfolgreich stabilisieren konnte, aus Sicht des Springer-Chefs der richtige Mann sein. (oys)

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