„Allahu Akbar“: Paris, die Stadt des Lichts, verliert ihre Davidssterne

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Juden fliehen aus Frankreich (Foto: screenshot Twitter)

Die Welle antisemitischer Angriffe durch Korangläubige veranlasst immer mehr Juden, Frankreich zu verlassen. Viele von ihnen zieht es nach Amerika, wo sie sicher durch die Straßen der Städte gehen können, ohne die ständige Angst vor Angriffen im Nacken. 

von Marilla Slominski

Julia Buchwald, eine Pariser Emigrantin, die heute in der Upper East Side in New York lebt, hat Großeltern, die den Holocaust überlebten. Sie verließen Polen Richtung Frankreich und versteckten sich im Norden. „Sie sind nach Frankreich gezogen, ohne zu wissen, was in Frankreich passieren würde“, sagte sie. „Heute leben wir in der gleichen Situation wie meine Großeltern.“

„Es ist ein Klima der Angst“, sagte Robert Ejnes, Exekutivdirektor des Repräsentativen Rates der Französischen Jüdischen Institutionen, einer jüdischen Gemeindeorganisation in Paris.

Drei jüdische Menschen, die von Frankreich nach New York zogen, erzählen der New York Post ihre Geschichten.

„Du hörst überall ’sal Juif‘ (’schmutziger Jude‘)“

Geraldine Chetrit und ihr Ehemann planten nur zwei Monate nach den islamischen Terroranschlägen 2015 in Paris ihren Umzug nach New York. Sie verkauften ihr Catering-Geschäft und besorgten sich One-Way-Tickets für sich und ihre Kinder – eine Tochter, jetzt 6, und einen Sohn, 4 Jahre alt.

Ihre Familie hatte das Glück, dass die Firma ihres Mannes ihr Visum sponsert. Dennoch: „Das ist nicht, was wir uns zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben vorgestellt hatten – noch einmal ganz von vorne anzufangen.“ Aber sie hatten das Gefühl, keine Wahl zu haben, weil die Situation in Frankreich „nicht besser werden wird. Jeder mit Kindern denkt darüber nach, wie man davon kommt. Du hörst immer ’sal Juif‘ (’schmutziger Jude‘). “

Und sie lebten in einer Blase. Geraldine und ihr Banker-Ehemann hatten genug Geld gespart, um ein Haus in einer „sicheren“ jüdischen Gemeinde in Neuilly-sur-Seine zu kaufen.

„In Frankreich arbeiten viele Juden dafür, sich eine Wohnung in dieser Nachbarschaft kaufen zu können“, erzählt Geraldine Chetrit. „Wir hatten uns eine Umgebung geschaffen, in der wir uns eigentlich wohlfühlen konnten. Wir hatten alles: Kino, koschere Restaurants, Supermärkte, Schulen. “

Jetzt, in der Upper West Side, ist es eine ihrer größten Freiheiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ohne Angst vor Attacken fahren zu können.

„Als Jude kann man es sich in Frankreich nicht mehr riskieren, die U-Bahn zu benutzen“, weiß die 42-Jährige, die jetzt freiberuflicher als Mode-Journalistin arbeitet.

Trotz allem verblassen einige tief verwurzelte Erfahrungen nicht. Noch heute tragen ihr Sohn und Ehemann keine Kippas auf den Straßen von New York. „Es gibt keine Notwendigkeit, etwas zu zeigen – für was? In Frankreich bist du nur zu Hause Jude.“

„Für uns ist es keine Option zurückzugehen“

Die 22-jährige Hanna Chicheportiche zog vor zwei Jahren von Paris nach Manhattan, um Politikwissenschaften an der Yeshiva Universität zu studieren. In Frankreich konnte sie sich relativ sicher fühlen: „Ich habe Glück, weil ich arabisch aussehe. Ich sehe nicht jüdisch aus. Ich falle nicht auf „, sagt sie. „Aber mein Bruder sieht wie ein Jude aus. Er kleidet sich wie ein Jude. Vor zwei Jahren, als er 16 war, wurde er von einem Muslim überfallen. „Du bist Jude, du hast Geld, was kümmert es dich?“, sagte er zu ihm“.

Sie erinnert sich, wie die Kinder und Jugendlichen ihrer Gemeinde in ihrer Kindheit gelernt haben, bestimmte Teile der Stadt zu ihrer Sicherheit zu meiden.

„Der Park, in dem sich alle jüdischen Kinder am Schabbat aufhielten, wurde zum Schlachtfeld“, sagte sie. „Die Polizei würde die jüdischen Kinder davor warnen, dorthin zu gehen, weil die muslimischen Aggressoren mit Schlagstöcken kamen.“

Jetzt versucht die junge Studentin verzweifelt, ihre Familie aus Frankreich zu bekommen. Doch die Hotelbesitzer könnten nicht einfach alles stehen lassen und das Land verlassen.

Hanna – die amerikanische Staatsbürgerin ist, weil ihre Mutter in Amerika geboren wurde – hat nicht vor, in ihr Heimatland zurückzukehren.

„Ich will nicht in Frankreich leben“, sagte sie. „Natürlich wird es immer schlimmer werden.“

Sie fühlt sich vom ersten Tag ihrer Ankunft in New York City sicher und befreit.

„Es fühlte sich toll an, Rabbiner mit ihrer Kippa herumlaufen zu sehen. Über all gehen die Leute ohne Angst herum“, freut sich Hanna. „In einem Land zu sein, in dem es normal ist, Jude zu sein, ist wirklich eine Erleichterung.“

„In Frankreich kann ich keine Kinder mehr großziehen“

Aufgewachsen im Pariser Viertel Le Marais träumte die heute 29-jährige Julia Buchwald immer davon, eines Tages Mutter zu sein.

Als 2012 in Toulouse drei junge Studenten ermordet wurden, die zusammen mit einem Erwachsenen von einem Moslem mit einer Waffe ermordet wurden, begann ihre Hoffnung auf Nachwuchs zu schwinden.

„Ich fühle mich nicht sicher, Kinder in Frankreich zu haben. Die Armee muss inzwischen  jede jüdischen Schule und Einrichtung bewachen“, erklärt sie.

Sie hat ihr Heimatland 2014 verlassen und ist mit ihrer Entscheidung zufrieden. Jetzt hat sie sich auf der Upper East Side niedergelassen und arbeitet in der Marketingbranche.  „Hier habe ich endlich wieder mehr Kontrolle über mein Leben“.

Als sie von Paris nach New York zogen, entschied sich Buchwald – wie auch die anderen Frauen in dieser Geschichte – keinen Flüchtlingsstatus zu beantragen und sie wären auch nicht geeignet, da sie in Frankreich offiziell nicht verfolgt wird.

Sie sieht eine gewisse Ironie in ihrer Situation. Wie ihre in Polen geborenen Großeltern vor ihr, entschied sie sich, ihr Land wegen Antisemitismus zu verlassen. Aber während ihre Großeltern damals nach Frankreich flohen, musste sie genau diesem Land den Rücken kehren.

„Es ist schon irgendwie lustig“, sagte sie. „Es gibt ein altes jüdisches Sprichwort: Ausdruck  ‚Glücklich wie ein Jude in Frankreich.“ doch das gilt schon lange nicht mehr.

Jetzt ist sie ist auf der Suche nach ihrem persönlichen Happy End in den USA: „Wenn ich den richtigen Mann finde, wäre ich glücklich Kinder zu bekommen – ohne Angst.“

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