Leben auf dem Pulverfass – Südafrika versinkt im Sumpf der Gewalt

Foto: Collage
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Wird Cyril Ramaphosa das blatt wenden?

von Will Cook und Max Berger

Opfer eines Farmangriffs am 20.02.2018 in Südafrika

Die Ereignisse im südafrikanischen Norden überschlagen sich. Die Zunahme von Gewalt ist augenfällig und lässt sich nicht länger übersehen. Nur an dem letzten Wochenende wurden sieben Angriffe auf Farmen registriert, 57 haben bereits in diesem Jahr stattgefunden, was unter normalen Umständen als Bürgerkrieg bezeichnet werden kann.

Zahlreiche Verletzte und sechs Tote sind zu beklagen und es hat nicht den Anschein, als würde diese unheilvolle und für die Existenz vieler Farmerfamilien vernichtende Serie abreißen.

Im Gegenteil. Am vergangenen Wochenende wurde sogar die Polizeistation in Ngcobo, in der Provinz Eastern Cape, von einer bewaffneten Bande angegriffen. Nach vorliegenden Informationen befanden sich zehn Polizisten im Dienst, als sie von dem Überfall überrascht wurden.

Drei Polizeiangehörige wurden erschossen, ohne dass sie eine Möglichkeit zur Gegenwehr hatten, und mehrere Verletzte mussten später mit teilweise kritischen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Verdächtigen entkamen mit Handfeuerwaffen und Handys der Polizei in einem Polizeifahrzeug unter der Registrierung BTT804B.

Die Spirale der Gewalt dreht sich in Südafrika offenbar immer schneller und sie richtet sich dabei immer stärker gegen die Gruppe der weißen Farmer.

Nach Angaben der Organisation AfriForum erfolgten im Jahr 2017 wenigstens 341 Farmattacken, davon 70 tödlich. Die Farmer werden in der Regel überrascht und sind gegenüber den schwer bewaffneten Angreifern wehrlos.

Noch vor einigen Jahren wurden die Farmen von der Armee geschützt, vor allem die in abgelegenen Gebieten. Die Regierung hat solche Einsätze der Streitkräfte jedoch bereits vor einiger Zeit eingestellt.

Selbst auf die Polizei ist nicht immer Verlass. Sie wird sogar verdächtigt, an manchen Aktionen beteiligt zu sein. So wurden nach Angaben eines Sicherheitsexperten an einigen Tatorten Munitionsreste aus Polizeibeständen sichergestellt.

Damit stellt sich die Frage nach der Verantwortung durch die Politik umso dringlicher. Nach der Ära des erfolglosen, aber dafür umso korruptionstüchtigeren Jacob Zuma richten sich die Hoffnungen auf seinen Nachfolger Cyril Ramaphosa.

Eingeengt zwischen den Radikalen in seiner eigenen Partei ANC und Julius Malema von den Economic Freedom Fighters (EFF), der aus seiner Überzeugung, auch gewaltsam gegen die weißen Farmer vorzugehen, keinen Hehl macht, befindet sich Ramaphosa in einer schwierigen Position.

Er kann angesichts der Unzufriedenheit in seiner Partei in dieser Hinsicht keine Wende einleiten und will es vermutlich auch gar nicht. Er zieht es vor, den im ANC ausgeprägten Radikalismus und Hass gegen die weiße Minderheit weiter zu pflegen, wenn auch in einer gemäßigten Tonart. Eine auch in anderen Länder bewährte Taktik, um von dem Versagen und der eigenen Verantwortung abzulenken.

Welchen anderen Kurs könnte er auch einschlagen angesichts der bereits länger als zwanzig Jahre erwiesenen Unfähigkeit der ANC-Regierung, die Lage des schwarzen Bevölkerungsanteils fühlbar zu verbessern. Daher also Verbalradikalismus gegen die Weißen, um damit wenigstens die seit Zuma offen zutage getretenen Korruption und Selbstbereicherung in den Hintergrund zu drücken.

Daher waren bei der 54. Nationalkonferenz des ANC im letzten Monat in Johannesburg auch von dem neuen Präsidenten Südafrikas keine selbstkritischen Töne zu vernehmen. Die ausufernde Gewalt und die Verbrechen an den weißen Farmern wurden von ihm mit keinem Wort bedacht. Wenn es Probleme geben sollte, sind es, wie schon vor zwanzig Jahren, immer noch die Weißen, denen die Schuld in die Schuhe geschoben wird.

Originalton Ramaphosa:

„Es ist zwar unbestreitbar, dass der ANC bedeutende Fortschritte bei der Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen gemacht hat, aber es ist ebenso wahr, dass das Erbe des Kolonialismus und der Apartheid noch tief in unserer Gesellschaft verankert ist. … Die Konzentration des Eigentums an unserer Wirtschaft in den Händen einer weißen Minderheit beschränkt nachhaltiges Wachstum und Transformation.

Wir werden daran arbeiten, die Eigentumsstruktur unserer Wirtschaft zu verändern, indem wir unter anderem den Zugang von schwarzen Menschen, Jugendlichen und Frauen zu Finanzinstituten und deren Besitz sicherstellen. Dies wird neue Ansätze für Regulierung und Lizenzierung im Finanzsektor beinhalten, um diversifizierte Eigentumsverhältnisse und Wettbewerb zu fördern.“

Wohlklingende Formulierungen für pure Ideologie. Kein Wunder daher, dass auf der Konferenz der Entschluss bekräftigt wurde, die „historische Ungerechtigkeit der Landenteignung dringend anzugehen“ und eine Enteignung „ohne Entschädigung für die betroffenen Farmer“ anzustreben.

Dass die Farmmörder sich durch solche Worte bei ihren Taten ermutigt fühlen könnten, wird nicht bedacht oder sogar billigend in Kauf genommen.

Dabei geht es dem ANC in erster Linie nicht um den Besitz an Land und Boden. Die Regierung hätte es selbst in der Hand, brach liegende Flächen zu verteilen und schwarzen Farmern die nötigen Kredite zur Anschubfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Nein, dem ANC und der EFF geht es wohl eher darum, die erfolgreich bewirtschafteten Flächen und die dazugehörigen Gebäude kostenlos zu übernehmen, um diese vermutlich nach dem Beispiel Mugabes in Zimbabwe an ihre Günstlinge zu vergeben.

Der katastrophale Misserfolg im Nachbarland wird nicht zur Kenntnis genommen und so schreitet man auch in Südafrika weiter voran, um den Ast, auf dem man sitzt und von dessen Früchten man sich ernährt, abzusägen und einen buchstäblichen Genozid an der Minderheit der Weißen im Land voranzutreiben.

Dazu Ian Cameron von der NGO AfriForum: „Es ist wichtig, dass alle Südafrikaner erkennen, dass landwirtschaftliche Angriffe nicht nur eine Gemeinschaft betreffen, sondern die Zukunft aller im Land beeinflussen.“

Bleibt zu hoffen, dass solche Worte wenigstens bei einem, Cyril Ramaphosa, bald auf fruchtbaren Boden fallen, um weiteres Blutvergießen an Unschuldigen, an wehrlosen Farmern, unterschiedslos auch an Alten, Frauen und Kindern und einen weiteren Niedergang des Landes zu verhindern.

 

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