Inge Steinmetz: Frau Merkel, wo waren Sie am Sonnabend?

Foto: Collage
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Hallo Frau immer noch geschäftsführende Bundeskanzlerin, ich bin blond und ganz klar, wieder eine Frage: Waren Sie am 17.2.2018 im Kanzleramt?

Von Inge Steinmetz

Da hatten wir uns doch rechtzeitig angemeldet, Monate vorher und alle waren so gespannt, ob Sie sich vielleicht auf einem Balkon zeigen würden, so majestätisch wie bei den Jamaika-Sondierungen.

Leyla Bilge, Deutsche mit kurdischen Wurzeln, hatte die Idee, einen Marsch für Frauen zum Kanzleramt zu organisieren. Sie wollte damit auf die Missstände in Deutschland aufmerksam machen, die seit der Öffnung der Grenzen herrschen, speziell aber geht es ihr um die Sicherheit der Frauen in unserem Land. Sie, die einst selbst mit ihren Eltern geflüchtet und in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, Imad Karim, libanesisch-deutscher Journalist und Regisseur und Laleh Hadjimohamadvali, Politikerin mit iranischen Wurzeln, alle drei mit Migrationshintergrund, sind entsetzt, was hier in Deutschland geschieht. Und alle drei lieben dieses Land, genauso wie wir, die hier Geborenen oder wie Sie so schön sagen, die die schon länger hier sind! Sie und – ich schätze mal – circa drei Tausend Frauen und Männer hatten sich also am 17.2. am Halleschen Tor in Berlin eingefunden, um in einem Marsch zum Kanzleramt ihren Ängsten Ausdruck zu verleihen. Ängsten vor Vergewaltigungen, Mord, Raub, Unterdrückung, Kindesmissbrauch und vielem mehr! Auch ich bin extra für diese Demonstration 600 km weit angereist. Die Sache war es mir wert!

Auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Demonstration – in der U-Bahn – erfuhren wir, dass die Haltestelle vor dem Halleschen Tor, die Kochstraße nicht angefahren werden würde. Am Halleschen Tor selbst ein großes Polizeiaufgebot. Ob wir zum Frauenmarsch wollten, wurden wir gefragt. Dann durchgelassen. Anderen Demonstranten erging es anders, wie sie uns später erzählten, für sie war der Weg zur Demo mühsam und gefährlich. Ca 50 m entfernt hinter Polizeiabsperrungen die erste größere Ansammlung der ANTIFA. Natürlich versuchten die Autonomen gewaltsam vorzudringen, die Redner unserer Demonstration zu stören und auch während des Marsches schallte es uns aus jeder Seitenstraße „Nazis raus“ entgegen, denn für sie sind wir Rechtsradikale, die bekämpft werden müssen. Trotzdem war und blieb die Stimmung unseres Zuges ruhig und besonnen. Schade, dass Sie nicht dabei waren, es hätte Ihnen bestimmt gefallen, es gab auch ein paar Rollstühle in unseren Reihen, Sie hätten die Demonstration also auch im (Aus-)Sitzen miterleben können.

Wir kamen nicht weit, am Checkpoint-Charlie dann Stillstand. Zwei Polizeiwagen quer aufgestellt versperrten den Weg, angeblich zu unserem Schutz. Auf der Kreuzung selbst wartete eine größere Ansammlung der ANTIFA auf uns. Jetzt wurde es sehr lautstark. Zum einen von der Gegenseite, klar, die üblichen Sprüche, dass wir fremdenfeinlich (ach Gott, wenn die gewusst hätten, wen wir alles in unseren Reihen hatten!), rassistisch und Nazis seien. Von unserer Seite her, dass wir forderten durchgelassen zu werden und – ich gebe es zu – auch „Merkel-muss-weg-Rufe“ waren dabei. DIE kann ich mir heute noch nicht erklären, denn was haben SIE denn mit all dem zu tun?

Mit netten Worten versuchte die Einsatzleitung der Polizei daraufhin die gewaltbereite Gegendemonstration zum Aufgeben zu bewegen. Auf die Idee, ihnen Lutscher oder Überraschungseier anzubieten kam leider niemand, vielleicht hätte das geholfen!

Dass unter den Linksautonomen auch linke und grüne Politiker waren, erfuhren wir erst später, machte dann aber irgendwie Sinn, warum auch nach Stunden immer noch keine Wasserwerfer (manche sagen ja, dass gerade diese Parteigenossen ungern mit Wasser in Kontakt kommen) oder andere wirksame Maßnahmen eingesetzt wurden, um unserem Recht auf Versammlungsfreiheit und Meinungsäußerung stattzugeben. Unter uns Demonstranten machte sich inzwischen der Verdacht breit, dass „von oben“ her vielleicht gar nicht gewollt war, dass wir das Kanzleramt erreichen. Kann es sein, dass Sie Ihre Ruhe haben wollten – nach all den anstrengenden Wochen mit den Koalitionsverhandlungen? Oder hielten Sie gerade Ihren Schönheitsschlaf? Beides wären schlagkräftige Argumente gewesen, auf alle Fälle schlagkräftiger als dass man die Gegendemonstranten nicht in den Griff bekommen könne!

Unsere Kundgebung wurde also aufgelöst, fand ein Ende, genauso wie die Demokratie in diesem Land. Ich weiß, Sie halten viel von Recht und Ordnung und hätten alles drum gegeben, damit wir heil am Kanzleramt ankommen. ABER, wir kamen ja nicht auf einem Schlauchboot, es gab also nichts zu retten, außer vielleicht Artikel 8 des Grundgesetzes, aber was haben Sie denn mit dem zu tun?

Wandere aus, solange es noch geht!
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