Wenn der „Experte“ schwafelt

Foto: Durch bibiphoto/Shutterstock
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„Experten sind Leute, die andere daran hintern, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen“

 Von Thomas Schlawig

 Dieses einleitende Zitat des deutschen Schauspielers Hans Messemer, zeigt einmal mehr, wie sehr in Deutschland die allgemeine Verblödung bereits um sich gegriffen hat. Worum geht es?

Am 17.02.2018 machte der Kasseler „Verkehrswissenschaftler“ Carsten Sommer auf sich aufmerksam, indem er behauptete, Zitat: Der Autoverkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit dreimal so viel Geld wie Bus und Bahn. Das hat der Kasseler Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer in einem Forschungsprojekt ausgerechnet. Er hat eine Methode entwickelt, mit der Kommunen die Kosten der Verkehrssysteme Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Pkw, Lkw, Rad- und Fußverkehr in ihrem Gebiet ermitteln können. […] Das Rechenmodell könne in der aktuellen Debatte um kostenlosen ÖPNV helfen. Denn der enorme Kostenunterschied zum Auto mache eine stärkere Steuerfinanzierung des ÖPNV begründbar, sagt der Kasseler Professor. Es sei auch der Schluss möglich, dass der Pkw-Verkehr bei einer Maut stärker für Kosten herangezogen werden müsse, die er verursache. Die Forscher ermittelten in ihrer Studie Kosten und Nutzen von Verkehrsmitteln in Kassel, Kiel und Bremen.

Das „Rechenmodell“ des „Verkehrswissenschaftlers“  hat allerdings einen einzigen großen Haken, läßt es doch vollkommen außer Acht, wie die Kosten des „kostenlosen ÖPNV“ finanziert werden sollen, wenn die Melkkuh Autofahrer nicht mehr zur Verfügung steht. Dazu ein paar Zahlen welche dieses „Rechenmodell“ ad absurdum führen. Bereits am 10.11.2013 schrieb die WELT, Zitat:  42 Milliarden Euro vom Staat zweckentfremdet. 47 Milliarden Euro zahlen die Autofahrer 2013 in die Staatskassen. Fünf Milliarden fließen in die Straßen, die sie benutzen. Mit den übrigen 42 Milliarden Euro finanziert der Bund alles Mögliche.

Nun stelle man sich vor, dieser großzügige Finanzier würde plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen und die „öffentliche Hand und die Allgemeinheit“ hätte kein Geld mehr, um es in Bus und Bahn zu stecken.  Dann könnte der „Verkehrswissenschaftler“ Sommer sein „Rechenmodell“ in den Wind schreiben. Ganz davon abgesehen, daß er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit arbeitslos würde und mangels Arbeitslosengeld ein tristes Dasein führen würde. Und da es in diesem Land weitere „Rechenexperten“ gibt, die erkannt haben, daß selbst diese 42 oder 47 Milliarden Euro immer noch nicht ausreichen um alle politischen Traumschlösser zu finanzieren, hat der ehemalige Finanzminister Schäuble vorgeschlagen, die Kfz.-Steuer zu erhöhen. CDU und CSU haben zugesagt, nach der Bundestagswahl keine Steuern zu erhöhen. Mehrbelastungen zeichnen sich allerdings dennoch ab, und zwar für Autofahrer. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant ab 2018 mit deutlichen Mehreinnahmen bei der Kfz-Steuer. Bis 2022 sollen die Einnahmen insgesamt um 1,1 Milliarden Euro steigen, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Berechnungen des Finanzministeriums. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat diese Pläne gegenüber dem „Bayerischen Rundfunk“ bestätigt. Grund für die Mehrbelastung ist demnach die neue Berechnung der Abgasausstöße bei Neufahrzeugen. Sie sollen entsprechend einer Neuregelung der Europäischen Union realitätsnäher gestaltet werden, sodass die Hersteller künftig höhere Abgaswerte angeben müssten. Da sich die Kfz-Steuer auch nach dem CO2-Ausstoß bemisst, steigt die Steuerlast entsprechend.

Das war am 25.01.2017 und somit vor Bekanntwerden der Diesel-Affäre. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Doch zurück zum „Verkehrsexperten“ Sommer und sein „Rechenmodell“. Der Autofahrer finanziert nicht nur die Straßen, auf denen der „kostenlose ÖPNV“ rollen soll, sondern auch noch so manch anderes. U.a. eben auch ideologische „Verkehrsexperten“, welche für Grüne und sonstige Traumtänzer Gefälligkeitsgutachten erstellen. Doch zu einem weiteren Gedankenexperiment, was passieren wird, würde der Autofahrer als Melkkuh Nr.1 nicht mehr zur Verfügung stehen. Gesetzt dem Fall, es käme zu einem „kostenlosen ÖPNV“, wer soll dann noch in ein teures Auto investieren? Auch dazu ein paar erlhellende Zahlen, welche allerdings nur der nicht mit ideologischen Scheuklappen versehene Denker erkennt.

Der deutschen Autoindustrie ist etwas Seltenes gelungen: Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als Carl Benz in Mannheim das Auto erfand, fährt sie ununterbrochen vorne mit, bei den Verkäufen wie bei der Leistung der Fahrzeuge. Heute hat die Autoindustrie in keinem anderen Land der Welt eine so große Bedeutung wie in Deutschland.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete sie einen Umsatz von gut 400 Milliarden Euro. Zum Vergleich, die Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes 2017 betrugen 329,1 Milliarden Euro. Damit wurde in der deutschen Industrie jeder vierte Euro mit einem automobilen Produkt umgesetzt. Drei Viertel aller Karossen aus Stuttgart, Wolfsburg oder München werden ins Ausland verkauft. 7,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands gehen direkt oder indirekt auf die Autoproduktion zurück. Mehr als 800.000 Menschen arbeiten in Deutschland bei Autobauern und Autoteileherstellern. Das sind so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr.

In mehreren Studien haben Wissenschaftler zudem die indirekten Jobeffekte untersucht. Heinz-Rudolf Meißner, Vorstand der Forschungsgemeinschaft für Außenwirtschaft, Struktur- und Technologiepolitik in Berlin, sagt, „dass in Deutschland etwa 1,8 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Autoproduktion abhängig sind.“

1,8 Mio. Arbeitsplätze sind in Deutschland direkt oder indirekt von der Automobilproduktion abhängig und das will der „Verkehrsexperte“ Sommer mit einem Fragezeichen versehen und überflüssig erscheinen lassen? Wohin mit den daraus resultierenden Arbeitslosen und vor allem, wovon finanzieren, wenn der Hauptfinanzier des gesamten Systems nicht mehr zu Verfügung steht? Aber man hat ja noch den Export, denn drei Viertel aller Karossen aus Stuttgart, Wolfsburg oder München werden ins Ausland verkauft. Hier zeigt sich dann, wie im Fall der „Energiewende“ und der Abschaltung der sauberen AKW in Deutschland die ganze Scheinheiligkeit, auf welcher das System aufgebaut ist. Dem deutschen Energieverbraucher werden unnütze und immense Kosten auferlegt und gleichzeitig finanziert die „Bundesregierung“ den Bau von AKW in aller Welt. Ich habe dazu bereits hier ausführlich geschrieben.

Es ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, wenn in Deutschland Kernkraftwerke abgeschaltet, damit die Stromkosten in die Höhe getrieben und gleichzeitig mit Wissen der  „Bundesregierung“  Brennstäbe aus Deutschland nach Belgien geliefert werden und Deutschland sich zudem finanziell am Betrieb von „unsicheren Atommeilern“ beteiligt. In Zeiten mit politischem und moralischem Anstand hätte das für einen Rücktritt des „Umweltministers“ genügt. Aber es mangelt in der „Politik“ bekanntlich an beidem.

Es dürfte der deutschen Öffentlichkeit auch weitestgehend unbekannt sein, daß die „Bundesregierung“  2010 für die Erweiterung eines brasilianischen Kernkraftwerkes eine Hermes-Bürgschaft über 1,3 Mrd. Euro übernommen hat. Es handelt sich um dieselbe „Bundesregierung“, welche ein Jahr später die Abschaltung deutscher Reaktoren wegen Nichtbeherrschbarkeit  der  Kernenergie unter Merkel beschlossen hat.

SPIEGEL ONLINE schreibt am 20.03.2011, Zitat:

„Der Fall steht beispielhaft für das starke Engagement  Deutschlands in der internationalen Kernkraft-Technik. Insgesamt zwölf Exportgarantien hat die Bundesregierung für deutsche Atom-Exporte übernommen, darunter Projekte in Russland und China. Atomkraft Made in Germany ist ein Export-Schlager. […] Während in Deutschland Reaktor-Neubauten undenkbar wären, sieht die Bundesregierung den Ausbau der Atomenergie im Ausland gerne, denn das wirtschaftliche Potential ist enorm. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little sind weltweit rund 170 Atomkraftwerke mit 560 Reaktoren geplant oder im Bau. Für die deutsche Wirtschaft warten hier Aufträge in Höhe von bis zu 628 Milliarden Euro.“

Man kann dem scheinheiligen, ideologisch verstrahlten „Verkehrsexperten“ Sommer nur wünschen, er möge seine Zukunft in Arbeitslosigkeit verbringen, die zu finanzieren kein Geld vorhanden ist, weil die deutsche Schlüsselindustrie auf Betreiben eines solchen Irren ruiniert worden ist.

„Wenn Du tot bist, merkst Du nicht, daß Du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Ebenso ist es, wenn Du blöd bist“ Verfasser unbekannt

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