Island will Beschneidung auch für Jungen verbieten

Foto:Durch Eng. Bilal Izaddin/shutterstock
Kleiner Junge vor der Beschneidung (Foto:Durch Eng. Bilal Izaddin/shutterstock)

Island könnte das erste Land in Europa sein, dass die Beschneidung auch von Jungen verbietet. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird gerade im Parlament debattiert. Muslime und Juden sind entsetzt.

„Das ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit“, kritisierte Ahmad Seddeeq, der ägyptische Imam des islamischen Kulturzentrums von Island den Gesetzentwurf.

Silja Dögg Gunnarsdóttir, eine Abgeordnete der Mitte-Rechts-Fortschrittspartei, sagte, sie habe die Gesetzesänderung vorgeschlagen, nachdem sie erkannt habe, dass das Verbot weiblicher Genitalverstümmelung nicht gleichbedeutend mit der Beschneidung von Jungen sei.

„Wir sprechen über Kinderrechte, nicht über die Glaubensfreiheit“, sagte sie, als sie Anfang Februar die Gesetzesvorlage einbrachte. „Jeder hat das Recht zu glauben, was er will, aber die Rechte der Kinder stehen über dem Recht zu glauben.“

Das neue Gesetz sieht eine sechsjährige Haftstrafe für jeden vor, der „die  sexuellen Organe eines oder mehrerer Kinder aus nicht-medizinischen Gründen „entfernt“ und findet eine breite Unterstützung im Parlament und in der Bevölkerung.

Neben jüdischen und muslimischen Gemeinschaften stellt sich auch die katholische Kirche an die Seite der Beschneider und sieht in dem Verbot einen Angriff auf die Religionsfreiheit: „Der Schutz der Gesundheit von Kindern ist ein legitimes Ziel jeder Gesellschaft, aber in diesem Fall wird es ohne jede wissenschaftliche Basis verwendet, um bestimmte religiöse Gemeinschaften zu stigmatisieren“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Präsident der katholischen Kirche in Brüssel die Europäische Union.

Ungefähr 336.000 Menschen leben in Island. Laut Regierungsangaben sind davon 250 jüdischen Glaubens und 1.500 Muslime.

Island ist bekannt für seine Politik der Geschlechtergleichstellung. Erst letzten Monat verbot die Regierung Unternehmen, Frauen weniger zu bezahlen als Männern.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2007, sind Muslime die größte religiöse Gruppe, die männliche Beschneidung durchführt. Schätzungsweise 30% aller Männer weltweit sind beschnitten, und ungefähr zwei Drittel von ihnen sind Korangläubige, so die WHO. (MS)

 

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