Gras & Grüne: Von guten Ideen zehren wir ewig

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Hanfparade am 12.08.2017 (Foto: Imago)

Toleranz ist, wenn man die ganz andere Meinung des Kollegen aushalten kann. In diesem Jouwatch-Beitrag scheint eine ganz andere Ansicht als meine durch. Es geht um eine Gesetzesintiative zur Freigabe von Cannabis, einzubringen von der FDP und den Grünen. Ich muß gestehen: Das Einzige, was mich mit den Grünen seit bald vierzig Jahren verbindet, ist, daß sie das seit bald vierzig Jahren wollen. Die Gegenrede.

von Max Erdinger

Die Cannabisfreigabe: Es gab mal eine rot-grüne Bundesregierung. Die war schon schlimm. Daß es mit Merkel noch viel schlimmer kommen könnte, hat sich jeder vernünftige Mensch um die Jahrtausendwende nicht vorstellen können. Es sei denn, er hätte gekifft. Jedenfalls wäre die Gelegenheit für die Grünen damals günstig gewesen, die Cannabisfreigabe voranzubringen. Sie haben jedoch versagt. Knapp zwanzig Jahre später – immer noch das alte Thema.

Es gibt keinen sachlichen Grund für ein Cannabisverbot. Auch der Bund deutscher Kriminalbeamter hat kürzlich wieder einmal die Freigabe befürwortet. In einem Land, in dem das schwere Zellgift Alkohol fast überall frei verkäuflich ist, erscheint ein Cannabisverbot völlig grotesk. Pharmakologisch ist Cannabis glatte zwei Gefährdungsklassen unterhalb des Alkohols angesiedelt. Es sind keine physischen Abhängigkeiten von Cannabis bekannt, es gibt keine Cannabistoten – und der Kiffer ist wesentlich sozialverträglicher als viele Betrunkene. Das aber nur nebenbei.

Es ist ein absolutes Unding, wahlberechtigten Bürgern zuzugestehen, daß sie sich bei allen möglichen, feucht-fröhlichen Gelegenheiten den Verstand aus der Birne saufen, während man ihnen verbietet, sich stattdessen für das harmlosere Cannabis zu entscheiden. Cannabis ist auch nicht mit harten Drogen gleichzusetzen. Amphetamin, Kokain, Crystal Meth usw. gelten als Rauschgifte. Sie besitzen ein sehr hohes Suchtpotential, schädigen die Gesundheit extrem und es ist sicherlich nicht verkehrt, sich dafür einzusetzen, daß es wenigstens keine Schwemme von dem Zeug gibt. Cannabis ist jedoch kein Rauschgift, sondern ein sehr gut verträgliches Rauschmittel.

Es ist auch nicht so, daß wir in Deutschland wieder einmal das Rad neu erfinden müssten. In den Niederlanden gibt es die Cannabisfreigabe seit 1980 und auf die Erfahrungen der Niederländer könnte man zur Beurteilung des Sachverhalts jederzeit zurückgreifen. In verschiedenen US-Bundesstaaten wurde Cannabis unlängst erst legalisiert – und die USA stehen noch immer. In Deutschland durfte Hanf übrigens bis vor etwa fünfzig Jahren durchaus geraucht werden. Dabei handelte es sich um das THC-arme Kraut, das man im 18ten und 19ten Jahrhundert als „Knaster“ oder „harten Tobak“ bezeichnete.

Das Cannabis-Verbot ist nichts weiter als eine lächerliche, obrigkeitsstaatliche Attitüde. Absolut nichts spricht dagegen, bei einem Glas Milch einen Joint zu rauchen, anstatt sich bei Bier und Schnaps eine Zigarette anzuzünden.

Die Grünen haben einfach folgendes Problem: Als notorische Verbotsfreunde können sie keinem vernünftigen Menschen mehr klarmachen, warum Ekelbilder auf Zigarettenschachteln nützlich sein sollen, wenn sie gleichzeitig die Freigabe von Cannabis befürworten. Kaum jemand raucht Marihuana pur. Fast alle mischen es mit Tabak.

 

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