Interview mit Generazione Identitaria: „Die EU hat Italien zerstört“

Im Mai 2017 demonstrierten Aktivisten gegen die Berliner NGO "SOS Mediterranee" in Catania

Am 4. März wird in Italien gewählt. Momentan zeichnet sich ein Sieg der mitte-rechts Koalition ab (jouwatch berichtete). Wir sprachen mit einem Aktivisten von Generazione Identitaria über die Wahl und die Zukunft Italiens.

von Collin McMahon

Alessandro ist 22 Jahre alt, studiert Wirtschaft und Fremdsprachen in Mailand. Er stammt aus einer Kleinstadt in der Nähe des Comer Sees.

Wie bist du zu Generazione Identitaria gekommen, und warum?

Ich habe mich schon immer für Politik interessiert. Schon in der Mittelstufe habe ich mit meinen Mitschülern und manchmal sogar mit den Lehrern darüber diskutiert. Politik war immer meine Leidenschaft, aber vor Generazione Identitaria habe ich nichts finden können, was mich wirklich überzeugt hat. Ich war schon immer eher konservativ eingestellt, aber ich fand die Parteien rechts von der Mitte nie sehr vertrauenswürdig. Ich fand sie zu rückwärtsgewandt und nostalgisch. Vor 10 Monaten habe ich mir auf YouTube Videos über die Migrationskrise angeschaut als ich plötzlich ein Video fand, in dem Aktivisten von Generazione Identitaria das Schiff einer NGO blockierten, das in Catania auf Sizilien auslaufen wollte. (Hier das jouwatch-Interview lesen.) Das hat mich ziemlich begeistert, deshalb habe ich mich über diese Gruppe kundig gemacht um zu verstehen, wer sie waren. Das war dann ganz genau, was ich gesucht habe. Ich sah eine Gruppe junger Patrioten, die etwas bewirken wollten, die auf eine Weise aktiv werden wollten, die noch nie eine rechte Gruppe probiert hat. Die revolutionäre, rebellische Einstellung dieser Gruppe hat mich total überzeugt.

Es gibt momentan jede Menge rechte oder konservative Parteien in Italien. Liegt das daran, dass die Italiener konservativer geworden sind?

Es gibt große Differenzen zwischen den rechten Parteien, aber vor der Wahl haben sie begonnen, bei den wichtigsten Themen Einigkeit zu erzielen. Wird die Zukunft Italiens konservativ? Ziemlich wahrscheinlich, denn die letzten 7 Jahre linker Regierungen waren 7 Jahre der Enttäuschung und des Verrats, nicht nur, was das Problem der Zuwanderung angeht. Die Wirtschaft ist total am Boden, und die Weise, wie die EU Italien behandelt, schadet der Mehrzahl der Italiener.

Welche Partei sagt dir am meisten zu? Welche liegt der Generazione Identitaria am nächsten?

Ich habe mich auf keine Partei festgelegt. Ich werde aber auf jeden Fall eine der 4 Parteien in der mitte-rechts Koalition wählen.

Generazione Identitaria ist parteiunabhängig und das wollen wir auch bleiben. Keine Partei entspricht uns wirklich. Wir wollen ja keine Wahlen gewinnen, sondern aktiv werden, die öffentliche Meinung beeinflussen und den Verrat der globalisierten Linken bloßstellen, die gerade dabei sind, Europa zu zerstören. In dieser Wahl werden wir keine konkrete Partei unterstützen, und vor allem nicht diejenigen Parteien, die den Großen Austausch in Italien vorantreiben und unser Land an die EU verkauft haben.

„Movimento Cinque Stelle“ hat viele interessante Ansätze in Bezug auf direkte Demokratie, Internet-Abstimmungen, etc. Was hältst du von ihnen?

Die Fünf-Sterne-Bewegung ist wahrscheinlich die am meisten missverstandene Partei in ganz Europa. Ich habe so viele Artikel gelesen, die behaupten, die Fünf-Sterne-Bewegung sei eine Art populistische euroskeptische Partei wie zum Beispiel die Lega. Das ist so falsch, auf sovielen Ebenen, dass ich gar nicht weiß, wo man anfangen soll darauf zu antworten. Wenn ich diese Partei mit einem Wort bezeichnen müsste würde ich sagen: Sie sind dagegen. Ständig wechseln sie die Führungsspitze, die Positionen, Ideen und Mitglieder. Jetzt ist Luigi de Maio der neue Anführer und Spitzenkandidat, plötzlich ist die Fünf-Sterne-Bewegung offen EU-freundlich und Euro-freundlich. Sogar die Partei-Insider haben keine Ahnung, was morgen auf sie zukommen wird. Ich finde die Fünf-Sterne-Bewegung außerordentlich unprofessionell, nicht dingfest zu machen und sogar gefährlich.

Die Lega Nord hat sich nun in „Lega” umbenannt – Wollen sie jetzt Wähler aus dem Süden ansprechen? Kann das funktionieren?

Die Tatsache, dass sie sich nicht mehr “Nord” nennen ist eine sehr wichtige Veränderung, und markiert eine Revolution innerhalb der Lega. Matteo Salvini hat sich in den letzten Jahren sehr ins Zeug gelegt, um aus einer regionalen Unabhängigkeitspartei eine gesamtitalienische Partei zu machen, und ich würde sagen, das ist ihm gelungen. Er hat dabei sicher auch viele Anhänger verloren, die diese regionale Linie nicht aufgeben wollten, aber dafür gewinnt er viele Anhänger im Süden Italiens. Manche nannten das einen reinen strategischen Schachzug, andere sahen darin eine Herzenssache. Das Wichtige ist, dass es funktioniert hat, und die Lega bald die führende nationalistische Partei in Italien werden wird.

Was wird deiner Meinung nach bei der Wahl herauskommen? Wer wird der Wahlsieger sein? Kommt Berlusconi wieder?

Diese Wahlen sind wahrscheinlich die wichtigsten, die wir in den letzten 20 Jahren gesehen haben. Es ist alles noch so in der Schwebe, dass es schwierig ist, eine belastbare Vorhersage zu treffen. Die Mitte-Rechts Koalition führt momentan in den Umfragen bei 36%, dahinter kommt die Fünf-Sterne-Bewegung bei etwa 27-30% und die Mitte-Links Koalition bei etwa 27.6%. Unter dem neuen Wahlrecht braucht man 40% um eine Regierung zu bilden, und momentan ist es nicht sicher ob das irgendeine Fraktion erreichen wird. Berlusconi ist bereits wieder da, nach 7 Jahren hat er sein Comeback hingelegt und wenn die Umfragen nicht lügen wird seine Partei wahrscheinlich die Stärkste in der Mitte-Rechts Koalition (mit etwas 20% von 36% insgesamt). Berlusconi darf zwar kein Amt ausüben, wegen den Urteilen gegen ihn aus dem Jahr 2011, aber er wird im Hintergrund die Strippen ziehen und wahrscheinlich Antonio Tajani zum Ministerpräsidenten küren.

Wie denken die Italiener jetzt über den Euro und die EU? Wird es ein EU-Referendum geben?

Die EU und die Einführung des Euro ist eine riesige Katastrophe gewesen. Die Europäische Union zerstört, was wir als Nationalstaaten kennen. Als Patriot kann ich nicht akzeptieren, dass mein Land sich nicht selber regieren darf und vor den Brüsseler Bürokraten buckeln muss. Die EU hat bei der Verteidigung unserer Grenzen versagt und mit der Einführung des Euro unsere Wirtschaft zerstört. Das Buch von Joseph Stiglitz, „Europa spart sich kaputt“ hat mir die Augen geöffnet: Ich habe verstanden, dass der Euro ein gescheitertes Experiment ist. Alle südlichen Länder Europas sind dadurch viel ärmer geworden und ihre Wirtschaften sind am Boden, während Deutschland immer stärker und reicher wird. Der Euro hat Italien seiner wirtschaftlichen Freiheit und Unabhängigkeit beraubt.

Wird es ein Referendum geben? Wahrscheinlich nicht in den nächsten 5 Jahren, aber ich hoffe,vielleicht bei der übernächsten Wahl. Ich sehe keine Zukunft für die EU. Die Bürger Europas wachen langsam auf und verstehen was das für Leute sind, die uns in Brüssel regieren. Länder wie Ungarn oder Polen geben mir Hoffnung, genau wie die neue Regierung in Österreich. Der Widerstand in Europa kämpft und wächst.

Vielen Dank!

Martin Sellner im Gespräch mit Lorenzo Fiato (Englisch):

 

 

Collin McMahon ist Autor und Übersetzer. Er schreibt ein Buch über Donald Trump, das im Mai im Antaios Verlag erscheint. Hier kann man ihn unterstützen.

 

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