Klartext: Für die „Moderaten“ in der AfD und anderswo

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In den Fängen der Linken (Foto Durch Lightspring/Shutterstock)

Es gibt nach meiner Überzeugung kaum etwas Unglaubwürdigeres, als sich einerseits zu wünschen, gewisse Funktionäre in der AfD hätten bestimmte Dinge nicht gesagt (Poggenburg am Aschermittwoch z.B.) – um sich andererseits dann öffentlich darüber zu echauffieren, daß sie es gesagt haben – und dadurch genau den Effekt zu erzielen, den man mit der Perpetuierung der Empörungskakophonie angeblich vermeiden will: Nämlich die Schädigung der AfD. Klartext.

von Max Erdinger

Ein CDU-Mitglied in meiner Timeline bei Facebook: „Wer in der fundamental-oppositionellen Hängematte liegt, der kann jederzeit seinen Anhängern nach dem Munde reden – und wenn es hanebüchen ist. Denn Fundamentalopposition braucht keine Kohärenz – weder zwischen den einzelnen Anliegen, noch mit der Wirklichkeit.

Was will er denn damit sagen? Meinereiner zum Beispiel begreift sich als fundamental-oppositionell, weil er sieht, wie die fundamentalen Werte einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft von Linksideologen und Regierung mit Füßen getreten werden. In der Hängematte liege ich aber schon deswegen nicht, weil ich jeden Tag viel Zeit damit zubringe, mich fundamental oppositionell hier bei Jouwatch zu äußern. Ich kann damit leben, daß meine Texte einen Effekt haben werden. Welchen – und in welchem Umfang genau -, kann ich nicht wissen. Und ich muß es auch nicht wissen. Ich bin kein Kontrollfreak. Es reicht, daß ich tätig bin. Der Fundamentaloppositionelle hat auch nicht einzelne Anliegen, sondern zuvörderst ein fundamentales, dem gewisse Details der Realität mal mehr, mal weniger entgegenstehen. Das ist die Wirklichkeit der Fundamentalopposition. Daß sie sich aus Faulheit jegliche Kohärenz sparen könne, wie das Wort „Hängematte“ wohl insinuieren soll, ist eine kleine, unaufrichtige Hinterfotzigkeit. Die Fundamentalopposition bezieht ihre Kohärenz aus sich selbst und springt nicht aktionistisch über die „Stöckchen im Detail“, welche ihr hingehalten werden.

Von einer, mit gewisser Prominenz ausgestatteten Blondine aus der Entertainmentabteilung des politisch-medialen Komplexes, war angesichts des gesetzwidrig blockierten Frauenmarsches gestern in Berlin vor einigen Tagen schon bei Twitter zu lesen. Dort meinte sie recht bäuerInnenschlau – sinngemäß: „Rechte haben kein Recht auf freie Meinungsäußerung.“ Wie gesagt: Die Blockade des Frauenmarsches ist eine eindeutige Straftat und kann mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Der Gebrauch des Wortes „Kümmelhändler“ ist von keinerlei Strafe bedroht.

Es ist so, verehrtes CDU-Mitglied aus meiner Timeline: Fundamental-Opposition ist, wenn man Prioritäten identifiziert und sich nicht auf Nebenkriegsschauplätze ziehen läßt. Mit Fundamentaloppositionellen in der CDU gäbe es Frau Merkel längst nicht mehr. Und daß eine Prominente bei Twitter in der selbstgerechten Annahme lebt, nicht auf nennenswerten Widerspruch zu stoßen, wenn sie einem großen Teil des Volkes das Recht auf freie Meinungsäußerung abspricht, das ist Symptom eines Fundamentalproblems.

Herrn Poggenburgs „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ könnten a priori nie zum Problemchen im Detail werden, wenn das Fundamentalproblem bei Zeiten fundamental angegangen worden wäre. Man würde einfach in klaren, deutlichen Worten – völlig unzensiert – über Poggenburg reden und könnte sich dabei unbesorgt an der rhetorischen Meßlatte orientieren, die er selbst gelegt hat, solange es dabei um die Sache geht, zu der er gesprochen hatte.

Das wäre dann übrigens auch das, worüber sich die Gutmenschen am allerwenigsten aufregen dürften, die jetzt quer durch alle Parteien wegen Poggenburg und der Zusammenarbeit von AfD und PEGIDA in Meckenburg-Vorpommern am stärksten hyperventilieren: Daß es einen „herrschaftsfreien Diskurs“ gibt. Jahrzehntelang haben sie beteuert, daß sie genau einen solchen Diskurs für das demokratische Optimum halten. Der Habermas, der labert was. Aber er labert gefälligst nicht nur dann, wenn es seinen Adepten gefällt, sondern wenn er schon labert, dann labert er auch dann, wenn es ihnen nicht gefällt. Die Rennregeln werden auch nicht geändert, je nachdem, wer gerade in Führung liegt.

Was, bitteschön, soll ich denn von „Realoppositionellen“ (hier: im Gegensatz zu den Fundamentaloppositionellen) halten, die sich lieber überlegen, was Andere nicht sagen dürfen sollen, anstatt sich oppositionell dafür einzusetzen, daß sie alles sagen dürfen? Und zwar auch noch so, wie ihnen der Schnabel an einem Aschermittwoch gewachsen ist.

Gottseidank war das nur eine rhetorische Frage. Ich weiß nämlich genau, was ich von solchen „Oppositionellen“ halte.

Es hat keinen Sinn, die freie Rede des Anderen ungeschehen machen zu wollen, wenn man zur gleichen Zeit glaubwürdig vermitteln will, daß man für die Redefreiheit einsteht. Wenn, wie im gegenständlichen Fall, „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ zum Zentralskandälchen gepusht werden, während ein deutsches Gericht urteilt, die Bezeichnung des deutschen Volkes als „Köterrasse“ sei zulässig, dann ist man weder Real- noch Fundamentaloppositioneller, so man sich mit aller Macht auf Poggenburg konzentriert, sondern ein Gelegenheitsoppositioneller. Und das wären die letzten, die das Land jetzt braucht.

 

 

 

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