AfD: Darf der Herr Poggenburg auch mal was sagen?

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Ein Kameltreiber bei der Arbeit (Foto: Durch MonoRidz/Shutterstock)

Der politische Aschermittwoch der Parteien ist früher einmal der Tag gewesen, an dem Tacheles geredet worden ist. Die Höflichkeitsregeln durften an diesem einen Tag noch stärker vernachlässigt werden, als ohnehin schon. Im Prinzip ist das heute noch so. Das Wort auf der Goldwaage.

von Max Erdinger

Prinzipiell sollte aber die Ausnahme von der Regel vermieden werden, da sonst der Sinngehalt des Substantivs „Ausnahme“ leidet. Praktisch ist es dennoch so, daß es Ausnahmen immer gegeben hat. Zur nachträglichen Einziehung des diesjährigen Freibriefs für politische Aschermittwochsübertreibungen wurde André Poggenburg auserkoren, der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt. Bei einer Rede in Sachsen hatte Poggenburg von „Kümmelhändlern“ und „Kameltreibern“ gesprochen, – ehrbaren Berufen also -, die sich am besten bis weit hinter den Bosporus zurückziehen sollten. Hierzulande hätten sie „nichts zu suchen und nichts zu melden“.

André Poggenburg hat seine Wortwahl inzwischen relativiert und bedauert, ein Mißverständnis erzeugt zu haben. Er versicherte, daß er der Ansicht gewesen sei, die Lockerung der Regeln für den politischen Aschermittwoch hätten auch für ihn selbst gegolten. Man solle seine Rede  satirisch auffassen.

Daß seine Äußerungen für das Image der AfD ungünstig sind, steht außer frage. Auch am Politischen Aschermittwoch hätte sich Poggenburg etwas gewählter ausdrücken können. – So etwa: „Wir unterstützen es, wenn sich die hiesigen, ehrenwerten Bewunderer von Herrn Erdogan für einen Umzug ins Reich ihrer politischen Träume entscheiden. Das Lebensglück unserer Freunde liegt uns so sehr am Herzen, daß wir, eines traurigen solchen, uns mit ihrer Entscheidung abfinden würden. Zusammen mit ihrem geliebten Anführer könnten es unsere hochverehrten Türken bis weit hinter den Bosporus zu einem glücklichen, friedvollen Leben in großem Reichtum bringen, anstatt hierzulande alltäglicher Ausgrenzung und Diskriminierung durch abgrundtief schlechte Rechtspopulisten ausgesetzt zu bleiben.“ – Das wäre gegangen, wahrscheinlich.

„Kameltreiber“ geht auch am Politischen Aschermittwoch nicht. „Ziegenficker“ geht auch nur dann, wenn es der Böhmermann an einem 12. August sagt und Erdogan meint.

Ungeachtet dessen hat mir ein Freund aber von einem gutsituierten Linken erzählt, der sich am Bosporus ein Paar sauteure, handgemachte Kamellederschuhe gekauft hat. Ein ganz exclusiver Schuhladen soll das gewesen sein. Mit einem reichen Besitzer. Und irgendwer, sagt er, muß dem die Kamele zugetrieben haben, aus denen er seine Schuhe fertigt. Weil kein Kamel freiwillig zum Schuster geht.

Ernsthaft: Sich wegen Poggenburgs Aschermittwochsrede in der AfD wieder öffentlich zu fetzen, würde dem ersten Schaden einen weiteren hinzufügen. Es reicht völlig, sich öffentlich dahingehend zu äußern, daß man Poggenburgs Wortwahl nicht goutiert, daß es aber Poggenburgs Wortwahl gewesen ist und daß ein einzelner Poggenburg so wenig eine AfD macht, wie eine Schwalbe den Sommer. Und daß eben Politischer Aschermittwoch gewesen sei.

Es ist doch so: Der Medien-Mainstream macht angesichts solcher PR-Patzer wie dem von André Poggenburg den ganzen Rummel alleine. Daran braucht man sich nicht auch noch zu beteiligen. Am besten nimmt man Poggenburg ein bißchen aus der Schußlinie, äußert sich sparsam und klärt die Angelegenheit innerparteilich diskret.

 

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