Kostenloser Nahverkehr – das teutonische Sozenparadies

Foto: Durch Tacio Philip Sansonovski/Shutterstock
Wo es was umsonst gibt, ist immer was los.(Foto: Durch Tacio Philip Sansonovski/Shutterstock)

Wenn gewisse Regierungsmitglieder öfter mal ihre Schädel durchlüften würden, dann hätten sie frische Luft im Kopf. Auf saubere Luft stehen sie nämlich. Frischluft.

von Max Erdinger

Drei Politiker wissen zumindest schon, welche Zutaten man für frische Luft braucht. – „Dazu gehört auch ein möglicher kostenloser öffentlicher Nahverkehr, wie aus einem Brief von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella hervorgeht. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vor. Zuerst hatte das Magazin „Politico“ darüber berichtet.“ (Welt)

Das Dumme daran ist, daß es mit dem öffentlichen Nahverkehr genau dasselbe ist, wie mit allem, was Kosten verursacht. Macht man etwas kostenlos, wird man keine Kosten los. Irgendwer zahlt die Kosten auf jeden Fall. Es gibt studierte Leute in Deutschland, die ernsthaft glauben, der Schulbesuch sei kostenlos. Diesen Leuten ist vermutlich noch nie aufgefallen, daß sie Steuern zahlen und wofür. Der Punkt, ab dem in Deutschland alles kostenlos ist, wird bei einer Steuerquote von 100 Prozent erreicht. Das Ganze nennt sich dann „teutonisches Sozenparadies“. Alle, alle, alle sind total frei und alles, alles, alles ist kostenlos. Vörwärts immer, rückwärts nimmer!

Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr? – So ein nagelneuer Omnibus ist nicht ganz billig. Der kostet was. Wer einen haben will, der muß ihn auch bezahlen. Ja Teufel, wer bezahlt jetzt so einen Bus, wenn ihn die nicht zahlen, die ihn benutzen, weil er … äh … kostenlos ist? Ein Sprecher der Sparte Omnibus bei Mercedes-Benz klärt uns auf: „Wir stellen den Bus her. Das kostet uns nichts. Wenn er fertig ist, verlangen wir einen Preis für ihn. Dann geben uns kommunale Verkehrsbetriebe 300.000 Euro für den Bus, im Gegenzug bekommen sie den fertigen Bus von uns kostenlos und alle freuen sich, weil sie viel Geld gespart haben„. – Aha.

„Kostenloser öffentlicher Nahverkehr“ heißt nichts anderes, als daß die Passagiere ihre Fahrscheine von denen spendiert bekommen, die den öffentlichen Personennahverkehr selbst nicht nutzen. Kostenloser Sprit an der Tankstelle wäre deshalb auch eine gute Idee. Man könnte ihn von denen bezahlen lassen, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, weil sie zu faul zum Autofahren sind. Das wäre nur fair. Schließlich haben die Faulen schon den Vorteil, daß sie sich auf ihren Smartphones ganz entspannt Youtube-Videos von Angela Merkel anschauen können, während sie von A nach B transportiert werden. Die fleißigen Autofahrer hingegen müssen sich auf den ganzen Verkehr konzentrieren und haben keine Zeit für dekadenten Youtube-Luxus während der Fahrt. Außerdem tragen sie große Verantwortung – und die Faulen im kostenlosen öffentlichen Nahverkehr tragen gar keine.

Das Ganze ist wieder eines dieser Hirngespinste, die den Untergang der DDR überlebt haben. Wenn alle ihre Autos stehen lassen, weil der öffentliche Personennahverkehr kostenlos ist, kommt kaum noch Mineralölsteuer in die Kasse, durch welche der kostenintensive Personennahverkehr kostenlos wird. Folglich wird wieder jemand anderes die Kosten des kostenlosen Personenahverkehrs tragen. Raucher und Naschkatzen zum Beispiel. Tabaksteuer um 300 Prozent rauf und die Süßigkeiten schwerst besteuert – schon bleibt der öffentliche Personennahverkehr kostenlos für pleitegangene Tankstellenbesitzer. Bei 500 Prozent Frischkäsesteuer.

Wer heute in Stuttgart oder in München ein Auto besitzt und es verkaufen will, da er es nicht mehr braucht, weil der öffentliche Personennahverkehr kostenlos geworden ist, der müsste es wohl an jemanden verkaufen müssen, der das Auto ebenfalls nicht mehr brauchen kann. Da wird es bald bestens erhaltene Porsche mit frischem TÜV für fünf Euro das Stück geben, was so gut wie kostenlos ist. Wenn man bedenkt, was so ein Porsche kurz vorher noch neu gekostet hat, dann ist der kostenlose öffentliche Nahverkehr die Chance eines Lebens für den sparsamen Porsche-Nahverkehrsteilnahmeliebhaber. Und man könnte das Tempolimit innerorts auf 200 Sachen anheben, weil viel weniger Verkehr wäre.

Es ist die alte Umverteileritis, diese lästige Angewohnheit von Politikern, ganze Völker permanent per Lenkungssteuern durch den fiskalischen Kugelhagel von einer Deckung in die nächste zu lotsen, als wäre die totale Kostenlosigkeit sozusagen der Endsieg. Wollt ihr die totale Kostenlosigkeit? – Jaaaa! Und wollt ihr ein bedingungsloses Grundeinkommen? – Jaaa! Und wer soll das alles bezahlen? – Die Anderen, die Anderen!

Nun ist es ja so, daß Rindviecher übelst viel furzen, was zu einer gräßlichen Methanbelastung der frischen Luft führt, die Ozonschicht schädigt und Hautkrebs für alle bedeutet. Nur, weil die Unverbesserlichen auch weiterhin Fleisch essen wollen. Wenn man jetzt Metzgereiprodukte mit 500 Prozent Steuern belegt, könnte man den Vegetariern ihre Nahrungsmittel kostenlos anbieten, es gäbe weniger Rindviecher, weniger Fürze, eine gesunde Ozonschicht und harmlose Pickel statt Hautkrebs. Mal die Vegetarier fragen, ob sie kostenlos essen für eine geile Idee halten. Pleitegegangene Schweinezüchter könnten zu Burkaschneidern umgeschult werden und eine kostenlose Förderung erhalten, die wiederum durch eine exorbitante Besteuerung von Reizwäsche gegenfinanziert wird. Und so weiter. Und so fort.

Es könnte so einfach sein: Wer eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, der bezahlt sie auch. Punkt. Aus.

 

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