Erdogans Gier nach Europa

Foto: Durch atdr/Shutterstock
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KONFLIKT MIT EU-LAND

Erdogan warnt vor weiterer Erdgassuche an der Küste Zyperns

Um die Ausbeutung von Gasfeldern südlich von Zypern ist Streit mit der Türkei entstanden, in den sich nun auch die Europäische Kommission einmischt. Der Sprecher der EU-Kommission mahnte die Türkei, dass sie negative Äußerungen und damit eine Eskalation des Konflikts vermeiden soll. Die türkische Marine blockiert seit dem vergangenen Wochenende ein Explorationsschiff des italienischen Spezialunternehmens Saipem mitten im zyprischen Wirtschaftsgebiet.

 Von Thomas Schlawig

 Nachdem es Erdogan offensichtlich nicht genügt, im Norden Syriens einzumarschieren und die Situation in diesem Land weiter anzuheizen, legt er sich im Fall von Zypern indirekt mit der EU an. Bekanntlich ist Zypern in einen (türkischen) Nordteil und die Republik Zypern im Süden geteilt. Der „türkische“ Norden wurde 1974 von der Türkei besetzt und ist von nur einem einzigen Land weltweit anerkannt; der Türkei. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekräftigte in seiner Resolution 353[16] die territoriale Integrität und Unteilbarkeit der Republik Zypern und verlangte den sofortigen Abzug der türkischen Truppen. […] Die Republik Zypern ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU), und zwar mit ihrem völkerrechtlich anerkannten Territorium.

Soweit die neuere Geschichte, aber Zypern kann auf eine weitaus längere Geschichte zurückblicken.

332 v. Chr. gingen die Könige von Zypern zu Alexander dem Großen über und Zypern wurde in dessen Reich eingebunden. Nach dem Zerfall des Reiches gehörte Zypern zum hellenistischen Ptolemäerreich. 58 v. Chr. gelangte die Insel unter römischeHerrschaft, endgültig 31 v. Chr.[14] Zypern blieb römisch und byzantinisch bis 1184, wurde aber zuletzt unter Kaiser Isaak Komnenos unabhängig.

Zypern gehörte somit fast 2000 Jahre zu Griechenland, ehe es von 1571 bis 1878 unter osmanische Herrschaft fiel. Mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg (1914) auf Seiten der Mittelmächte wurde die Insel von den Briten annektiert. 1925 wurde Zypern Kronkolonie und es kam unter den griechischen Zyprern, welche den Anschluß an Griechenland forderten, zu Aufständen. Im August 1960 wurde Zypern unabhängig. 1974 wurde Präsident Makarios gestürzt und die „Putschisten“ strebten die  Angliederung an Griechenland an, was auch verständlich ist, sind doch 77% der Zyprer orthodoxe Christen und lediglich 21% Moslems. Das sollte eigentlich genügen, um zu erkennen, daß Zypern eher zu Griechenland als zur Türkei gehört. Einem Terroristen wie Erdogan ist das allerdings ziemlich egal und somit beansprucht er nicht nur den Nordteil Zyperns für sich, sondern auch die vor der Insel gelagerten Bodenschätze.

Das Schiff „Saipem 12.000“ war unterwegs zum Explorationsfeld Nummer drei im Osten der von Zypern beanspruchten Wirtschaftszone, als es bei der Insel Imia von den Türken blockiert wurde. Das Schiff, dessen Betriebskosten auf etwa 600.000 Dollar am Tag geschätzt werden, liegt vorerst im Mittelmeer fest. Griechische und zyprische Medien berichten von zwei Argumenten der Türkei gegen eine Suche nach Gas südlich Zyperns: Erstens sei der türkische Kontinentalschelf berührt, daher verlaufe die Wirtschaftsgrenze anders als von Zypern angenommen. Allerdings betrifft die Suche nach Gas einen Meeresgrund mit 1000 bis mehr als 2000 Meter Tiefe, wo von Kontinentalschelf keine Rede sein kann. Zweitens könne die Republik Zypern über die Nutzung der Bodenschätze vor der Südküste nicht allein entscheiden, solange es keine Einigung mit der 1974 von der Türkei besetzten „Türkischen Republik Nordzypern“ gebe.

Die Türkei erkennt die Regierung der Republik Zypern, des Mitglieds der EU, offiziell nicht an und agiert so, als hätte in der Vergangenheit die Bundesrepublik Deutschland Russland als Schutzherrn fragen müssen, bevor in der Nordsee nach Öl gebohrt wurde. Doch die Türkei hat erst einmal einen Großteil des von Zypern im Süden der Insel zum Operationsgebiet für militärische Übungen erklärt.

Bei alldem darf man auch nicht vergessen, daß Erdogan nicht nur um Zypern für Unruhe sorgt, sondern das er auch den Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 in Frage stellt, der der Türkei nach Aussagen des AKP-Führers aufgezwungen worden sei und nach welchem die Grenzen zwischen Griechenland und der Türkei festgelegt sind. Ginge es nach Erdogan, würden viele griechische Inseln zur Türkei gehören.

„Diese Inseln vor unserer Nase gehörten uns. Wir haben dort Werke, Moscheen und eine Geschichte.“ Welche der zahlreichen Eilande er meinte, die sich von Samothrake im Norden bis nach Rhodos im Süden oft in Sichtweite der türkischen Inseln befinden, ließ der Präsident offen. Seine Attacke gegen das Vertragswerk, das den Grenzen zwischen Griechenland und der Türkei zugrunde liegt, lässt aber konkrete Rückschlüsse zu, zumal Erdogan unlängst an anderer Stelle auch Ansprüche auf irakisches Territorium gestellt hat.

Das griechische Außenministerium hat vollkommen recht, wenn es sagt, Zitat: „Der Vertrag von Lausanne und das Völkerrecht sind die Realität der zivilisierten Welt. Niemand, auch nicht Ankara, kann sie leugnen. Alle müssen sie respektieren“.  Wäre dem nicht so, könnte Deutschland auch seine Ostgrenze in Frage stellen und Schlesien, Pommern, Ostpreußen sowie weitere ehemals deutsche Gebiete wieder für sich beanspruchen. Deutschland hätte dabei vermutlich größere Rechte als die Türkei.

Das Erdogan es nicht nur bei Drohgebärden und Forderungen belässt, zeigen ständige Luft-und Seeraumverletzungen durch die türkische Luftwaffe und Marine. Ich bin jedes Jahr für mehrere Wochen in Griechenland und habe selbst derartige Vorfälle schon oft zwischen den Inseln Samothraki und Thassos erlebt. So sind Türkische Flugzeuge und Helikopter am 15. Mai 2017 insgesamt 141 Mal illegal in den griechischen Luftraum eingedrungen. Das es dabei bisher immer noch friedlich abging, dürfte in erster Linie den Griechen zu verdanken sein.

Laut griechischen Presseberichten seien 20 türkische F-16 Flieger, 5 CN-235 Seeüberwachungsflugzeuge und 19 Helikopter im Fluginformationsgebiet von Athen unterwegs gewesen, ohne einen Flugplan mitzuteilen. Alle türkischen Luftfahrzeuge seien von griechischen Militäreinheiten identifiziert und abgefangen worden – in neun Fällen habe dies beinahe zu Kampfsituationen geführt.[…]  Auf Nachfrage von EURACTIV.com sendete ein EU-Sprecher eine eindeutige Nachricht in Richtung Ankara: „Die EU weist darauf hin, dass die Türkei die nachbarschaftlichen Beziehungen uneingeschränkt achten muss. Die Türkei muss jegliche Art von Auseinandersetzungen, Drohungen oder Aktionen gegen ein EU-Mitgliedsstaat unterlassen und sich der friedlichen Lösung von Konflikten verpflichten.

Ob Erdogan sich dadurch beeindrucken läßt, ist fraglich, passen diese „Vorkommnisse“ doch gut zur moslemischen Landnahme zur Errichtung der Weltherrschaft des Islam.

„Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum immer wieder um uns herum gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse“ Johann Wolfgang von Goethe

 

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