ARD-Epos „Flucht aus Europa“: Was für ein Blödsinn (Nachtrag)

Meine Lieblingsstelle: Die widerständischen (linken) Redakteure haben sich im Keller versteckt, um von da die Notausgabe rauszubringen.(Screenshot ARD)

Nun ist es also gelaufen. Das unsägliche ARD-Propagandastück „Flucht aus Europa“. Und? Es war noch dämlicher als erwartet. Wird aber von manchen schreibende „Kollegen“ noch übertroffen.

Nachtrag: ARD-Logik

Bereits am gestrigen Abend zeichnete sich ab, dass in der Kommentarspalte zu „Flucht aus Europa“ viele Zuschauern nicht gerade Begeisterung äußern. Klares Übergewicht für die „Billige Propaganda“-Fraktion.

Da sind die Fake-News Jäger vom Ersten natürlich ganz schnell am Start. Rechte Aktivisten hätten das Forum gekapert. Belege. Doch nicht bei Fake-News Jägern. Ausgeschlossen scheint in der ARD Logik: Der Film ist Mist. Wer das denkt, ist RÄCHTS. Der Zuschauer bemerkt die Absicht und ist verstimmt.

Wenn man sich allerdings über den Film unterhalten mag und ansonsten die per Netti-Kette festgelegten Tabus des ARD nicht berührt, ist weiter herzlich eingeladen, am offen Diskurs in einer offene Gesellschaft teilzunehmen. Diese Diskussion muss niemand beeinflussen. Der Film spricht für sich selbst.

Die ARD lädt ein zum Gespräch. Was man sagen darf, ist auch klar definiert. (Bild: Screenshot Facebook)

Die gute Nachricht vorweg, die anschließende Diskussion zur „Einordnung“ bei Talk-Gouvernante Maischberger fiel zugunsten des Thema „Diese Groko“ aus. Leider war auch auf der Webseite nicht zu lesen, wen sie denn eingeladen hätten.

Schön wäre der Jens Müller von der TAZ gewesen, weil der ist schlicht begeistert ist, wie dieser Perspektivwechsel die Augen öffne. Doch selbst er merkt, obwohl er es befürwortet:

„Wahrscheinlichkeit, Plausibilität sind hier keine Kategorie. Die Währung heißt: Empathie.

 „Stell dir das doch einfach mal vor: du, ja du! Genau du! Du bist der Flüchtling. Du fürchtest um dein Leben und das deiner Liebsten. Du lässt alles zurück. Du begibst dich auf eine lebensgefährliche Reise. Du überlebst. Und sie empfangen dich mit kalter Bürokratie. (Keine Teddywerfer in Südafrika. Die wollen sogar den Pass sehen? Unerhört.) Sie geben dir gerade das Nötigste. Sie stecken dich in ein umzäuntes Lager. Sie sagen: „We didn’t ask you to come here.“ Sie bewerfen dich mit Dreck und rufen: „Piss off, you stinky bitch! This is not your country!“ (Kann dir in Deutschland auch passieren. Sogar das es dir ein Schwarzer ins Gesicht brüllt.)

Seine Schlussfolgerung, natürlich nicht ohne klar zu machen, wo man zu dem Thema steht:

Man kann sich nur nicht vorstellen, dass Menschen sich mit so simplen, emotionalen statt intellektuellen Mitteln überzeugen lassen. Andererseits hatte man sich aber auch schon nicht vorstellen können, dass sie sich mit den simplen, emotionalen statt intellektuellen Mitteln von Pegida und AfD überzeugen lassen.“ (Es gib ja sogar welche, die sich von den simplen emotionalen Mittel der Taz beeindrucken lassen. OK. Wenige.)

Heike Hupertz von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ stößt ins gleiche Horn:

Vorläufig sicher in Südafrika, der wirtschaftlich wohlhabenden „Rainbow Nation“ mit dem strengen Asylverfahren. (Die Dame hat Humor und von Südafrika NULLKOMMANULL Ahnung.)

Die Flüchtlinge die nach Europa gekommen waren und die Rechten an die Macht gebracht haben (Womit eigentlich? Weil sie sich so toll verhalten haben?), sind aber nicht schuld:

„Wenn die nicht alle früher zu uns gekommen wären, dann hätte es in Deutschland gar keine Probleme gegeben.“ Mutter Sarah, Lehrerin für Deutsch und Geschichte, will den Aufstieg der Rechten in Deutschland und die Säuberungsaktionen der Regierung unter Kanzler Meyer, die sie in die Ferne gezwungen haben, nicht den Flüchtlingen aus Afrika nach Europa anlasten: „Das haben wir schon selbst hingekriegt, Deutschland zu ruinieren.“ (Unsere ewige Schuld.)

Hier wird aus der Flucht nach Europa die Flucht aus Europa, aus geflüchteten Afrikanern werden flüchtende Europäer. (Nur das keiner nach Afrika fliehen würde.)

Ähnlich Erwartbares vom SPIEGEL, wo Anne Haeming, wohl gerade frisch von „bento“ rübergemacht hat mit der entsprechenden kindlich naiven Weltsicht:

„Der Trick mit dem Perspektivwechsel geht auf. Die historische, geografische oder kulturelle Distanz, die uns Fluchtgeschichten sonst so angenehm vom Leib hält, fehlt. Wir sitzen in einem Boot.“

Genau deshalb war dieser Film überfällig. Danach wirkt all das Koalitionssondieren über Obergrenzen und Familiennachzug erst recht wie heuchlerische Haarspalterei. Und ein „Heimatministerium“ nur noch gruselig. (Denn „Flüchtlingen“ muss jeder immer helfen und Geld kostet das nicht. Und wenn muss sich ja die Anne nicht drum kümmern. Die ist fürs große ganze zuständig. Heimat ist ganz schlimm.)

 Manchmal denk ich schon, muss befreiend sein, wenn man so gar keine Ahnung hat und so voll in seiner eigenen Welt lebt. Mein Gott SPIEGEL. Die Stokowski ist nicht euer einziges Problem. Stellt doch mal wieder Journalisten ein.

Tobis Sedlmaier von der Neuen Züricher Zeitung NZZ ist nicht so verstrahlt und hat in der Schweiz auch einen anderen Spielraum. Er ist hält den Film für „Absurd und wenig erhellend.“

Europäer, die nach Afrika fliehen. Dass diese konstruierte Kausalkette unplausibel ist, da es spezifische Unterschiede in der geschichtlichen und politischen Situation der Kontinente und Kulturen gibt, wird dabei eisern ignoriert.

 Man könnte in dem Vorhaben, das Leid der Flüchtenden begreifbar zu machen, indem man die Stationen der Flucht so «realistisch» wie möglich nachzeichnet, einen gutgemeinten Ansatz erkennen. Doch wie die Enge in den Lagern, die Einsamkeit oder die mangelnde Empathie einiger Einheimischer als rein dramaturgisches Mittel zum moralinsauren Zweck benutzt werden, ist zynisch.

 Dabei hätte er es belassen sollen, aber auch er kommt nicht aus ohne:

 Und für die Argumentation derjenigen Schreihälse, die der ARD wutentbrannt Staatspropaganda vorwerfen, ist «Aufbruch ins Ungewisse» Wasser auf die Mühlen. 

 Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hat Herr Sedlmaier genau das mit der Staatspropaganda zuvor belegt.

Doch er kriegt noch einigermaßen die Kurve:

„Im Übrigen offenbart der Beitrag zu diesem Themenabend ein merkwürdiges Verständnis von den gegenwärtigen Machtverhältnissen. Halten die Produzenten tatsächlich das unsortierte Häufchen AfD im immer noch nicht konstituierten deutschen Parlament für die wahre politische Bedrohung, die das Land wieder in den Abgrund führt?“

Da bin auch ich bei ihm. Neben seinen ganzen inneren Logikfehlern hat sich der Film im Setup der Situation von der Realität schon so weit entfernt wie ein Hedwig Courts Mahler Kitschroman.

1.Ein Umsturz von Rechts ist in Europa vollkommen abwegig. Hätte man die Ausgangssituation „Europa islamisiert“ die letzten „Ungläubigen“ fliehen, wäre es logischer gewesen.

2. Die „Flüchtenden“ hätte man nun aber nicht nach Südafrika, einem Land in dem Weiße übrigens abgeschlachtet werden (jouwatch berichtete mehrfach), fliehen lassen können, sondern wohl eher nach Osten. Aber Putin als Retter. Wäre ja gar nicht gegangen.

3. Kein Land aus dem hier im Moment die „Menschen“ ins Land strömen, wäre auch nur ansatzweise bereit eine solche Menge an Europäern aufzunehmen und zu versorgen. Sie wollen es nicht, sie können es nicht und sei werden es nicht. Selbst wenn man sich nicht so benimmt, wie ein großer Teil der angeblichen „Schutzsuchenden“ hier.

4. Asyl in Südafrika. Von welchem Geld soll das Land das bitte bezahlen. Das ist doch jetzt schon Elend in Tüten. Auch in „Flucht aus Europa“ Film hat die Migration nach Europa die Rechten an die Macht gebracht. Und dann flieht man halt jetzt nach Südafrika gestern noch Fluchtland heute wohlhabender Multikultistaat.

5. Auch von Europa kann man nur mit einem Schlauchboote fliehen. Wie gut das hier so viele rumliegen. (Schlauchboote immer überfüllt, voller Frauen und kleiner Kinder. Nur verwandeln sich die in Südafrika nicht alle in junge Männer, kaum das sie an Land sind.)

Dieser Film ist ein gefährlicher Blödsinn. Man versucht ein Gefühl herzustellen, das auf Fakten keine Rücksicht mehr nehmen muss. Nanny-TV mit erhobenem Zeigefinger. Ärgerliche Geldverschwendung.

Vielleicht wäre sogar die Diskussion bei Maischberger interessanter gewesen. Und das von mir. (VK)

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