Angela die Alternativlose im Interview bei Berlin direkt. Der Pressespiegel:

Merkel im Dialog mit sich selbst. Ergebnis: Ich bin alternativlos. (Foto: © Volker Kleinophorst)

Nun hat sie doch glatt wieder mal zu uns gesprochen. Das erste Mal seit ihrer überzeugenden Wahlschlappe sprach Angela Merkel zum Volk, natürlich via Staatssender ZDF. Wie die Kollegen und deren Leser das Schauspiel gesehen haben.

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung:

Es ist gut, dass Merkel nicht den Schulz macht. Klebt sie deswegen an der Macht? Nein, sie handelt pflichtbewusst.“

„Es ist auch ganz und gar keine Katastrophe, dass die Kanzlerin erklärt, dass sie Kanzlerin bleiben will. Es wäre eine Katastrophe, wenn sie jetzt den Bettel genervt hinwürfe – à la Schulz. Merkel hat nicht wenig Fehler gemacht, gewiss. Aber sie hat vom Wähler den Regierungsauftrag bekommen.

Eine wirkliche Katastrophe ist das Katastrophengerede. Das Land steht gut da, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Das Land braucht eine Regierung, die die Probleme anpackt – ein Teil dieser Probleme ist im Koalitionsvertrag ordentlich beschrieben und angepackt.

Nein, der Bundesadler stürzt nicht kopfüber in den Abgrund. Ja, die Lage ist ernst, hoffnungslos ist sie ganz und gar nicht. Man sollte die Zukunft nicht so beschreiben, dass die Zukunft vor einem wegläuft.

Peter Grimm, Achse des Guten:

„…in Zeiten, in denen jeder Karnevalsprinz und jedes Funkenmariechen seriöser und verantwortungsbewusster erscheinen als das Spitzenpersonal der Möchtegern-GroKo, ist es durchaus angebracht, wenn sich „Mutti“ am Vorabend des Rosenmontags an die Narren wendet.

„…einen Informationswert oberhalb des Wir-schaffen-das-Levels trauten ihr wohl die Wenigsten zu. Und tatsächlich, genau diese Erwartungen enttäuschte Angela Merkel mit ihrem Auftritt in Berlin direkt im ZDF nicht. Um Inhalte ging es einfach gar nicht. Die drängendsten Problemfelder, wie die unkontrollierte Zuwanderung, das Auseinanderdriften der EU, die Zinsentwicklung oder die Euro-Krise, kamen nicht einmal mit einer Andeutung vor. Daran hat die Kanzlerin kein Interesse und ihre ZDF-Stichwortgeberin sah sich offenbar auch in einer eher staatstragenden Rolle.

Wer allerdings tatsächlich einen Anflug selbstkritischer Demut oder nur den Hauch eines Anscheins, der Anerkennung der Möglichkeit erwartet hatte, sie selbst könne irgendeinen kleinen Fehler gemacht haben, wurde mit jeder Silbe eines Schlechteren belehrt. Auch wenn es weder Stichwortgeberin noch Kanzlerin explizit aussprachen: Um jeden Preis müssen Neuwahlen vermieden werden.“

„…wenn dann am Aschermittwoch alles vorbei wäre. Ach, hätte uns die Kanzlerin das doch in ihrer Rosenmontags-Ansprache versprochen. Nicht nur die Narren hätten ihr zugejubelt.“

Mathias Heller, BZ:

„Die Kanzlerin gerät in ihrer eigenen Partei immer mehr unter Druck. Angela Merkel steckt nach 18 Jahren Regierung in der schärfsten Krise ihrer Amtszeit.“

„Die Kritik an Schulz wegen dessen widersprüchlicher Äußerungen trifft auch Merkel. Im Oktober 2017 hatte sie selbst Verhandlungen mit der SPD abgelehnt, weil die auf Bundesebene auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig sei: „Wir sollten deshalb keine weiteren Gedanken darauf verschwenden.“ Im Januar dann Sondierungen. Wie schnell sich absehbare Zeiten doch ändern.

Am 26. Februar stimmt der CDU-Parteitag über den Koalitionsvertrag ab. Fällt er durch, ist die Ära Merkel zu Ende. Wenn nicht, muss Merkel auf ein Ja der SPD-Basis zum GroKo-Vertrag am 3. März hoffen.“

Die Leser:

Screenshot: BZ

HUFFPOST:

Dann kam sie im ZDF doch noch zum Punkt. Wenn die Abstimmung mit einem “Nein” ende, “dann gehe ich zum Bundespräsidenten und dann kommt wieder Artikel 63 der Verfassung ins Spiel und dann muss er jemanden vorschlagen.”

Und dafür stehe ich zur Verfügung”, sagte Merkel. Das sind entscheidende Worte.

Denn die CDU-Vorsitzende erklärt damit: Scheitert die GroKo, stellt sie sich zur Not ohne eine Regierungskoalition zur Wahl. Fände die CDU also eine Mehrheit für Merkel, würde die Parteichefin eine Minderheitsregierung ins Auge fassen.

Schnell wird der CDU-Chefin im ZDF-Gespräch die Brisanz ihrer Worte bewusst. Denn sie hat der SPD-Führung gerade ein wichtiges Argument vor dem Mitgliedsentscheid genommen, der noch rund drei Wochen läuft.

Stünde ich zur Verfügung”, bessert sie noch einmal nach. Merkels Stimme ist jetzt aufgeregt, ein bisschen lauter als sonst. “Wir haben jetzt gerade gearbeitet, um eine Regierung zu bilden.”

Anja Maier, TAZ:

Junge PolitikerInnen nach vorn – eine hübsche, vor allem fällige Idee. Nur leider hat Merkel nach dem vergeigten Ministerien-Geschacher kaum noch attraktive Angebote zu machen. Wirtschaft, Bildung, Verteidigung, Kanzleramt – das sind ihre Trümpfe. Und die sind von vornherein personell begrenzt durch ihr Versprechen, die Hälfte der Posten an Frauen zu vergeben. Zum anderen sollten ja wohl auch fachliche Eignungen eine Rolle spielen.

Michael Hanefeld, Frankfurter Allgemeine Zeitung:

 „Wer am 11. Februar 2018 um zehn nach sieben das Zweite Deutsche Fernsehen einschaltete, bekam den Eindruck: Die Welt ist noch in Ordnung. So ist das eben, wenn die Bundeskanzlerin ein Interview bei ARD oder ZDF gibt. Draußen herrscht ein Mordsrummel, geht es drunter und drüber in den beiden „Volksparteien“ CDU und SPD. Drinnen, im Studio, geht es nüchtern und sachlich zu und wird erklärt, dass alles so ist, weil es so sein muss, wie wir es im Zeitalter der Alternativlosigkeit gewohnt sind.“

 „Angela Merkel opfert sogar ihre eigene Partei. Alles zur höheren Ehre dieses Landes.“

 „Sie steht für vier Jahre zur Verfügung, sagt sie, als Kanzlerin und Chefin der CDU. Das ist eine Ansage und eine Absage an alle, die in der Partei für Bewegung sorgen wollen. So wird die Bundeskanzlerin noch den Angela-Merkel-Moment verpassen, also jenen, in dem sie einst Helmut Kohl durch einen Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ aufs politische Altenteil bugsierte. Ist die Ära der „Alternativlosigkeit“ nicht wenigstens in der CDU mal langsam vorbei?“

Vera Lengsfeld, Publizistin:

„Die Autistin der Macht – Merkel sieht sich alternativlos“.

„Das Interview im ZDF, zu dem sich Kanzlerin Merkel selbst eingeladen hat, um auf das unerwartete Grummeln in der CDU zu reagieren, hat alle Negativerwartungen übertroffen. Es präsentierte sich eine belustigt grinsende Partei- und Staatschefin, die sich selbst dann für alternativlos hält, wenn das Mitgliedervotum in der SPD zuungunsten der GroKo ausgehen sollte.“

 „Aber aus Sicht der Kanzlerin wünschten sich die „Menschen“ nichts so sehr wie eine „stabile Regierung, die arbeiten kann“. Genau die sollten wir ihr nicht geben.“

Merkel hat keine Fehler gemacht, sie empfindet keinen Autoritätsverlust. Ihre Regierung, ob GroKo oder geschäftsführend wird „das Richtige tun“.“

Merkel hat sich mit Pattex am Kanzleramt festgeklebt. Es wird eine Überlebensfrage für unser Land, ob es gelingt, sie davon zu lösen.

Florian Gathmann, Der SPIEGEL

„Bei den Sozialdemokraten herrscht blankes Chaos – aber auch in der CDU hält sich der Unmut über Parteichefin Angela Merkel. Die gibt sich im ZDF-Interview gelassen. Aber ist die Koalition von SPD und Union noch zu retten?“

 Was die CDU-Vorsitzende allerdings fürchten muss, ist die dramatische Beschleunigung ihres Autoritätsverlusts – auch wenn sie im ZDF beteuert, dass sie das anders sehe.“

 „Es könnte eng werden.“

 Die Leser sind da nicht so zurückhaltend:

 „Gelassenheit? Nein, lautes Pfeifen im dunklen Wald. Hoffentlich wird diese Kanzlerin endlich von ihrer eigenen Partei gezwungen, abzudanken. Sie selbst ist dermaßen realitätsfern, dass sie nie darauf kommen würde.“

 „Wie das Schiff geht unter, kann ich nicht erkennen, die Musik spielt noch.“

 „Es klingt wie ein Hohn, wenn sie sagt, sie hält ihr Versprechen ein. Jeder, ob Freund oder Feind, wäre froh, sie würde zurücktreten und ihr Versprechen nicht einlösen.“

 Mit diesen Interviews hat sie den Rest Kredit auf den Kopf gehauen. Manche werden ihr noch beistehen aber das ist zu wenig. Die Deutschen hatten immer eine Art unterschwelliges Vertrauen in Können und Loyalität der Regierung. Mit Stuttgart 21 BER Migrationschaos und Bankenretten ist das Eis sehr dünn geworden.“

Focus:

Dem Text war nicht Zitables zu entnehmen. Wer allerdings meint, ich würde die Leserkommentare danach aussuchen, dass sie einen bestimmte Meinung stützen. Es gibt keine anderen. Ich würd’s machen. Schon wegen des Pluralismus.

Leserkommentare:

Die Ignoranz und die Arroganz von Merkel gegenüber den Wählern und ihrer eigenen Partei sind nicht mehr in Worte zu fassen! Der geht es doch nur darum, dass sie im Amt bleiben kann! Gibt es wirklich niemanden in der CDU mit Mut, der offen gegen Merkel rebelliert? Gibts wirklich nur noch Schlappschwänze in dieser Partei???“

 Das ist eine Lehre für diejenigen die Frau Merkel ins Amt gehoben haben. Wenn man sich mit dem Pelzebub einlässt wird es nie gut enden.

Doch sie habe auch Verantwortung für das Land übernehmen müssen.“ Selten so gelacht. Diese verantwortungslose Person hat die Verantwortung zu übernehmen, DE zugrunde gerichtet zu haben.“

Nico Fried, Süddeutsche Zeitung:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei der Besetzung der Kabinettsposten Forderungen aus der CDU entgegenkommen. Im ZDF kündigte Merkel am Sonntagabend an, dass die Liste de Regierungsmitglieder „die ganze Breite unserer Partei“ abbilden solle. Es werde „eine neue Mannschaft“ geben, sagte die CDU-Vorsitzende.“ 

 „Auf Fragen der Regelung ihrer Nachfolge geht Merkel nicht ein.“

Stephan Paetow, Fritz Goergen, Tichys Einblick:

Zunächst einmal fiel mir auf, dass Bettina Schausten sich mehrmals bedankte, dass Merkel „Die Einladung angenommen hat“ – wohl weil überall stand, Merkel habe sich eingeladen …“

 Großartig war doch der Nachruf auf Martin Schulz: „Ich wünsche ihm einfach menschlich erst mal alles Gute. Sind ja wahnsinnige Zeiten für ihn.“ Kein Bedauern, dass er weg ist.

 Die Frau lässt sich bis zur Kanzlerwahl alles gefallen. Ihr Leben hängt am Amt, für mich so unübersehbar in diesen 10 Minuten wie noch nie.

 Ja, in ihrem Gesicht stand Wehmut bei „nicht noch einmal 12 Jahre“. Früher hat sie lange gesagt, ja zelebriert „Sie kennen mich“. Das schrumpfte heute auf, „ich bleibe Kanzlerin, aber ich höre die Kritik“. Täuschen wir uns nicht, sobald sie gewählt ist, macht sie weiter wie bisher.

PI-News:

„Angela Merkel, die sich offenbar wie es in Diktaturen üblich ist, selbst in eine Propaganda-Sendung beim ZDF eingeladen hat, offenbarte uns dort wie erwartet, dass sie auch die kommenden Jahren fest an ihrem Kanzlerthron kleben bleiben will und ihr dafür so ziemlich jeder Preis recht zu sein scheint.“

 „Sie hält sich und ihre Position eben in ihrer ganzen Überheblichkeit schlicht für „alternativlos“. Sogar innerhalb der CDU, sieht man zwar nun schon den Anfang vom Ende der Partei. Merkel aber wischt auch das vom Tisch. Wichtig sei ihr „möglichst schnell mit dem Arbeiten anzufangen“. Sie ist eben noch nicht fertig, damit Deutschland zu zerstören, sie braucht noch vier Jahre, um uns und dem Land den Rest zu geben.“

Thomas Vitzthum, die Welt:

Die Kanzlerin gibt dem Druck aus der Union nach: Sie will nun doch die CDU-Ministerliste für die große Koalition vor dem Parteitag in zwei Wochen bekannt geben. Und sie verspricht, auch neue, junge Politiker einzubinden.“

 Merkel erzeugt mit ihrer Ankündigung ein wichtiges Moment der Spannung. Es könnte sie über die nächsten Tage tragen und die Kritiker ein wenig zur Räson bringen. Denn nun wird jeder, der nicht als Defätist oder Berufsnörgler dastehen will, akzeptieren müssen, dass die Parteivorsitzende am Zug ist, die neue Besetzung vorzuschlagen. Die Partei hat etwas verlangt – und Merkel ist bereit, es zu liefern.“

 Die Neuaufstellung hat jedoch keine Folgen für Merkel selbst. Sie will die Amtszeit komplett ausfüllen.

 Leserkommentare:

Letztes Mal hiess es noch: „Sie kennen mich“. Jetzt scheint die Frau zu sagen: „Sie können mich“. Kreuzweise.“

 Wer soll denn das Land regieren außer Merkel? Eine ruhig und unaufgeregt regierende Persönlichkeit die nicht jeder Meldung nachrennt. Ich bin froh, dass Sie die Verantwortung annimmt, ich hätte mich darüber gefreut, wenn auch die FDP mit in der Regierung wäre. Vielleicht beim nächsten Mal:“

 „Um es pathetisch zu formulieren: Die Mehrheit des Landes folgte und glaubte den Worten „Wir schaffen das“ und öffnete im Herzen die Grenzen, wortwörtlich, sinnbildlich, real. Doch sie hat das Land danach allein gelassen.“

 Merkeldämmerung? Das können nur längst vergessene Politiker meinen, die noch einmal versuchen wollen, an die Spitze der CDU zu kommen. Merkel regiert nicht einsam, so wie Kohl. Sie regiert mit Verstand und Ruhe und setzt ihre Arbeit unbeirrt fort.

 Direkt Antwort: Ja, sie setzt ihre Arbeit unbeirrt fort – Aber die Sache mit dem „Verstand“ sehen wir ein wenig unterschiedlich.

 „Sie haben all das verprasst, was wir erarbeitet haben. Insbesondere nach der Krise 2008/9. Man muss sich nur einmal die Entwicklung des Gesamtsteueraufkommens anschauen. Nichts, aber auch gar nichts haben wir davon zurückbekommen!“

 Was die Frau uns lehren will ist: Begrenzt die Amtszeit eines Bundeskanzlers auf 8 Jahre. In dieser Zeit kann man schon viel Mist bauen. Danach wird es grotesk und unwürdig.

Auslandspresse:

La Republica, Italien (hinter der Paywall):

Die Botschaften sind klar, die Adressaten sind innerhalb und außerhalb der Partei. Innerhalb und außerhalb Deutschlands. … Dies sind gerade vermutlich die schwierigsten Tag der merkelschen Macht.

De Telegraaf, Niederlande (Printausgabe):

„Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU muss nun alles in ihren Kräften stehende tun, um Nachfolger auf Abstand zu halten. Im ZDF hatte die Christdemokratin Mühe, ihre Interpretation der Lage darzustellen: Nein, behauptete Merkel, die zunehmende Kritik an ihrer Person bedeute nicht, dass ihre Autorität abnehme. Doch vom rechten Flügel ihrer konservativen Partei bekommt Merkel Gegenwind. …“ (VK)

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