Was schlecht beginnt endet katastrophal

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Angela Merkel: Bestellt und nicht abgeholt (Foto: Collage)

Jetzt passiert tröpfchenweise das, was bereits vor einem halben Jahr am Wahlabend überfällig war: Der Rücktritt der Verantwortlichen für die Wahldesaster von CDU, CSU und SPD.

Von Wolfgang Prabel

Zuerst hat es den Spitzbart erwischt. Er war im Winter 2017 von Siggi in eine ungewinnbare Schlacht geschickt worden, war eitel genug den Schulzzug als Lokführer zu übernehmen und fuhr ihn ohne Fortune gegen die Wand. Gestern hatte Schulz den Amtsinhaber Gabriel noch in die politische Wüste geschickt, indem er das Außenamt selbst beanspruchte. Im Schulterschluß mit Bätschi-Nahles, die Gabriel noch nie leiden konnte. Heute ist Schulz unter dem Druck des Volkes, der Genossen, der Medien und des Auslands zurückgerudert. Parteivorsitz weg, Ministeramt weg, für den selbstgefälligen Selbstdarsteller eine Katastrophe. Irgendwie ist Siggi wieder im Spiel. Können sich Gabriel und Nahles nun plötzlich wieder vertragen? Ich denke, nun geht der Krieg zwischen den Führungsgenossen erst richtig los. Gabriel wird nach Rache dürsten, daß Nahles ihn in den Skat drücken wollte. Ein Riesenscherbenhaufen.

Genau so verfahren ist die Lage der CSU. Der Prinzregentendarsteller Söder konnte von Anfang an nichts richtig machen. Er hat Seehofer die Berliner Spielwiese überlassen, und das dort angerichtete Desaster wird er bei der Landtagswahl im Herbst nicht vergessen machen können. Hätte er Drehofer gestürzt und selbst in Berlin verhandelt, wäre dasselbe Resultat entstanden. Die Landtagswahl ist verloren, die AfD freuts.

Selbst in der CDU haben viele die Faxen dicke. Die Blutkanzlerin ist beschädigt, weil sie für ihr politisches Überleben Sack und Seele an einen eitlen Spitzbart hergegeben hat, der nur drei Tage nach seinem fulminanten Sieg über sich selbst gestolpert ist. Ihr Kontrahent Merz meldet sich von der Seitenlinie zu Wort und fordert letztlich ihren Kopf. Nachdem die Medien und seine Genossen den Hohlkopf Schulz zur Strecke gebracht haben, geht der Wettbewerb los: Wer verpaßt der Kanzlerin prestigeträchtig den letalen Blattschuß?

Kabalen wie in einem Shakespearschen Königsdrama. Die Systemmedien wollten sich daran weiden, wie die AfD sich im Bundestag selbst zerlegt. Derzeit sehen Weidel und Gauland amüsiert auf das immer unübersichtlicher werdende Schlachtfeld der Großkoalitionäre. Es erinnert alles an Plisch und Plum. Immer wenn in Wilhelm Buschs Bildgeschichte bei Fittichs etwas daneben gegangen ist, schaut der Nachbar Schlich durchs Fenster, grinst und zieht an seiner Pfeife: „Das ist freilich ärgerlich, hehe aber nicht für mich!“

Mir fällt zur Regierungsbildung in Berlin eine Ableitung von Murphys Gesetz ein: Was gut beginnt, endet schlecht, was schlecht beginnt, endet katastrophal.

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