Norderstedt bekommt eine „einzigartige“ Protzmoschee

(Symbolbild: shutterstock.com)
Moscheeneubauten schießen wie Pilze aus dem deutschen Boden (Symbolbild: shutterstock.com)

Norderstedt/ Schleswig-Holstein– „Ein Prunkstück der Architektur: Die Moschee der Zukunft“. So titelte das Hamburger Abendblatt, als  2011 die Entwürfe für eine Moschee durch die Türkisch-Islamische Gemeinde, die sich zur DITIB Nord zählt, eingereicht wurde. Nun ist die Baugenehmigung für dieses Großprojekt, dem Bau der  Eyup Sultan Moschee in Hamburg Norderstedt erteilt.  Trotz zunehmender Ablehnung positionierte sich nur die AfD eindeutig gegen die Protzmoschee.

Somit kann sich die islamische Gemeinde der Umsetzung des Vier-Millionen-Euro-Projektes widmen. Nach den Plänen des Architekten Selçuk Ünyılmaz soll ein angebliches architektonisches Meisterwerk entstehen. Die Moschee– wie in islamischen Ländern üblich in die Basargegend eingebettet – soll neben Räumen für die Frauen- und Jugendarbeit und der Wohnung des Imams, auch ein Lebensmittelgeschäft, ein Friseur, ein Reisebüro und ein Café beinhalten. Eine ausbaufähige Struktur also, die es dem gläubigen Moslem im Prinzip ermöglicht, Mitten in Deutschland zu wohnen ohne jedoch Kontakt zur hiesigen Bevölkerung haben zu müssen.

Stadtplaner ermutigte islamische Gemeinde zum Protzbau – Nun formiert sich Widerstand – Nur AfD lehnt Moschee-Prunkbau ab

Den muslimischen Bauherren, die vormals einen bescheideneren Entwurf als den jetzt genehmigten einreichten, hatte Norderstedts Stadtplaner Thomas Röll mehr „Mut“ zugesprochen. Röll erinnert sich laut des Hamburger Abendblattes, dass die Moschee eher den Charakter einer simplen Halle gehabt habe. „Wir haben die Bauherren ermuntert, an dieser Stelle etwas mutiger zu sein, eher in Richtung der klassischen Moschee aus Tausendundeiner Nacht.“ Für die Stadtplaner sei die Moschee ein Aushängeschild für Norderstedt, ein selbstbewusstes Signal einer multikulturellen Stadtgesellschaft. Die neu Moschee bekommt nun zwei 21 Meter hohes Minarette, in denen sich Windräder zur Stromerzeugung drehen sollen.

Der Widerstand gegen den Moscheeneubau in Norderstedt nimmt nicht nur dort zu. Auch im unmittelbar benachbarten Hamburgischen Langenhorner scheint sich Unmut breit zu machen, da der Stadtteil bereits mit Asylanten massiv belastet ist. Durch die große Moschee auf der Landesgrenze wird nun befürchtet, dass viele der muslimischen Immigranten auf Dauer im Viertel bleiben und die Nachbarschaft spürbar verändern, so der CDU-Bezirksabgeordnete Nizar Müller. Zudem habe es nie eine Diskussion darüber gegeben, dass die Türkisch-Islamische Gemeinde zum hoch umstrittenen Islamverband DITIB Nord zähle.

Prinzipiell jedoch habe die CDU mit dem Moscheebau kein Problem. Diese habe eine Daseinsberechtigung und die Architektur sei ein echter Hingucker für die Stadt, so CDU-Stadtvertreter Peter Holl. Prinzipiell jedoch habe die CDU mit dem Moscheebau kein Problem. Diese habe eine Daseinsberechtigung und die Architektur sei ein echter Hingucker für die Stadt, so CDU-Stadtvertreter Peter Holl.

Der SPD Kreisverband Segeberg gibt sich – wie im Thema Islam für die SPD üblich – unkritisch und spricht Zusammenhang mit diesem Bauprojektes von „wunderbar“ und sieht den Neubau ebenfalls als ein „Zeichen einer multikulturellen Stadtgesellschaft“.

„Wir werden nicht gewürdigt“

Eindeutig gegen die Moschee positioniert sich in Norderstedt nur die AfD. Ex-Oberbürgermeister-Kandidat Christian Waldheim fordert, aus seiner Homepage gut begründet, den Stopp der Neubauplanung. Nicht nur sei es sehr unglaubwürdig, wenn die Gemeinde behaupte die rund vier Millionen Euro Rohbaukosten nur durch Spenden der rund 300 Gemeindemitglieder aufgebracht zu haben. Die Finanzierung müsse transparent gemacht werden, so die Forderung des AfD-Politikers.

(Bild: AfD)
Christian Waldheim (AfD) (Bild: AfD)

Der angeblich herausragende Architekt Ünyılmaz wie auch die islamischen Norderstedter Gemeindemitglieder zeigen sich enttäuscht über die aufbrandende Kritik. Man fühle sich nicht gewürdigt, so Ünyılmaz, der für die islamdevoten Ohren darstellt, dass die Gemeinde keine islamischen Traditionalisten seien. Vielmehr plane man  ein „innovatives, transparentes Moschee-Projekt und wolle sich der Öffentlichkeit als Treffpunkt anbieten“. Auch wird vehement bestritten, dass die DITIB irgendetwas mit der Planung oder der Finanzierung zu tun habe. Und ihren Imam wollen die Norderstedter so bald wie möglich in deutschen Islamschulen verpflichten. „Wir Norderstedter Muslime zählen zu den vier Millionen aufgeklärt denkenden und gut integrierten Muslimen in Deutschland. Und trotzdem spricht die Öffentlichkeit nur über die vielleicht 500 verrückten Islamisten im Land“, so die muslimische Empörung.

Der Moschee-Architekt machte auf Waldheims Homepage dem AfD-Politiker ein Gesprächsangebot (Rechtschreibfehler übernommen):

Sehr geehrter Herr Waldheim,

ich habe Ihren Beitrag aufmerksam durchgelesen. Zwar wirken Ihre fragen die Sie in raumstellen, sehr plakativ doch in gewissermaßen auch nachvollziehbar. Meine Nachvollziehbarkeit lässt sich dadurch begründen, das ich davon ausgehe, das Sie weder den Verein in Norderstedt noch meine Wenigkeit als Entwurfsverfasser kennen. Um Ihre fragen nähere aus “erster” Hand beantworten zu können, würde ich mich sehr freuen, wenn ich Sie im Verein auf ein Kennenlernen-Tee Einladen dürfen.

In der Hoffnung von Ihnen eine Bestätigung und Termin Vorschläge für einen gemeinsamen Tee-Genuss zu bekommen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen und Wünsche Ihnen angenehme vor weihnachtliche zeit.
P.S. bitte bei Antwort meine E-Mail verwenden. vielen Dank

Architekt Selcuk Ünyilmaz“

Waldheim nahm dieses Gesprächsangebot, mit der Bitte nach einem neutralen Gesprächsort, an. Leider hatte jedoch Architekt Selcuk Ünyilmaz aus terminlichen Gründen das ach so wichtige Gespräch verschieben müssen. Ob dies zwischenzeitlich zustande kam, konnte die Redaktion bis zur Veröffentlichung des Artikels nicht in Erfahrung bringen. (SB)

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