Putins neue Krieger

Foto: Vom Autoren vermittelt
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Frontaler Sturmangriff mit einer Welle Soldaten, gefolgt von schier unendlichem Nachschub an Menschenmaterial. Die sowjetischen Anführer im letzten großen Krieg hatten oft mehr Soldaten als ihr deutscher Gegner und konnten es sich leisten, verschwenderisch mit dem Leben ihrer Männer umzugehen. Der einzelne Kämpfer, der Infanterist, war nicht viel wert im Kommunismus.

Von Young German

In Putins Russland hat diese Denkweise seit den Kriegen im Kaukasus und Afghanistan ausgedient. Kürzlich setzte ich mich mit ein paar alten Kameraden von den Fernaufklärern und und der Eloka zusammen. Beim Kaffee diskutierten und recherchierten wir, was der russische Bär mittlerweile eigentlich ins Feld führt. Dabei kamen einige sehr erstaunliche Erkenntnisse zu Tage, die wir so nicht erwartet hätten. Über die technischen Details will ich nicht zu viele Worte verlieren, sondern militärpolitische Tendenzen und Entwicklungen beschreiben, die absehbar sind.

Neues Rüstzeug für die Infanterie

Seit Anfang diesen Jahres sind auch die neuen Ak-12 und Ak-15 Sturmgewehre offiziell in den Lauf gebracht worden, nachdem diese Weiterentwicklungen der Kalaschnikov lange Zeit auf Waffenmessen herumgezeigt wurden. Die Gewehre sollen partiell in einigen Truppenteilen, vor allem der Infanterie, die veralteten Ak-74 ablösen und die Transformation der russischen Streitkräfte mit einer neuen Waffe krönen. Das neue Gewehr soll die Fehler der alten Waffe tilgen und gleichzeitig die Robustheit erhalten, welche in den Gefilden der Russischen Föderation nur von Vorteil sein kann. Mehr Präzision, bessere Bedienbarkeit für Links- und Rechtshänder sowie Modularität. Vor allem letztere beiden Eigenschaften werden von Polizei und Militär sehr geschätzt, da viele ältere Handfeuerwaffen keine Verträglichkeit mit Linkshändern im Design verewigt hatten. Der Anbau einer Picatinny-Schiene am Ak-12 erlaubt endlich auch das Wechseln von Visiereinrichtungen, wie zum Beispiel für den Nachtkampf. Auch Anbauteile wie Granatwerfer, Licht oder Reflexpunktvisier sind nun kompatibel mit der neuen Waffe.

Auch das Ratnik-System, das russische Pendant zum „Infanterist der Zukunft-Rüstzeug“ der NATO, wurde bereits vor der letzten Großübung „Zapad“ erfolgreich erprobt. Ähnlich wie die NATO-Version soll Ratnik den Kampfwert der Infanterie steigern und die Überlebensfähigkeit verbessern. Optische Zielgeräte, moderne Kommunikationsgeräte und verbesserte Körperpanzerung sind eine Verteuerung des russischen Soldaten, die aber von der Regierung in Kauf genommen wird. Vorbei sind die Zeiten, wo der normale Infanterist als wertloses Bauernopfer behandelt werden kann. Man kann darauf spekulieren, dass die Russen verschiedenste Technologien bereits im anhaltenden Konflikt im Kaukasus ausprobiert haben. Damit erfinden die Russen das Rad nicht neu, kopieren aber sinnvolle Technologie aus dem Westen und treiben die Modernisierung der Infanterie schlussendlich voran.

Ähnlich wie die USA befinden sich auch die Russen in einem „Kampf gegen den (islamischen) Terrorismus“, der sich in Dagestan und Tschetschenien breit gemacht hat und dort seit Jahrzehnten für Unruhe sorgt. Die kampferfahrenen Tschetschenen liefern sich in dieser Region in unregelmäßigen Abständen schwere Gefechte mit den russischen Sicherheitskräften, die vom Militär unterstützt werden und einen Low-Intensity-Conflict innerhalb der eigenen Grenzen der Föderation kämpfen müssen. Bei der Sichtung der russischen Spezialkräfte in Polizei und Militär kommt man als Soldat selbst oft ins Staunen, wenn man die martialische Kultur und die teils gefährlichen Schießübungen sieht, welche von den russischen Kämpfern meist mit Bravour gemeistert werden. Die Handgriffe sitzen, die Technik funktioniert und die Übungen sind so lebensnah, dass sie wohl auch problemlos schnell tödlich enden könnten, wenn ein Soldat sein Handwerk nicht perfekt beherrscht.

Russland hat Erfahrungen mit dem Terrorismus und und dem Guerilla-Krieg gemacht. Diese Erfahrungen dienen nun der eigenen Truppe, welche sich einem seit über zehn Jahren andauernden Modernisierungsprozess unterworfen sieht, der noch lange nicht abgeschlossen ist, aber doch klare Tendenzen zeigt: der Soldat wird teuer, aber auch effizienter und besser gerüstet. Auch Russland, welches in vorherigen Krieg noch mit einem schier endlosen Menschennachschub rechnen konnte, kämpft mit einem demographischen Wandel und hat Nachwuchsprobleme. Es ist daher nur verständlich und natürlich, dass die Streitkräfte umdenken.

Großübungen, EMPs und Drohnen

Die russischen Streitkräfte führen zumindest an der Spitze teilweise sehr neuwertiges HIGH-Tech ins Feld, welches auf einer Stufe mit den meisten Technologien steht, welche die NATO auftischen kann. In der „Rossiykaya Gazeta“1 wurde darüber berichtet, dass die Russen an einer Boden zu Luft EMP-Waffe(Elektromagnetische Impuls-Waffe) arbeiten, welche in der Lage sei in einem Radius von 3,5 Kilometern Computer, Radar, Kommunikationssysteme und sogar Lenksysteme von Waffen auszuschalten. Die EMP-Waffe wird als Rakete abgefeuert und kommt etwa 300 oder 200 Meter über das Position des Feindes zur Explosion. Jede höhere Technologie innerhalb des betroffenen Gebietes wäre unbrauchbar gemacht. Dass die Amerikaner an der gleichen Technologie forschen, verwundert nicht. Boeing gab kürzlich bekannt, dass man die erste funktionstüchtige EMP-Waffe in den USA in den Boing Phantom Works getestet hat. Die Zukunft der Kriegführung wird höchstwahrscheinlich den Einsatz waffentauglicher EMPs sehen, die ganze Flughäfen oder Kommandozentren lahmlegen können.

Raketen hageln mit lautem Geheul über die grüne Ebene und hüllen das Übungsschlachtfeld in einen Mantel aus Feuer und Eisen. Dies ist mittlerweile eine russische Taktik im Gefecht, die darauf abzielt, mit einem hohen Munitionsvorrat und dem Einsatz einer Feuerwalzentaktik den Gegner zu überwältigen. Die schiere Masse an Raketen, abgeschossenen aus mobilen und stationären Trägern, stellt die Bodentruppen der NATO vor ein Dilemma. Die Russen zeigen, dass sie in der Lage sind einen feindwärts wandernden Feuerschirm aufrecht zu erhalten, den die NATO selber aus Munitionsknappheit und Technologiemangel nicht replizieren kann. Außer natürlich durch nukleare Abschreckung. In Westrussland wurden einige dieser Raketensysteme der Russen wieder demonstriert.

Die Übung „Zapad“, welche im russischen Westen und teilweise in Weißrussland abgehalten wurde, sah zwar nicht die von der NATO befürchtete Invasion der 100.000 Mann, wie das im Vorfeld befürchtet wurde, zeigte jedoch, dass Russland auf einer gleichwertigen militärischen Stufe operieren kann. Die ersten drei Tage verteidigte sich Russland gegen eine fiktive Attacke aus der Luft und setzte nach erfolgreicher Abwehr dieses Luftangriffes selber nach und blies zum Gegenangriff zu Land, der von eben diesen Feuerwalzen begleitet wurde. Die New York Times zitierte zum abschließenden Fazit der Großübung die Defense Intelligence Agency mit folgenden Worten: „Russlands Streitkräfte werden immer mobiler, ausgewogener und sind in der Lage die modernen Kriegsführung im vollen Umfang auszuführen.“2

Viel hat sich getan in Russland, muss die NATO anerkennen und nimmt dies zum Anlass, vor der neuen Bedrohung im Osten zu warnen.

Die Atom-U-Boote Russland, verrotten nicht mehr im Eismeer und das Militär erreicht wieder die Schlagkraft , um den Status der Großmacht auch im Angesicht einer sich nach Osten ausbreitenden NATO zu erhalten.

Man staunte nicht schlecht in den letzten Jahren über die Fortschritte der russischen Föderation, welche in allen Bereichen aufholen will, wo Defizite festgestellt wurden. Der Armata-Kampfpanzer, der in nur kleiner Stückzahl produziert wird, stand eine ganze Zeit lang imposant und bedrohlich für das wiedererstarkte Russland im Osten, dessen Panzerarmeen der NATO, die in Europa an dieser Waffe massiv abgebaut haben, wohl ein wenig Sorgen macht. Schließlich stehen hinter dem neuen Armata noch Hunderte T-90, T-80 und fast 2000 T-72, die teilweise generalüberholt und kampfwertgesteigert wurden.

Derweil ist es der Bundeswehr nicht möglich auch nur ein einziges U-Boot in Betrieb zu nehmen und von den einst 2000 Kampfpanzern der deutschen Armee Ende in den 90er Jahren sind nur ca. 95 geblieben.

Denn obwohl eigentlich 244 Fahrzeuge in der Theorie verfügbar sind, werden doch die verbliebenen 95 nur dadurch am Laufen gehalten, indem man die anderen Panzer für Ersatzteile ausschlachtet.

Vielleicht sorgt man sich ja in zurecht in Europa. Zumindest in Moskau hat es die Regierung geschafft den Abwärtstrend der eigenen Armee zu stoppen und eine militärpolitische Kehrtwende einzuleiten. Währenddessen dümpelt Berlin immer noch weit unterhalb der 2% vom BIP für den Verteidigungshaushalt, die innerhalb der NATO gewünscht sind. Umstandsmode für Schwangere und Genderseminare werden unter Frau von der Leyen scheinbar für wichtiger erachtet, als eine leistungsfähige Armee.

Foto: http://en.kremlin.ru/events/president/news/51888

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