Spiegel: Der Feinstaub ist der Feind Staub

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Julia Merlot und Nina Weber vom Spiegel haben sich das Fahrradhelmchen aufgesetzt und schreiben über den feindlichen Feinstaub. Schließlich müssen Prioritäten gesetzt werden. Ein Feind Staub in der Lunge ist viel gefährlicher als zwei Feinde Messer in derselben. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Die Sache mit dem Diesel hat nicht geklappt. So sehr man sich auch bemühte, den Dieselmotor zum Prügelknaben zu machen – es hat nicht funktioniert. Ständig stand jemand auf, um das Gerede als das zu bezeichnen, was es ist: Quatsch. Einen modernen Diesel-PKW mit Abgasrückführung, Partikelfilter und Ad-Blue Einspritzung könnte man – vorausgesetzt, man startet den Motor auch und läßt ihn dann laufen – in Shanghai oder in Peking als Luftreiniger verwenden. Was er zum Auspuff rausblasen würde, wäre sauberer als das, was er sich durch den Luftfilter reinzieht. Das Zauberwort für die deutsche Hysterie heißt deshalb „Grenzwert“. Grenzwerte wiederum bestehen aus politischen Zahlen.

Nachdem der Anschlag auf das Vermögen des deutschen Durchschnittsbürgers vermittels der Madigmachung des Diesel-PKWs nicht funktioniert hat, wird jetzt der Benzinmotor mit hysterischem Gekreische belegt. Vielleicht klappt es ja dieses Mal. Wenn nicht, könnte man es mit dem E-Auto probieren. Auch ein Tesla rollt auf Reifen und muß bremsen. Reifen- und Bremsenabrieb sind nämlich wesentliche Bestandteile von Feind Staub. Das Perfide am modernen Ottomotor ist jedoch, daß durch Katalysator und Direkteinspritzung die Feindstaubpartikel so winzig geworden sind, daß sie immer weiter in den Körper vordringen, u.U. bis in die Blutbahn. Die körpereigenen Filtersysteme sind zu grobmaschig. Feinste Feindstaubartikel können nicht mehr abgehustet werden. Sie dringen in den Körper ein wie der einzelne Somalier nach Süddeutschland.

Wie wissenschaftlich die behelmten Autorinnen beim Spiegel an das Thema herangegangen sind, sieht man daran, daß sie Feind Staub auch noch ganz woanders entdeckt haben. In Wohungen zum Beispiel. Vor allem in denen von Rauchern.

Auch Raucher atmen deutlich mehr Feinstaub ein als Nichtraucher. 2016 berichteten Forscher etwa, dass zwei Zigaretten einen Raum deutlich stärker mit Feinstaub belasten als die Abgase von einem Lkw, der acht Minuten im Leerlauf läuft.

Nicht, daß meinereiner sich Illusionen hinsichtlich der geistigen Verfassung von Spiegel-Redakteuren hingäbe, aber daß man dort so zuverlässig mit der Dummheit von Spiegel-Lesern kalkuliert, die eigentlich „mehr wissen“ sollten, ist schon alarmierend. Also dann: Wir wissen zwar nicht, wie groß der Raum ist, in dem zwei Zigaretten geraucht wurden. Wir wissen auch nicht, um welchen LKW es sich handelt. Ist es ein 7,5 Tonner oder ein 40-Tonner? Hat er einen Sechszylinder- oder einen Achtzylindermotor? Verfügt er über AdBlue-Einspritzung oder nicht? Aber er läuft exakt acht Minuten. Das wissen wir ganz genau. Die Zahl 8 ist sehr wissenschaftlich. Und die Zahl 2 auch.

Entscheidend für die Gesundheit ist vor allem, wie hoch die Feinstaubkonzentration langfristig in der Umgebungsluft ist.

Und weil es nicht um die Gesundheit geht, sondern um einen Angriff auf das fortbewegte Leben vermittels des Individualverkehrs und das Auto als solches, sind die politischen Grenzwerte für die Belastungen durch den feindlichen Feindstaub genau dort um ein Vielfaches höher, als an der frischen Luft, wo sich der atmende Lungenmensch zumeist acht (8!) Stunden am Stück aufhält: In einem Großraumbüro zum Beispiel.

Durch Lüften mit offenem Fenster, lässt sich die Belastung reduzieren.

Hinter „Fenster“ gehört auch im Feindstaubkoma kein Komma. Das aber nur nebenbei. Was mich jedoch brennend interessiert hätte, das wäre gewesen, wie Lüften mit geschlossenem Fenster geht.

 

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