Laschet bei Anne Will: Es geht nicht um den Wählerauftrag

Laschet gab den energetischen Macher. Ob er immer weiß, was er sagt? (Bild: Scrennshot ARD Mediathek, Link im Text)

Maas und Weidel bei Anne Will. Doch von Zoff keine Rede. Eine merkwürdig lahme Runde. Dabei hätte man aus einigen Äußerungen was machen können.

Von Volker Kleinophorst

Die TV-Talks sind mir meist zu langweilig, hab ich schon früher nicht gerne geguckt ob nun Christiansen, Böhme oder Jauch. Eine Absondern von Statements, äußerst selten eine Diskussion. Mir will nicht ein positives Beispiel einfallen. Doch die Anne Will Sendung von gestern Abend „Verhandeln bis es quietscht – kann eine neue Groko überzeugen“ habe ich mir doch heute in der Mediathek gegönnt. Erstens weil ich wissen wollte, ob die Sendung wirklich so lahm war, wie alle schreiben (Allerdings 1) und zweitens, ob Laschet wirklich gesagt hat: „Es geht nicht darum, was der Wählerauftrag war“ (Allerdings 2).

Aber von Anfang an: Diese Groko hängt schon allen zum Halse raus, bevor es überhaupt losgeht. Und so konnte Anne Will am gestrigen Sonntag nicht einmal von der guten Tatortquote profitieren, obwohl die Runde mit dem neuen Grünen-Boss Robert Habeck, Heiko Mass (SPD), Alice Weidel (AfD) und Armin Laschet (CDU) gut besetzt war. Die Journalistin Elisabeth Niejahr von der „Wirtschaftswoche“, einer muss ja das Volk spielen, war wohl eher Beiwerk.

Allerdings 1: Die Sendung war so lahm, wie alle schreiben.

6 Millionen Zuschauer schalteten nach dem Tatort direkt weg, auch wenn das keine Meinungsumfrage ist, doch ein Stimmungsbild. 3,63 Millionen blieben dran.

Da hatten die Zuschauer ein Näschen, denn die ganze Runde kam nicht richtig in Schwung. Besonders der erwartete Showdown zwischen Weidel und Maas bliebt aus.

Allerdings 2: Laschet hat es wirklich gesagt.

Aber man will es ja nicht aus dem Zusammenhang reißen. Laschet zitiert (Ab 18.30), was der Bundespräsident von Merkels Gnaden Steinmeier UNS (also den Politikern) ins Stammbuch geschrieben habe:

Es geht nicht darum, was euer Wählerauftrag war, sondern wie ihr dem Gemeinwohl Deutschlands dient und was Gutes hinkriegt.“

An der Stelle hat niemand interveniert. Auch nicht Alice Weidel, die immer ziemlich amüsiert guckte, wenn Laschet redete. Schon gar nicht die Moderatorendarstellerin Anne Will.

Der Wählerauftrag ist nicht so wichtig? Ist es nicht einfach nur so, dass dieses Ergebnis schwierig ist, weil niemand mehr mit Merkel regieren will, sie aber dennoch gesetzt ist. Alternativlos?. Das es im Umkehrschluss heißen muss. Ohne Merkel viele neue Optionen. Der zweite Hinderungsgrund ist eine Partei, die eben nicht für weiter so steht und mit der man einfach nicht reden geschweige denn koalieren möchte.

Warum ist eine Koalition zwischen CDU, FDP und AfD nicht möglich? Das ist doch immerhin eine Frage, die man stellen könnte?

Schon in seinem Eingangsstatement hatte ja Laschet Wähler-Bashing betrieben, indem er diesem vorwarf, er habe das komplizierteste Wahlergebnis hinterlassen.

Was ist an dem Wahlergebnis so kompliziert? Das es ein „Weiter so“ erschwert?

Wäre die Anne Will Show eine journalistische Sendung, hätte es also spannend werden können. So plätscherte es dahin.

Wenn Armin Laschet redet… Alice Weidel nimmt es mit Humor. (Screenshot ARD Mediathek, Link im Text)

Einige wenige Highlights:

Heiko Maas kritisiert die eigene Partei. Darf man wegen der ungewohnten Offenheit hoffen, dass es wohl nicht für ein Ministeramt reicht? Ansonsten gab er den Optimisten. „Wartet doch mal ab.“ Bemerkenswert sein Verständnis von der Bedeutung von Koalitionsverhandlungen, als er darauf hinweist, dass: „die Gesetze der letzten Groko nie in einem Koalitionspapier standen.“ Auch sein NetzDG natürlich nicht. Ist uns auch schon aufgefallen. Aber, guter Hinweis, hätte man auch mal nachhaken können.

Robert Habeck hat nen guten Spruch dabei, die Groko sein ausgelatschtes Paar Schuhe mit neuen Schnürsenkel. Wo er die neuen Schnürsenkel gesehen hat, fragt ihn keiner. Sicher kommt er nach Cem und KGE wie eine Lichtgestalt rüber, inhaltlich graust es mir, wenn ich sehe, wie mit Kinderaugen realitätsferne Propaganda für den unbegrenzten Nachzug gemacht wird, weil alle auf der Welt „theoretisch unter unserer Verantwortung steht.“ Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Keiner in der Runde, sonst doch eigentlich alle mit dem Nazi-Geigerzähler ausgestattet, merkt wie Nazi sich das anhört. Die illegale Grenzöffnung: „Tolle Zeit. Toller Humanismus.

Alice Weidel kam wenig zu Wort und wird ja gerne zu irgendwelchen Randthemen wie sachgrundlose Arbeitsplatzbefristung befragt. So war klar, als Weidel die Demonstranten Cottbus grüßte, Anne mal gleich wieder klarstellen musste, das sie sicher nur eine Seite der Demonstranten grüße. Da würde ich mir doch mal einen Antwort wie: „Liebe Frau Will, wieso soll ich die Vielfaltpinsel, unsere selbsternannten demokratischen Parteien, wie immer zahlenmäßig aufgestockt durch die staatlich alimentierten Berufsdemonstranten von der Antifa grüßen, die mir ohne zu zögern mein Auto anzünden würden, wenn nicht Schlimmeres antun würden.“

Und dann war da ja noch das Volk. Die Journalistin von der Wirtschaftswoche Elisabeth Niejahr, die man übrigens super zu dem Interview mit Malcom Schauf, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte „Merkel ist Deutschlands größtes Problem“ im eigenen Blatt (Jouwatch berichtete) hätte befragen können, erwartet immerhin von der Regierung Grenzkontrollen, Kriminalität zu verfolgen. Doch dann offenbart sie diesen typisch journalistischen Ansatz, Lösungen zu finden, denn sie sieht das Hauptproblem daran, dass die „Flüchtlinge“ in den Arbeitsmarkt sollen. Wie das gehen soll, wo bei Vielen Qualifikation und Interesse fehlen, dass überlässt sie allerdings lieber Anderen?

In der Sendung stichelte Anne Will auf ihre typisch wurstige Art gegen Laschet „man könne ja auch so etwas wie eine Idee haben.“

Die Idee ist doch da. Deutschland soll umgebaut und als Nationalstaat abgeschafft werden. Die Bevölkerungsstruktur soll unwiederbringlich verändert werden. Nur redet man über solche „Verschwörungstheorien“ nicht.

Frei nach Laschet: Es geht nicht darum, was die Wähler wollen.

PS.: Kurze Presseschau: Wer vorher schon gegen die AfD war, bleibt es auch und macht sich im Wesentlichen über die paar Äußerungen von Weidel her. Spiegel, BILD, Kölner Stadtanzeiger,…

Gerne gelesen, weil gut schrieben und klarsichtig wie immer. Stefan Paetow auf Tichys Einblick:

Welch‘ ein Bild des inhaltlichen Jammers der CDU bietet doch Armin Laschet. Der behauptet tatsächlich, dass die Grenzen kontrolliert und die Kriminalität von Zuwanderern ausreichend bekämpft würden. Und, ja, er sagte tatsächlich: „Griechenland und Italien waren mit dem Flüchtlingsansturm überfordert. Das haben wir gelöst.“ Als habe ein Humorist seine Texte geschrieben, öscherte der Aachener, man wolle „für die Familien, für die Bildung, fürs Digitale was tun, für viele hunderttausend Menschen“. Das klingt wie bei Loriots „Vorstandssitzung“, nur nicht so schön vorgetragen: „Wir sind uns wohl darüber einig, dass wir mit den Begriffen Frau, Umwelt und Karneval drei ganz heiße Eisen angefasst haben!“ Da muss der Unions-Wähler nur die Begriffe „Umwelt“, „Karneval“ und „Frau“ durch Flüchtlinge, Bildung und Digitalisierung austauschen. Wer wählt so was?

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