Jene, die noch an die Heiligkeit Europas glauben

Symbolfoto: Durch yiannisscheidt/Shutterstock
Symbolfoto: Durch yiannisscheidt/Shutterstock

Wer seine Bequemlichkeit für die anderer aufgibt, verliert die seinige, ohne dass man ihm dafür dankt – Machiavelli 

Als Angela Merkel die Grenzen für die Welt öffnete und rief «es gibt keine Obergrenze», kann man diesen Moment als offizielle Deklaration des Endes des deutschen Staates ansehen, der mit dem Aufgeben der Grenzen, die staatliche Verfasstheit erst begründen, aufgehört hat als koheränte Einheit zu existieren.  Die Idee des Schengen-Raums in der EU basiert auf der Prämisse, dass die Außengrenzen gut geschützt sind. Und ohne diese Voraussetzung bedeutet die Aufgabe der nationalen Grenzen auch die Auflösung eines deutschen Staates, der lediglich zum Verwaltungsbezirk in Europa degradiert wird. Dabei ist dies nicht meine Einschätzung, sondern die von dem liberal-konservativen Briten Douglas Murray, welcher die Auflösungserscheinungen Westeuropas in seinem Buch «The Strange Death of Europe» gut zusammengefasst hat.

Von Young German

Der bei jungen Menschen und universitären Zirkeln beliebte «No Border, No Nations-Aktivismus» befeuert diese Abwicklung durch Unterstützung von Schleppertätigkeiten und moralische Zersetzung der Gesellschaften Westeuropas. In Brüssel, Straßburg, London, Berlin und Paris glaubt man mittlerweile aber auch ohne den infantilen Aktivismus der No-Border Generation, die bald die «No-Future» Generation sein könnte, an einen weltumspannenden Globalismus, in dem die EU lediglich die nördliche Zentrale eines erdumspannenden Netzwerkes der Verwaltungsbezirke einnehmen wird. Man ist der Ansicht, dass die Zivilisation Europas eine nicht erhaltenswertende ist, weil sie eine europäische ist. Daher ist die logische Konsequenz bei einigen Funktionseliten an den Schalthebeln der Macht, die die Welt als Einheit begreifen und keinerlei individuelle Verantwortung für die Menschen verspüren, die schon «länger hier leben». Die eigenen Völker müssen hinten anstehen, weil das Weltgewissen zunächst beruhigt und die Bedürfnisse der Fremden zuerst gestillt werden müssen.

Die Verantwortungsethik dieser Funktionseliten in unseren Regierung gewichtet das Wohl der anderen Gruppe höher als das Wohl der eigenen Gruppe.  «Aber wer seine Bequemlichkeit für die anderer aufgibt, verliert die seinige, ohne dass man ihm dafür dankt.» Das sagte schon Machiavelli und prophezeit uns in Europa, dass es für die Aufnahme von ca. 2 Millionen Menschen, die täglich mehr werden, kein «Dankeschön» von der Weltgemeinschaft in der Zukunft geben wird. Bei einer zu erwartenden Populationsexplosion in Afrika bis zum Jahr 2050 und einer ähnlichen Entwicklung in Kleinasien, bedeutet die Aufnahme von 2-3 Millionen Menschen seit 2015 gar nichts. Am Leid der Welt ist nichts geändert worden, wenn in Afrika 3 Milliarden und in Kleinasien eine ähnliche Anzahl benachteiligter Menschen hungrig auf ein besseres Leben warten.

An den Küsten Nordafrikas sammeln sich die Verlorenen eines ganzen Kontinents und hoffen auf die Überfahrt nach Europa, welches jetzt schon droht an der aufgeladenen Überlast zu ertrinken. Was wir unseren Kindern und Kindeskindern mit dieser Politik antun, ist in den erfassbaren Dimensionen der Schrecklichkeit noch gar nicht abzusehen. Die Anlandung von weiteren Millionen in den nächsten vier Jahren an den Küsten eines an Jugendarbeitslosigkeit und Armut leidenden Südeuropas, stellt die langfristige Tragbarkeit einer solchen Politik grundsätzlich in Frage. Es ist eine Existenzfrage für Westeuropa, die von den Visegrad-Nationen identifiziert und bekämpft wird, während man in Deutschland überhaupt nicht begreifen will, worum es eigentlich geht.

Die EU hat sich zweifach oder sogar dreifach gespalten

Im Süden Europas hat man begonnen, den Erhalt der Union mit der Bejahung einer Schuldenunion zu verknüpfen. Anders lässt es sich nicht formulieren, wenn jährlich Milliarden von Steuergeldern zur Sanierung griechischer Banken im ESM( European Stability Mechanism) verbrannt werden. Die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland beträgt derweil 40,8% und in Spanien 36,8%. Italien folgt mit 32% und auch Frankreich,  Zypern und andere Länder folgen mit über 20%, während die Staatsverschuldungen weiter zunehmen.

Die Europäische Union ist wirtschaftlich in eine noch gut floriende Zone und eine absackende Zone aufgespalten. Man könnte auch von einem Nord-Süd-Gefälle sprechen, welches wie bestellt und nicht abgeholt mitten vor unseren Augen steht.

Eine zweite Spaltung zeichnet sich politisch ab, wenn wir unseren Blick von Westen nach Osten richten, wo sich auf der einen Seite in Brüssel elitäre Zirkel aus Medien und Politik darauf verständigt haben die Transformation Europas in eine Staatenunion nach Vorbild der USA einzuleiten, die jedoch ohne dass es den Herrschaften auffällt, an ihrem wichtigsten Pfeiler schwach aufgestellt ist: nämlich den Kriterien für die Zuwanderung. Statt nur gut qualifizierte Menschen in Maßen aufzunehmen, um den Integrationsprozess durch gedrosseltes Tempo und kompatible Menschen nicht zu überfordern, wird das gesamte Asylsystem als verdeckte Einwanderungspolitik aufgezogen, um eine billige Kopie Nordamerikas zu errichten, die sich selbst mit ökonomisch nicht vorteilhaften Migranten aus den Entwicklungsländern flutet. Die Osteuropäer formieren sich angesichts dieses Wahnsinns um die Visegrad-Gruppe herum und streben eine diametrale Politik zu Brüssel an, welche dafür sorgen soll, dass ihre Nationen diesen Umwandlungsprozess als zusammenhängende und kulturell sowie ethnisch wiedererkennbare Einheiten überleben.

Die dritte Spaltung Europas ist der zweiten Spaltung ihre Grundlage. Denn im Osten und Südosten ist man nicht der Geschichtsvergessenheit und Existenzmüdigkeit der Westeuropäer erlegen, wurde nicht vollständig vom Relativismus und der hypermoralischen Selbstverleugnung infiziert. Statt alle Seile zu kappen und im Abfluss eines multikulturellen Völkermosaiks zu verschwinden, wollen die Visegrad-Nationen wieder an das alte Europa anknüpfen, welches Figuren wie Platon, Sokratres, Heraklit und Thomas von Aquin hervorgebracht hat. Es lebt wieder ein Mythos von Erneuerung und Größe in den Menschen östlich unseres eigenen Landes, wo man sich auf den Geist von Antike, Christentum und Aufklärung besinnt, welcher diesen Kontinent erst großartig gemacht hat.

Die polnischen , slowakischen, tscheschischen,  ungarischen und die anderen sich um diese Regierungen konzentrierenden Staaten haben eine völlig andere Rhetorik, wenn es um Europa geht. Man spricht in Brüssel von Umverteilung, von Quoten, Platz, Integrationsmaßnahmen und Policies und bestätigt damit die weltfremde Verfasstheit in den eigenen Reihen. Brüssels Anhänger begreifen sich lediglich als Verwalter einer schwierigen Situation, die mit ordentlichem «Policy-Making» schon irgendwie geschaukelt werden kann. Man schaut mit Ekel und Verachtung nach Osten, weil die Visegrad-Länder den von Deutschland für Europa gewählten Kurs nicht mitmachen wollen. «Ihr wolltet die Migranten – nicht wir!» oder «unsere Verantwortung gilt unseren Völkern. Hören wir auf das Volk! Seien wir entschlossen und verteidigen wir Europa. Lassen wir nicht zu, dass die Linken Europa zerstören und völlig umkrempeln! Und lassen wir nicht zu, dass sie die Seele Europas herausreißen!»

Osteuropa redet vom Überleben einer europäisch-abendländischen Zivilisation, während Brüssel über für und wieder einer Beschlussfassung zur Regulierung von Gurken und Umverteilungsquoten debattiert. In Brüssel ist man der Meinung, dass die EU mit Europa gleichzusetzen sei und es kein Europa ohne EU geben kann. Diejenigen, die ein Europa ohne EU kannten und die historisch-kulturellen Wurzeln ihres Erbes noch nicht haben verkümmern lassen, halten diese Sicht für eine Anmaßung. Europas Zivilisation existiert seit über 2000 Jahren. Die EU erst seit wenigen Jahrzehnten.

„Die Osteuropäer haben immer noch das tragische Lebensgefühl, ein Bewusstsein für die Tragik des Lebens und dafür, dass Dinge die uns im Westen so selbstverständlich scheinen , auch verloren gehen können. Wir im Westen sind dem Irrglauben verfallen, dass wir in dieses große Glück hineingeboren sind, das einfach nur existiert und für immer da sein wird.
Im Osten ist da man viel vorsichtiger mit den Gütern der Nation.“ – Douglas Murray, The Strange Death of Europe 

Die Visegrad-Länder glauben noch an die Idee der Nationen

Polen, welches wie alle Länder unter dem eisernen Vorhang seine nationale Unabhängigkeit erst vor knapp 30 Jahren erkämpfen musste, ist nicht bereit, diese neu gefundene Souveränität und Freiheit wieder an eine zunehmend autokratisch regierende EU-Verwaltung in Brüssel  abzugeben.

Post-Nationalismus ist die tragende Ideologie in Westeuropa geworden, vor allem in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und den Beneluxländern, welche den Kern der alten EU bilden und einen transnationalen Euroraum als Utopie herbeisehnen, der die alten Staaten Europas ersetzen und in eine riesige Staatenunion transformieren soll. Dieser Ansatz als tragendes Konzept für ein gemeinsames Europa wird von den Ländern, die sich um Österreich und Ungarn formieren, jetzt abgelehnt.

Das Verständnis dafür, dass uns noch einige Ideen unserer Nationen heilig sein sollten, ist den Westeuropäern im Zuge ihrer Postmodernisierung verloren gegangen. Alles ist relativ, wertlos, neutral – selbst die eigene Kultur und Geschichte ein rational bewertbares Abfallprodukt der Zeit. In einer Hinsicht wirkte der Kommunismus für Osteuropa sogar positiv, weil er sie vor den Auswüchsen der post-nationalen Globalismus beschützte und das geistesgeschichtliche Grundkonzept Europas konservierte. Nach 89 ging es für die osteuropäischen Völker um die Rückerlangung nationaler Staaten und Unabhängigkeit von einem supranationalen Unterdrückungsapparat. Dieses Aufbegehren für die Freiheit hat die Demokratie und den Souveränitätsgedanken in den Ländern unter dem Sowjetstern vor der Demontage ihrer eigenen Zivilisation beschützt, die hier in Westeuropa nun Früchte trägt.

Nach Osteuropa wird man im nächsten Jahrhundert reisen, um zu erleben, wie das alte Europa mal war, welches den Geist griechischer Antike, heidnsiche Bräuche und katalysiertes Christentum in einer mehr als 2000 Jahre währenden Zivilisation kumulieren konnte. Europa war und ist der Kontinent mit der großartigsten und freiheitlichsten Zivilisation auf Erden, die trotz den Katastrophen der Weltkriege die Feinsinnigkeiten des Lebens in Philosophie und Wissenschaft erforschte, den Erdball für die Menschheit erkundete und bahnbrechende Erfindungen und Errungenschaften in allen Bereichen der Kunst, Lehre und Politik machte. Die Völker Europas und Nordamerikas sind die Träger einer großartigen Kultur, die überall auf der Welt kopiert wurde, weil man sie für überlegen erachtete und in die Millionen Menschen jährlich einwandern wollen, eben weil sie überlegen ist und die schmackhafteren Früchte der Zivilisation  hervorgebracht hat. Nur politische Analpabeten und Narren behaupten das Gegenteil oder versuchen die westliche Zivilisation durch Verfälschung der Fakten bzw. Überhöhung einzelner Probleme durch den Dreck zu ziehen. Selten wird Westeuropa mit Ländern wie Nigeria, Tschad oder Pakistan verglichen, wenn es um vermeintliche Diskriminierungen innerhalb der Gesellschaft oder vergangene Gräultaten geht.

Der Narrativ vom «bösen Europa», in welchem die Schandtaten einiger Weniger über die Jahrtausende des Kontinents in einen historisch angeblich leeren Raum gestellt und isoliert werden, ist eine Lüge und dient nur dem Ziel, die westlichen Nationen im Selbstzweifel zu ertränken und im einem Ozean aus Selbsthass aufzulösen.

Unsere Generationen im Westen sind subtil in den Irrungen  aufgewachsen, dass unsere Herkunft, Vergangenheit und Kultur verachtenswert, ekelhaft und böse ist. Sie sind zum Selbsthass erzogen worden, oft ohne sich dieser Tatsache bewusst zu sein. Und damit wird dann auch die Linie der Generationen gebrochen und die Idee vernichtet, welche besagt, dass der Mensch als Individuum zwischen Vergangenheit und Zukunft steht. Ich, der Einzelne, habe Verantwortung für meine Nachfahren und hinterlasse ihnen ein wiedererkennbares und besseres Erbe, als ich von meinen Eltern bekommen habe. Im gleichen Sinne bin ich verantwortlich gegenüber meinen Vorfahren, die im Schweiße ihres Angesichts gearbeitet haben, damit künftige Generationen einmal besser leben können. Dieser unsichtbare Generationenvertrag wurde in Westeuropa aufgekündigt und niedergerissen, während er in weiten Teilen der Welt noch eine Selbstverständlichkeit ist.

Diese simple Wahrheit, dass wir eben nicht nur Individiuen im leeren Raum sind, liegt dem osteuropäischen Widerstand zu Grunde. Meine Ur-Großmutter väterlichseits brachte die eigenen Kinder unter schwersten Bedingungen im Nachkriegsdeutschland durch Wirtschaftskrise und DDR-Diktatur. Immer zurückstellend, immer im Gedanken daran, dass sie meiner Großmutter und meinem Vater eine schönere Zukunft im eigenen Land ermöglichen will. Im gleichen Gedanken gingen mütterlicherseits meine anderen Großeltern während eines Krieges betteln und nahmen niedere Feldarbeit an, die sie unter kriegsbedingungen und höchster Gefahr verrichteten. Sie aßen weniger als die eigenen Kinder, gaben ihr ganzes Geld nur für die Familie aus und lebten das Leben so, dass sie sich nicht vor ihren Ahnen schämen mussten und nicht gegenüber ihren Kindern versagten.

Die 1683 ritten die polnischen Hussaren und deutschen Kämpfer zur Entsatzung der Wiener Verteidiger nicht nur um ihretwillen, sondern um ihrer Kinder und Kindeskinder willen in die Schlacht um Wien. 732 starben die Kämpfer von Karl Martell nicht für ihren eigenen Ruhm, sondern in der Hoffnung ihren Familien mit ihrem Lebenseinsatz eine Zukunft in Freiheit in einer eigenen Heimat zu erkaufen. Warum kann ich das sagen? Weil ich genauso aus den gleichen Idealen handeln würde. Weil kein Soldat klaren Kopfes zur Schlacht getrieben werden kann, ohne dass man ihm glaubhaft macht, dass Heim und Herd bedroht sind.

Familie, Gemeinde, Volk, Staat. Diese Einheiten stehen in einer Beziehung, die wenn einmal aufgelöst, nicht leicht wieder repariert werden kann.

Der  Pakt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, bist DU selbst. Du selbst bist verantwortlich dafür, dass es deiner Familie, deinen Kindern, deinem Dorf, deiner Stadt und deinem Land in der Zukunft besser gehen soll als dir.  Und das von den Vorfahren dir vermachte Erbe ist mit Ehre und Respekt zu behandeln, weil es im Schweiße ihres Angesichtes erwirtschaftet  und nicht selten mit Blut erkauft wurde.

Daher verwirklicht sich die Heiligkeit Europas in seiner kleinsten Einheit letztendlich auch in einem selbst.

Europa ist heilig.

 

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