Die bösen Deutschen, immer noch und immer wieder

Foto: Durch GiorgioMagini/Shutterstock
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«Deutschland, Holocaust.» Die erste Assoziation, die der Migrant aus Afghanistan für mich hervorbringen konnte. Wir rauchten kurz eine Zigarette zusammen und tauschten auf Englisch und Deutsch kurz Nettigkeiten aus, ehe ich mich wieder ins Café setzte. Mit seiner abgewetzten Lederjacke und der Sonnenbrille sah der Mann nicht viel anders aus als die meisten anderen Jugendlichen in seinem Alter. Aziz wartet seit drei Monaten auf einen positiven Asylbescheid und hat seither eine einzige Maßnahme besucht: einen Deutschkurs.

Von Young German

Ich bin überzeugt davon, dass Aziz nur ein Glücksritter ist, der hier ein besseres Leben sucht, weil diese Regierung ihm diese Möglichkeit scheinbar eröffnet. Asylberechtigt wird er wohl nicht sein, und doch erinnert mich seine Antwort an viele Kommentare aus meinem jugendlichen Umfeld in der Schule, wo Migranten häufig ähnlich seltsam negative Ansichten über das Land hatten, in dem sie geboren oder vor teils langer Zeit eingewandert sind. Nur eine einzige Kurdin schätzte Deutschland wegen seiner liberalen Bürgerrechte, während der Rest meist das Land der Deutschen nur mit Holocaust, Judenmord, Weltkrieg und Völkermorden in Verbindungen bringen konnte.

Deutschland sei nicht das Land großer Denker, großer Männer und Frauen und großartiger Menschen, sondern nur das Dunkeldeutschland: ein hässliches Holocaust-Deutschland, das voller Rassismus, Diskriminierung und Ungleichheit sei – ohne Geschichte und ohne eine Zukunft, wenn es nicht möglichst viele fremde Menschen aufnimmt und sich so von seiner Schuld versucht reinzuwaschen. Die Migranten werden zum Lebenssinn erhoben, zur Rettung des langweiligen Bio-Deutschlands. Statt eingeladen zu werden, an dieser großen Kulturnation teilzuhaben, die Einwanderung als Privileg und nicht als Menschenrecht bewerten müsste, wird der Migrant zur heiligen Kuh erhoben. Seine Wertevorstellungen, egal wie rückständig und barbarisch, bleiben unangetastet.

Der wertlose Multikulturalismus hat keine Hierachie, beurteilt ein steinzeitliches Menschenbild eines fundamentalen Islam gleich wie die Errungenschaften der europäischen Aufklärung, die sich auch aus den christlichen Werten speist. Vielehe, Genitalverstümmelung bei Mädchen und Ehrenkonzepte der späten Bronzezeit sind in diesem Multikulturalismus genauso wertgleich wie die Homo-Ehe, die Selbstbestimmung der Frau und die Heiligkeit des Lebens. Wenn schon die einheimischen Europäer diese Meilensteine westlicher Zivilisation nicht verteidigen und erhalten wollen, warum sollen andere Völker sie übernehmen und akzeptieren?

Wenn schon nicht die Abstammung der Klebstoff der Menschen sein soll, dann doch wenigstens die Anerkennung gemeinsamer Werte und Angedenken an die großartige europäische und deutsche Geschichte. Aber selbst das wird von den Vertretern des Multikulti-Mosaiks abgelehnt, die eine völlige Zersplitterung Deutschlands herbeisehnen, in dem die Völker dieser Welt für sich isoliert auf deutschem Boden siedeln, ohne sich dieser Nation und seiner Kultur und Geschichte in irgendeiner Art und Weise auch nur entfernt verbunden zu fühlen. Stichwort: Erdogan-Wahl bei europäischen Türken.

Statt zu sagen: «Welt schau her! Schau auf dieses großartige deutsche Volk, das sich inmitten einer globalen Welt neu definiert, Rettenswertes aus der Geschichte übernimmt und gemeinsame Bande auch mit fremden Hautfarben und Kulturen knüpft; ein Land mit so viel Geisteskraft und Mut, dass es sich erlauben kann, viele Menschen in seinen geschichtlichen Narrativ einzuspannen und gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen, ohne sich dabei selber zu vergessen!»

Statt all dies zu sagen und zu leben, wird die gesamte Idee der Nation als Schicksalsgemeinschaft von Menschen eines Volkes, die in einer gewissen Weise geformt sind, der völligen Beliebigkeit preisgegeben.

Das Verständnis dafür, dass uns noch einige Ideen unserer Nationen heilig sein sollten, ist den Westeuropäern im Zuge ihrer Postmodernisierung verlorengegangen. Alles ist relativ, wertlos, neutral – selbst die eigene Kultur und Geschichte ein rational bewertbares Abfallprodukt der Zeit.

Wer sich gegenüber anderen ständig selbst verleugnet, wird erleben, dass man ihm am Ende zustimmt. Vor allem gegenüber einer sich so sehr selbst bejahenden Kultur wie der islamischen besteht keine Chance auf Durchsetzung der eigenen Wertevorstellungen, wenn man sich nicht selber liebt und kennt. Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi mahnte in seinen Ansätzen zur deutschen/europäischen Leitkultur an, dass es ohne diese grundsätzliche Bejahung des Eigenen nicht funktionieren würde, die bereits angekommenen und kommenden Massen an Migranten zu assimilieren. Deutschland habe «außer Unterbringung, Alimentierung und Sprachkursen den Neuankömmlingen» nichts anzubieten. Das erweist sich als riesiges Problem, wenn wir unsererseits mit einer Ideologie konfrontiert werden, welche die Antworten auf alle Fragen des Lebens kennen zu glaubt – denn sie stehen ja schließlich so im heiligen Buch des Propheten.

Ironischerweise studierte Tibi sogar bei Adorno, dem ideologischen Vater vieler Neu-Linker im Westen, die in jedem Versuch der Assimilation und Eingliederung in ein patriotisches Narrativ bereits Rassismus und Diskriminierung wittern. Aber man kann ja heute kaum noch glauben, was vor sechs Jahren noch Konsensmeinung in der CDU war.

Wandere aus, solange es noch geht!
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