Der Elefant von Hannover: Warum braucht man in Deutschland Pfefferspray?

Foto: Durch Dmytro Gilitukha/Shutterstock
Eigentlich nicht zu übersehen. Der Elefant im Raum (Foto: Durch Dmytro Gilitukha/Shutterstock)

Deutschland verroht. Die Menschen passen nicht mehr aufeinander auf. Deswegen muss man sich selbst schützen. Vor wem? Vor dem Elefanten im Raum den keiner sehen will. Jedenfalls nicht bei der HAZ.

Die ehemalige SPD-Ratsfrau von Isernhagen, Annette Heinze, ist im Sicherheitsgewerbe tätig, verkauft Alarmanlagen. Jetzt hat sie eine Marktlücke entdeckt. Denn nicht nur Gebäude müssen vor Angriffen geschützt werden, auch Menschen.

Schon an der Stelle springt einem die Polemik ja von selbst aus der Tastatur. Nennt man das noch „Kriegsgewinnler“?

Nun verkauft Heinze also auf Tupper-Party ähnlichen Veranstaltungen im Raum Hannover Legales für den Selbstschutz. Auf ihren „Schutzengel-Partys“ kann man sich mit Pfefferspray, Schlagstöcken, Elektroschockern und Schrill-Alarmen für die Jacken- oder Handtasche eindecken.

Da habe die Nachfrage deutlich angezogen, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ HAZ. Wie bei dem sprichwörtlichen Elefanten bleibt die Frage offen: WARUM? Wie kann das sein? Ist Deutschland gefährlicher geworden? Wenn ja woran liegt das?

Die HAZ bleibt da im „ungefährlich“ Ungefähren:

„Doch warum kaufen Menschen überhaupt Artikel zum Selbstschutz? Sind die Zeiten etwa rauer geworden? Fühlen die Leute sich unsicherer? „Heutzutage achten die Menschen nicht mehr so aufeinander. Da kann jemand um Hilfe rufen, und viele gehen achtlos vorbei“, sagt Geschäftsfrau Iskira K. (Leider kann nicht jeder gegen „Männergruppen“ antreten.) Auch Marita M. greift beherzt zu bei den Artikeln. „Ich kaufe die Sachen für meine vier Schwiegertöchter.“ Oliver Bothe erwirbt ebenfalls verschiedene Produkte: „Die sind für meinen Sohn, meine Tochter und meine Schwiegertochter. Das kann nicht schaden, wenn sie unterwegs sind.“ (Warum hätte mal interessiert, oder nicht?)

Auch die SPD-lerin und Alarmanlagenhändlerin erklärt es ohne den Elefanten:

„Über 140.000 Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung gab es im Jahr 2015 in Deutschland, über 40.000 Raubdelikte und über 7000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung“, beginnt Heinze ihre Präsentation.“

Stattdessen wird eine erstaunlich Naivität zur Schau getragen, was ich grob fahrlässig finde:

„Der Elektroschocker für Frauen in apartem Pink weckt vor allem das Interesse der Herren – ebenso wie die Alarm-Puschel in Pink und Weiß und die Handschellen.“ (Och wie lustig.)

„Viele der Anwesenden fühlen sich im Allgemeinen nicht unsicher.“ (Wenn man sich unsicher fühlt, ist es meist zu spät.)

Sie wollen sich nur in manchen Situationen schützen – auf Reisen oder abends im Dunkeln. (Im Winter ist hier lange dunkel.) „Natürlich ist mir schon mulmig, wenn ich im Dunkeln von einer Veranstaltung zu meinem Auto gehe“, sagt eine Frau (War aber schon immer so.). „Ob mir dabei ein Schlagstock hilft – da bin ich allerdings unsicher.“ (Ich nicht! Wer noch nie einen in der Hand hatte, dem wird das Teil über den eigenen Schädel gezogen. Garantiert.)

Elisabeth B. sieht es präventiv: „Wahrscheinlich ist der psychologische Effekt am wirkungsvollsten: Mit einem Alarm oder Pfefferspray in der Manteltasche geht man viel selbstbewusster durch die Gegend – und wird im Gegenzug erst gar nicht angegriffen. (Ich kannte mal eine Frau, die legte die Hand auf die Dose in der ihr Diaphragma lag, um so mental zu verhüten. Geht in die Richtung.)

Diese Leute haben alle nicht die geringste Chance, wenn sie auf den Elefanten treffen.

Der dominiert zwar nicht die Diskussion, aber den öffentlichen Raum hat er sich Ruck Zuck Untertan gemacht.

Wer dieser ominöse Elefant ist? Tut mir leid. Da habe ich leider kein Foto für Sie. Persönlichkeitsschutz. Er soll aber nur gebrochen deutsch gesprochen haben.

PS : Ein realitätsnaher Überblick. „Gewalt für Anfänger: Sei kein Opfer

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