Achtung, Achtung: Uli Hoeneß verlässt den Meinungskorridor. BILD und ZEIT passen auf

Land unter bei Uli Hoenß. Wurde mit eigener Meinung erwischt. (Foto: Screenshot BILD)

Immer enger wird der Spielraum dessen, was man sagen kann. Zu Putin allemal. Das musste jetzt Uli Hoeneß erkennen, der etwas Altbekanntes wiederholte und gleich als Putin-Versteher gebrandmarkt wird.

 Von Volker Kleinophorst

Mensch Uli warst doch lange weg. Hast du es in der Zeit in Stadelheim nicht mitgekriegt, dass dieses „Ich sag jetzt einmal, was ich denke“ im besten Deutschland aller Zeiten längst der Vergangenheit angehört.

Zu jeder Frage gibt es eine „öffentliche Meinung“, die mit der „veröffentlichen Meinung“ übereinstimmen muss. Nein, die wird nicht jeden Morgen vom Kanzleramt rausgegeben. Man muss schon selber wissen, was man zu denken hat.

Basiswissen: Putin ist Lord Voldemord, oder war es Trump?

Was hat nun Hoeneß gesagt, das Bild so „irritiert“ ist, das sogar zwei Artikel „Hoeneß hat Verständnis für Putins Krim-Invasion“ und „Hoeneß redet sich um Krim und Kragen“ (Leute, diese BILD-Witzchen sind mittlerweile so „old school“) nötig sind, die letzten BILD-Leser auf den gerechten Freiheitskampf in der Ukraine, die bösen Russen und wichtigen Sanktionen einzuschwören. Hoeneß:

„Ich bin nicht der Meinung, dass nur die Russen schuld waren, dass diese Krim-Geschichte passiert ist.“

„Wenn die Nato immer näher kommt und an die russische Mittelmeerflotte heranrückt, dann möchte ich mal hören, wie Sie reagieren.“

 „Die Deutschen machen einen Riesenfehler, dass wir die Russen permanent attackieren.“

„Es wäre viel besser, wenn wir kooperieren würden.“

 Das sind jetzt nicht unbedingt Neuigkeiten. Die letzten beiden Aussagen laufen unter „gesunder Menschenverstand“. Dass sich die Nato nicht nach Osten ausdehnt, diese Abmachung, damit die Sowjets der deutschen Einigung zustimmten, war bereits vielfach gebrochen worden. Man ist den Russen auf die Pelle gerückt. Mit dem „Regime-Change“ in der Ukraine wollte man Russland nun endgültig in die Zange nehmen und auf der Krim Nato-Raketen installieren. Für die Freiheit. Is klar.

Doch Putin ist eben kein eierloser Politiker, wie wir sie hier haben, die noch klatschen, wenn das Land vor die Hunde geht. Diesen durchsichtigen „Schachzug“ hat er deshalb verhindert, übrigens ähnlich den Amerikanern, die ja nun Stichwort „Kuba Krise“ niemals direkt vor ihrer Haustüre Raketen von Putin akzeptieren würden.

Da macht BILD schon mal gleich klar. So was geht gar nicht:

Die Krim Invasion hat weltweit für Entsetzen gesorgt. (Auf der Krim nicht. Die wollte mit überwiegender Mehrheit zu Russland.)

Auch die Wirtschaftssanktionen, die allein Deutschland schaden, müssen noch einmal verteidigt werden. Schließlich habe Putin das Völkerrecht gebrochen.

Putin scheint einer der Wenigen zu sein, wo BILD „Rechtsbrüche“ gerne ahnden möchte. Rechtsbrüche im eigenen Land und von der sogenannten „Regierung“ sind BILD da nicht so wichtig.

Heute geht es aber nicht einfach mehr an, jemandem die Grenzen der Meinungsfreiheit aufzuzeigen, man muss ihn noch als Blödmann hinstellen.

Diese ehrenvolle Aufgabe wird von der laut ihrem Twitter Account: „Redakteurin der ZEIT. Meistens in Moskau, oft in der Ukraine“ Alice Bota übernommen, die leider selber auch nicht den tiefen Teller erfunden hat:

Bild: Screenshot Twitter Alice Bota

„Die russische Mittelmeerflotte“, an die die Nato heranrückt, meint Hoeneß. Weißt Bescheid. Schwarzmeer oder Mittelmeer, Hauptsache Italien. Und ab morgen erkläre ich dann Abseits und die beste Abwehrstrategie bei der WM.“

Ich antworte mal im Bota-Stil:

Schwarzes Meer und Mittelmeer sind miteinander verbunden. Nennt man Bosporus. Weißt Bescheid. Die Mittelmeer und Schwarzmeerflotte der Russen war und ist in Sewastopol stationiert, das auf der Krim liegt. Ab morgen erkläre ich dann Recherche und wie man mit Hilfe google einfache Erdkundefragen klärt.

Einen hatte Ulli Hoeneß noch in petto, da habe ich herzlich gelacht:

„Ein Land wie Russland können Sie nicht so führen wie die Demokratie in Deutschland.“

Deutschland? Demokratie? Warst wirklich lange weg Uli.

Die Aussagen von Hoeneß, die BILD und ZEIT so erregen, sind aus einem Gespräch, das Uli Hoeneß mit dem Chefredakteur der „Rheinischen Post“ anlässlich des Düsseldorfer Ständehaus-Treffs geführt hat. In deren Bericht kommt Putin unter ferner liefen. Man hat gleich das eigentlich Wichtige nach vorne gezogen:

Unsere Spieler lieben Heynckes und es gibt keinen Plan B.“

 Genau wie in der deutschen Politik und bei BILD und ZEIT zu Putin.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.