Christen in Zentralafrikanischer Republik: „Die Muslime schlachten uns wie Tiere“

Foto:Durch sandis sveicers/shutterstock
Abgezogen: UN-Blauhelm-Soldaten (Foto:Durch sandis sveicers/shutterstock)

Yazinon Florence schüttet ein wenig Wasser in einen der beiden Töpfe mit Reis. Diese zwei Töpfe Reis werden das einzige sein, was sie und ihr Enkel an diesem Tag zu essen haben.„Leben kann man das nicht nennen, wir überleben nur“, erzählt Yazinon. „Wir beten zu Gott, dass der Krieg bald endet und wir zurück nach Hause können.“

von Marilla Slominski

Vor fünf Jahren stürzten das muslimische „Rebellen“-Bündnis Séléka den damaligen Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik François Bozizé.

„Ich hörte die Explosionen und Raketenwerfer. Dann sah ich, wie muslimische Frauen Christinnen und ihre Babies mit scharfen Messern abschlachteten wie Tiere. Sie ermordeten eine Schwangere direkt vor meinen Augen“, erzählt Yazinon einem Reporter der Washington Times.

Yazinon Florence floh während der Kämpfe mit anderen Christen in ein Camp in der Nähe des Internationalen Flughafens der Hauptstadt Bangui. Dort hofften sie auf Schutz durch die Soldaten der französischen Friedenstruppen.

Doch das Gefühl der Sicherheit ist verschwunden, seit die französischen Friedenstruppen Ende 2016 abgezogen sind und ihre Aufgaben der 13.700 Mann starken UN-„Stabilisierungs“-Mission, bekannt unter dem Namen  MINUSCA, überlassen haben.

„Wir wurden hier in dieser Umgebung völlig im Stich gelassen ohne jeden Schutz und sind den ständigen Attacken der Muslime wehrlos ausgesetzt“, klagt Kongbe Simone, 54, ein weiterer Vertriebener, der in der Nähe des Flugplatzes lebt. Er verlor vor ein paar Jahren bei einem Angriff der muslimischen Streitkräfte 3 seiner 10 Kinder und wurde dabei dauerhaft verletzt. „Wir haben Angst. Ich kann nicht laufen. Im Fall eines Angriffs findet mich der Tod auf der Stelle“, fürchtet sich der 54-Jährige.

Nach dem Abzug der Blauhelme sind die Christen ohne Schutz

Nach sexuellen Missbrauchsvorwürfen waren die französischen Friedenstruppen und die kongolesischen UN-Blauhelmsoldaten 2017 abgezogen worden. Nun heizt sich der Konflikt zwischen der christlichen Mehrheit und der muslimischen „Rebellen“-Milizen wieder auf. Die bewaffneten Muslime sollen Straßensperren errichtet haben. Es wird berichtet von Gewalt, Plünderungen Entführungen und Menschenrechtsverletzungen. Nach UN-Angaben sind seit 2013 rund 900.000 Menschen auf der Flucht, 2,2 Millionen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Seit Beginn des Jahres sollen weitere 5000 Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, in den Tschad geflohen sein.

Nach der Machtübernahme 2016 bot die amtierende Regierung von Präsident Faustin-Archange Touadera jedem Vertriebenen im Flughafenlager 91 Dollar an, um nach Hause zurückkehren oder sich eine andere Unterkunft suchen zu können.

Yazinon Florence benutzte das Geld, um ein kleines Zwei-Zimmerhaus zu mieten, in dem fünf Bewohner auf einer alten Matratze auf dem Lehmboden schlafen.

Sie und ihre Familie leben von den Lebensmitteln, die sie von Hilfsorganisationen bekommen und von etwas Maniok, den sie auf einem Stück unbebautem Land anpflanzen.

Rückkehr ins eigene Haus bedeutet für Christen oft den Tod

In ihr früheres Haus kann sie nicht zurück. Dort wohnen inzwischen Muslime, die kurzerhand die von den Christen verlassenen Häuser besetzt halten.

Christen die ihr Eigentum zurückfordern, bezahlen das nicht selten mit ihrem Leben.

Der 18-jährige Albert Kongbe erzählt von seinem Nachbarn, der wieder in sein Haus in Yambassa, einem Stadtteil von Bangui,  einziehen wollte und ermordet wurde. „Es war schon dunkel, die Angreifer zerrten ihn in eine dunkle Ecke und schossen ihm in die Brust, die Füße und den Kopf.“

Das es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, sondern gang und gäbe ist, weiß ein Mitglied der MINUSCA-Truppe, das anonym bleiben will.

Die Versuche der USA, Verbrecher vor ein Sondergerichtshof zu stellen, scheitern bisher. 70 Prozent des Landes werden von bewaffneten Gruppierungen kontrolliert. Die muslimischen Fulani-Rebellen, die mit ihrer 2000-Mann starken Truppe dutzende Dörfer im Land unter ihre Kontrolle gebracht haben, behaupten, sie würden von den christlichen Präsidenten unterdrückt und ihre Gewaltexzesse seien nichts weiter als ein Akt der „Selbstverteidigung“.

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