Zensieren – aber richtig!

Foto: Pablo del Rio Sotelo/ Shutterstock
Foto: Pablo del Rio Sotelo/ Shutterstock

Immer wieder habe ich es erlebt, daß Zensoren geschlampt haben. Nach 1968 wurde der tschechische und slowakische KP-Chef Alexander Dubček zur Strafe weil er gegen die Nutzungsregeln der Breschnjeff-Community verstoßen hatte, gesperrt und aus einem Gruppenfoto der KP-Sekretäre rausretuschiert. Nur sein einer Fuß wurde vergessen. Der war nach wie vor zu sehen. In jedem zweiten tschechischen Wohnzimmer hing das Foto und die Leute erfreuten sich an Dubčeks Schuh. Eine schöne Erinnerung an den Prager Frühling. Der tschechische Parteisekretär behielt sozusagen einen Fuß in der Politik, nach 1989 wurde er wieder aktiv.

Von Wolfgang Prabel

Tschechische Freunde haben mir damals eine Anekdote erzählt. Was sind die Geräusche einer Lokomotive? Wenn sie aufwärts fährt, schnauft sie Dub-ček, Dub-ček. Wenn sie abwärts rollt, zischt sie Hu-sák, Hu-sák. Also für die Jüngeren: Husák war sein sozialistischer Amtsnachfolger, der das Land entsprechend den damaligen Nutzungsregeln „normalisierte“.

Ähnlich wie den tschechischen Zensoren ist es jetzt der WELT ergangen. Sie hatte mich als Kommentator gesperrt.

Die Redakteure haben aber vergessen, die Funktion zu deaktivieren, wo ich Artikel als gut oder schlecht bewerten kann. Das ist wie Dubčeks Schuh. Ich kann die WELT weiter destabilisieren.

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