Kandel: Wir sind gekommen um zu bleiben – Oder die Antifa pfeift auf dem letzten Loch!

Foto: Privat
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Eindrücke von der bislang größten Demo gegen Migrantengewalt in Westdeutschland  – Am 3. März geht es weiter!

Eine solche Demo habe ich noch nie erlebt. Und ich habe viel demonstriert. Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr, und jetzt bin ich fast 65. Habe als Gründungsmitglied der Grünen Rheinland-Pfalz Holzkreuze um das Kernkraftwerk Biblis in den Acker gehauen usw. Aber gestern….  Das war Hambach 2018! Das war die Apo 2018! Ja, ihr linken Pappnasen mit den bunten Schirmen:  Die Apo marschiert wieder! Und sie ist genau so bunt und schrill wie 68. Wer Neonazis suchte, musste sie mit der Lupe suchen. Die Kandeler Apo besteht aus Frauen und Müttern, Hipstern mit langen Bärten, alten Freaks, die ihre grauen Haare zum Zopf geflochten.

Von Klaus Lelek

Man sieht Männer mit Wollmützen und Strickwesten, die auch beim Parteitag der Grünen eine gute Figur abgeben würden. Junge Leute und Greise, Frauen mit Piercing an den Lippen, biedere Herren in Flanellmänteln, Handwerker, Arbeiter, Beamte, Lehrer… Auch Gesichter, die eindeutig Migrationshintergrund widerspiegeln. Leute die noch nie in ihrem Leben auf einer Demo waren. Wie ein Ehepaar aus dem benachbarten Baden-Württemberg oder eine kanadische Mutter mit ihrer Tochter. Kandel wird Bunt!  Ihr wolltest es nicht anders. Wie sang schon Franz Josef Degenhardt: „Da habt ihr es, das Argument der Straße – Zu oft verhöhnt habt ihr die sogenannte Masse“. Und auch bei Rio Reiser von Ton Steine Scherben findet man einen schönen Text, der zur Demo in Kandel hervorragend passt: „Hundert sind nicht viel, aber Tausend sind auch kein Pappenstiel“

Weit über 2000 Demonstranten dieser neuen, und einzigen Außerparlamentarischen Opposition zogen durch die Straßen der kleinen pfälzischen Stadt. Am Marktplatz die Gegenseite: Die „Posse” von einem Bürgermeister, verschanzt hinter den bunten Schirmen seiner Leibgarde, einem jämmerlichen Häufchen von Wohlstandsdemonstranten, eingeklemmt hinter aufgefahrenen Polizeiwagen. Die Schirme haben wohl zu viel sauren Regen abgekriegt, denn ihre Farben sind verwaschen. Der Lack ist buchstäblich ab! Dazu ein jämmerliches Getröte aus irgendwelchen Kika-Pfeifen, das sich anhört wie das Röcheln eines sterbenden Tieres. Die Antifa pfeift auf dem letzten Loch.

Auf der anderen Seite tolle mitreißende Reden ohne den grüntypischen Betroffenheitsjammerton, kraftvoll und energisch vorgetragen von Frauen, die mitten im Leben stehen, Mütter und sogar Großmütter sind. Da wird Goethe zitiert und Schiller, und das Markusevangelium von den verlogenen Pharisäern, die sich an fremden Tischen sattfressen. Frauen kamen zu Wort, die sich Sorgen machen um unser Land, und um die Sicherheit ihrer Kinder. Die minuziös schildern, wie dramatisch sich Deutschland und die Sicherheitslage für Frauen verändert hat, und das Pfefferspray heute schon zur Standartausrüstung jeder Handtasche zählt. Eine Mutter erzählt ihre eigene schmerzvolle Erfahrung, als sie ihrem Kind zur Hilfe eilte und von einem Migrantenmacho fast zu Tode geprügelt wurde. Eine von tausenden “Einzelfällen”.

Viel Beifall erhielt auch die Rede von Vera Lengsfeld, die persönlich leider nicht anwesend war. Eine andere Rednerin geißelt die doppelte Moral, einerseits 100 Jahre Frauenrechte zu feiern und im gleichen Atemzug ein muslimisches Mittelalter zu importieren, archaische Gesellschaften zu installieren, die das Leben von Frauen als Minderwertig betrachten. Mit den Worten „Ich bin froh unter echten Demokraten zu sein“ betrat Imad Karim, deutsch libanesischer Autor und Regisseur die Rednertribüne. Ein feinsinniger, sensibler, hochgebildeter Intellektueller, der wie auch die anderen Redner überhaupt nicht ins Nazimuster der Lügenpresse passt. Seine Worte können deutlicher nicht sein. „Schützt euer Land vor dem religiösen Faschismus!“ Mit großer Empathie schildert er die Angst echter Flüchtlinge, echter Verfolgte, die sich vor den falschen Flüchtlingen fürchten, weil sie in Wahrheit Verfolger sind. Und dann kamen Sätze, die mir die Tränen in die Augen treiben: „früher hätte Mia sicher da hinten bei den Schirmen gestanden. Heute würde sie hier bei uns stehen“…

Große Worte mit philosophischer Tiefe, auf der einen, leeres, stupides Gepfeife auf der anderen Seite. Als Karim zu reden anfing, war die inhaltlose Geräuschkulisse verstummt. Bürgermeister Poss Posaunen haben die Mauern der Vernunft und Menschlichkeit nicht zum Einstürzen gebracht. Die Kandeler Kerzen brennen weiter. Werden zum Flächenbrand werden. Denn die nächsten Feuer werden in Bottrop und Berlin entfacht. Kandel ist überall. Kein Mord wird vergessen. Und so rollte die neue echte Apo zum Andenken an Mia ein langes Transparent aus mit dem Slogan: „Wir fordern einen Mia-Valentin Platz! Das ist gelebte Demokratie, gelebter Protest mit Herz und Verstand, kreativ und professionell organisiert unter Federführung von Marco Kurz mit einem tollen Team engagierter Frauen, die am 28. Januar in Kandel Demonstrationsgeschichte geschrieben haben.

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