Michael Klonovsky: Angela die Huldreiche und ihre neue Perle auf der Gebetskette ihrer Weltinnenpolitik

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Angela Merkel und "ihr" Europa (Foto: Collage)

Wenn dereinst im Dietz-Verlag Berlin die „Gesammelten Reden und Aufsätze“ unserer geliebten Angela Merkel erscheinen, deren Anzahl hoffentlich bereits gen Vollständigkeit strebt, dann wird auch die „große Europa-Rede“ (Die Welt), die unsere Fremdenführerin und Weltkanzlerin in Davos gehalten hat, auf fair gehandeltem Papier und keineswegs in Schweinsleder gebunden verewigt, damit auch der fromme Neubürger sich meditierend in diese Glaubensartikel versenken kann. Was eine „große Rede“ sein mag, ist nach zwölf Jahren Merkel nicht so leicht zu beschreiben, aber wir können gewiss einem Blatt vertrauen, das wie nur wenige Dutzend andere für großen Journalismus steht.

Von Michael Klonovsky

Rhetorisch hat Angela die Huldreiche eine neue Perle auf die Gebetskette ihrer Weltinnenpolitik gereiht. Deutschland ist nicht mehr nur das Land, in dem die einen länger und die anderen noch nicht so lange leben, es ist „das Land aus dem ich komme, in dem ich Bundeskanzlerin bin“. Man war ja in Davos. Eine zweite Perle glitzert sanft nun neben jener, Frau Merkel sprach endlich, endlich von „unseren Menschen“, wie die selige Margot Honecker es tat, deren letzte Rede ich als Korrektor beim Ostberliner Morgen mit einer ähnlichen Mischung aus Entzücken und Endlichkeitsgewissheit lesen durfte, wie ich nun einmal mehr jener Kanzlerin lauschte, die meine Sprache veredelt, meine Kultur adelt, mein ästhetisches Empfinden in jeder Hinsicht hebt und die im Podiumsgespräch im Nachgang an ihre übergroße Rede u.a. mich als staatliches Bearbeitungsobjekt markiert hat mit der Formulierung, der Rechtspopulismus sei „ein Gift“, gegen das man vorgehen müsse und das aus ungelösten Problemen entstehe. Wer die Probleme geschaffen haben mag, diese Frage stellte ihr die moderierende Altherrensprechpuppe mit der sonoren Stimme nicht.

Die beiden am häufigsten in der überaus großen Rede auftauchenden Termini lauteten: multilateral und disruptiv. Mit Letzterem meinte die Gebenedeite unter den Politikweibern keineswegs die disruptive Umwandlung deutscher Stadtviertel in orientalische binnen weniger Jahre, sondern selbstverständlich Technologien. Die Digitalisierung etwa – wobei sie eingestand, dass das Land, wo sie herkommt und Kanzlerin ist, in vielen Belangen hinter der Entwicklung hertaumelt und -talpt („Heia! hei! Wie taumeln die Tölpel dahin! Durch das Tal talpen sie schon“, Loge, „Rheingold“). Da fragte sich der eine oder andere Hörer am Volksempfänger wahrscheinlich, wer denn die vergangenen zwölf Jahre die Deutschland AG geführt hat?

„Wir sind nicht führend in Digitalisierung“, räumt die Geschäftsführerin mutig ein. So müsse man beispielsweise „den Bürgern eine Möglichkeit geben, mit ihrem Staat in Zeiten der Digitalisierung zu kommunizieren“. Von einem iPhone 10 telefoniert es sich mit der 110 doch ganz anders! Jammerschade, dass das Teil nicht aus ’schland kommt. Aber in welcher Technologie ist denn das Land, aus dem Frau Merkel stammt und wo sie als Kanzlerin malocht, noch führend? Energieerzeugung? Die anderen Europäer betreiben nach wie vor ihre Atomkraftwerke, deren Strom sie in das einstige Land der Physiker, Chemiker und Ingenieure liefern, wenn dort kein Wind weht und keine Sonne scheint, so wie sie umgekehrt, wenn zuviel Wind weht und die Sonne lacht, gegen einen kleinen Obulus den deutschen Stromüberschuss annehmen. Das ist europäischer Geist! Die Frau, die Deutschland durch die Kataklysmen der globalisierten Disruptionenen führt, ist schließlich Physikerin!

In welchen Bereichen ist dieses Land denn überhaupt weltweit führend? Weltklimarettung? Afrikarettung? Eurorettung? Geschlechtervielfaltsrettung? Rette sich, wer kann? „Die Gefahr, dass die Welt über uns hinwegrollt, ist groß“, sprach die Kanzlerin, denn es war eine große Rede. Sie meinte damit natürlich die Digitalisierungsbestrebungen der anderen – falls schon wieder ein paar verschwiemelte Rechtspopulisten Nektar aus gewissen Sprachbildern saugen wollen –, sonst rollt hier gar nichts über uns hinweg!

„Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts.“ Das könnte Claus Kleber nicht besser formulieren! „Wir müssen schauen, dass wir ein interessanter Investitionsstandort sind.“ Was man dafür braucht, ist klar: Hohe Steuern, große Parteiapparate, viele sympathische, gebildete, aufstiegswillige, religiös tolerante Einwanderer, die ihre Viertel bunt ausschmücken, mehr Politikwissenschaftler, mehr Sozialpsychologen, mehr Gender-Expertinnen, mehr Kulturanthropologen, mehr Windräder, mehr NGOs, mehr Initiativen gegen „rechts“. Genossen, wir sind auf einem guten Weg.

„2015 ist die Globalisierung nach Deutschland in Form von Menschen und mit Flüchtlingen gekommen.“ Vorher hatte man von ihr in Deutschland nicht einmal ein Schwänzchen gesehen. Nun auf einmal „gab es die Migration, wo man (= diejenigen, die schon länger hier leben und weder zu den Nettostaatsprofiteuren noch zur Asylindustie gehören) den Eindruck hatte: Uns wird etwas weggenommen.“ Den Eindruck nur. Mit Ausnahme der denkbar wenigen, denen das Leben weggenommen wurde oder die Gesundheit oder das Gefühl, ihr Unterleib gehöre ihnen. Mit Ausnahme derjenigen, denen ihr Stadtteil weggenommen wurde und ihr Sicherheitsgefühl oder ihr Seelenfrieden auf dem Schulweg. Einigen wird auch der Wohnraum weggenommen, doch das sind Einzelfälle. Merkel hat wahrscheinlich nicht den Eindruck, dass die optimistisch geschätzten 30 Milliarden Euronen aus dem Steuersäckel, die im Jahr zur Pflege des Goldes aus den Schiffen gezahlt werden, statt in die Sanierung von Straßen, Schulen, Bädern, die digitale Forschung und ähnliche Profanitäten zu fließen, dem Bürger weggenommen werden, doch es gibt sehr zurechnungsfähige Leute, die meinen, auch die Steuergelder würden dem Bürger entwendet, bei der Höhe der deutschen Sätze ohnehin (immer die Mehrwertsteuer dazurechnen!).

Kommen wir zum Blick auf die Welt, Merkels Lieblingsperspektive. „Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen.“ Na was denn sonst! Doch wie? „Multilateral“ natürlich. Man braucht dafür viele „multilaterale Organisationen“, auch da wird der Steuerzahler einspringen müssen, außerdem „Fortschritt bei der Partnerschaft mit Afrika“ – ist mir bei meinen Champagnerbädern ganz entgangen, dass wir eine Partnerschaft mit Afrika haben, ich bin natürlich entschieden dagegen – , und wir (!) müssen (!) „die große Menschheitsherausforderung Klimaschutz“ annehmen, damit auch der zivilreligiöse Aspekt nicht ganz unters Pult fällt bei dieser wirklich sehr großen, sehr eschatologischen Rede.

„Alle diese Fragen sind national nicht zu lösen.“ Nein, aber vielleicht in Kooperation mit den anderen Nationen? Welches Gremium soll den Nationalstaat ablösen und statt seiner den Rechtsstaat und die Innere Sicherheit, die einzigen Aufgaben eines gesunden, nicht hypertrophierten Staates, garantieren? Diese vergaunerte Brüsseler EU etwa, die ihren Mitgliedern den Bräunungsgrad von Pommes frites vorschreibt, die Saugleistung ihrer Staubsauger, die Krümmung ihrer Gurken, die Wärmedauer ihrer Kaffeemaschinen? Nun, mit dieser Petitesse kann sich Angela I. in einer eminent großen Rede nicht beschäftigen.

„Europa braucht eine gemeinsame Entwicklungspolitik.“ Ist denn noch nicht genug europäisches Steuergeld in den Taschen korrupter afrikanischer Despoten verschwunden? Das einzige, was Afrika von den Europäern brauchen kann, sind Investitionen, und zwar nicht staatliche, sondern wirtschaftliche. Nur keine Politik! Was Europa seinerseits braucht, ist ein klares Signal nach Afrika: Ihr seid ein riesiger Erdteil, die Natur gibt euch alles, helft euch selbst, wir werden bei euch investieren, wir werden mit euch Handel treiben, ihr könnt als Touristen zu uns kommmen, aber demografisch können wir euch nicht helfen, was allein daran zu erkennen ist, dass die anderthalb oder zwei Millionen, die bei uns eine veritable Krise auslösen, auf eurem Erdteil in einem Monat nachgeboren werden. Für Einwanderer ziehen wir die die Zugbrücken hoch, uns wird es allmählich zu eng. Die australische Lösung also. Wer immer sie anbietet, den werde zumindest ich bis ans Ende meiner Tage wählen.

Doch unverdrossen immer weiter mit der großen Rede der Sonnen- und Klimakanzlerin. „Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt.“ Wer ist „wir“. Beate Baumann und der Tauber? Und wer glaubt das Gegenteil? Schottet sich jemand ab, der seine Haustür abschließt? Wer auf dieser Welt außer Nordkorea schottet sich tatsächlich ab? Sachsen? Die Rechtspopulisten? Will die AfD den Waren- und Nachrichtenverkehr einschränken? (Das will doch nur unser Gen. Maas, er lebe hoch! Hoch! Hoch!) Wollen die Rechtspopulisten den Tourismus limitieren? Fremdsprachen verbieten? Auf einmal will Frau Merkel selber abschotten: „Wir müssen die europäischen Außengrenzen schützen“, erklärte sie. Das sagt die Dame, die um die zwei Millionen illegale Grenzübertritte legalisieren und mit Familiennachzug belohnen will – kann sich noch jemand erinnern, auf wessen Kosten?

„Seit der chinesischen Mauer, seit dem römischen Reich wissen wir: Reine Abschottung hilft nicht, um Grenzen zu schützen.“ Nein, die Grenzen schützen genügt bereits. Dieser Satz spricht freilich eher für eine konsequente Merkelsche Abschottung von Geschichtskenntnissen, und das wird zumeist noch schlimmer, wenn sie ihre Ressentiments gegen die Deutschen des 20. Jahrhundert formuliert. Aber das römische Reich, dieses Vielvölkerreich, das vier Jahrhunderte lang der politische, kulturelle, künstlerische, militärische, kulinarische Mittelpunkt der Welt war, betrieb „reine Abschottung“? Geht’s noch? Bei den Chinesen wiederum ist ja bekannt, gegen welche höllischen Horden sie ihre Mauer gebaut haben, und man weiß nicht recht, was sie hätten anders machen sollen. Entwicklungshilfe? Wechselseitige Hinrichtungsabkommen? Frauenförderprogramme?

Und weiter mit Merkels Imperativ-Stakkato – wenn Sie die häufige und stets begründungsfreie Verwendung der Worte „müssen“ und  „brauchen“ irritiert: Es ist der Ton, in welchem man künftig mit Ihnen reden wird –: „Wir sind mit verantwortlich für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents.“ Der Satz ist eigentlich blanker Rassismus, er heißt in die saloppe Sprache der Grünen Jugend übersetzt: Die Bimbos packen es alleine nicht. Und wieder die Frage: Wer ist „wir“? Also ich nicht und niemand, den ich kenne. Und warum eigentlich? „Wir Europäer haben eine tiefe Schuld gegenüber den Afrikanern wegen des Kolonialismus.“ Wie wäre es, Gevatterin, wenn Sie darüber mit ihrem belgischen oder britischen Amtskollegen sprechen? Welche Schuld haben die Polen gegenüber Afrika? Die Ungarn? Die Balten? Die Tschechen? Die Österreicher? Die Schweden? Die Sachsen? Wer solche Sätze ausspricht, plädiert für die moralische Selbstentwaffnung. Wer so etwas sagt, will der Erpressung Tür und Tor öffnen, der will invadiert und ausgebeutet werden. Wie das endet, kann man an den viehischen Morden an weißen Farmers in Südafrika studieren (hier).

„Wir brauchen eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik.“ Klar, eine deutsche gibt es ja nicht mehr, diese Truppe ist nicht mal „bedingt einsatzbereit“, wie ein nur noch bedingt berühmtes Magazin einst kalauerte. Die Frauenverteidigungsministerin, die unter Merkel in dieses Amt geschmierseift wurde, heißt bekanntlich Ursula von der Leyen, und unter ihr ist jene Armee, die über 100 Jahre das Vorbild aller anderen Armeen dieser Erde gewesen ist, endgültig zum Gespött der echten Militärs geworden. Geht niemandem die Komik einer solchen Forderung aus dem Munde dieser eminent großen Rednerin auf?

„Wir brauchen eine gemeinsame europäische Außenpolitik.“ Wir brauchen am besten ein in allem gemeinsames und gleichgemachtes Europa. So redet eine Person, die nicht in Kulturen, Traditionen, Mentalitäten, gewachsenen Strukturen und Institutionen denkt – das sind die eigentlichen Ressourcen des Landes, wo sie herkommt und Kanzlerin ist –, sondern in von irgendwelchen Menschen gefüllten Räumen, wo sich neue Technologien etablieren müssen, wo Technokraten lose Einzelne bequem regieren, bevormunden und über immer neue Steuern ausplündern können, wohin man Wanderbewegungen leitet und wo man am besten alles durcheinander wirft und mischt, das wird schon funktionieren, und wenn nicht, dann ist es eben nicht mehr ihr Land. Man sollte übehaupt einmal die Frage aufwerfen, warum deutsche Politiker beharrlich die Interessen von nichtdeutschen Staatsbürgern vertreten zu dürfen meinen, woher diese Dreistigkeit kommt, den eigenen Leuten in die Taschen zu greifen und das Geld an Fremde zu verteilen. Diese Großschwätzerin des Globalismus und des Universalimus ist in Wirklichkeit ein politischer Zauberlehrling des Partikularismus. Wenn sie Pech hat, aber das interessiert die Nachkommenlose nicht, deren Gene aussterben werden, wird sie eines Tages als die Wegbereiterin der Tribalisierung jenes Landes gelten, wo sie Kanzlerin war. Und was die gemeinsame europäische Verteidigungspolitik betrifft: Auf phantasievollen Webforen diskutiert man längst, ob einmal die Polen einmarschieren werden, um Deutschland vom Chaos zu befreien und zu befrieden, ober ob es vielleicht doch Russen und Amis übernehmen. Oder gar niemand. Selber können sie es gewiss nicht.

„Je besser es zuhause in unseren Ländern gelingt, Spaltungen zu überwinden, desto besser auch die mulitlaterale… blablabla.“ Morgen kommt Trump nach Davos. Mit schlotternden Knien naht er der geschlossenen Phalanx der bzw. einiger Europäer.

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