Hate-Speech: Der Süddeutsche Beobachter über die AfD

Max Erdinger Foto: JouWatch

Der Süddeutsche Beobachter zerbricht sich den Kopf über erfolgversprechende Strategien der Altparteien gegen die AfD im Bundestag. Er empfiehlt eine „Radikalität der Mitte“. Das Hohngelächter.

von Max Erdinger

Ich weiß nicht, wie das beim Süddeutschen Beobachter intern abläuft, wenn die Chefredaktion der Meinung ist, der AfD gehöre einmal wieder eine übergebraten. Ob dort ausgewürfelt wird, welcher Redakteur sich zum Affen machen muß? – Einerlei. Jens Schneider hat es erwischt. Er musste ran und gab sein Bestes, um nicht in Ungnade zu fallen.

So sieht der Krieg aus, den AfD-Chef Alexander Gauland den anderen Parteien im Bundestag angekündigt hat. Die AfD hat Anspruch auf wichtige Ausschuss-Posten. Aber ihre Nominierungen wirken wie gezielte Provokationen.

Wenn man in dem Zitat auf „Bundestag“ klickt, sollte man meinen, daß man stante pede erfährt, wie der Krieg aussieht, den Gauland angekündigt haben soll. Aber nichts ist. Man kommt lediglich auf die Seite, wo der Süddeutsche Beobachter seine diversen Geschichten aus dem Bundestag sammelt. Schneider meint mit Gaulands „Krieg“ tatsächlich, Anspruch auf wichtige Ausschuß-Posten zu haben und gezielt provokant zu wirken, sei schon der ganze Krieg. Wir lernen: Anspruch zu haben und irgendwie zu wirken ist der reine Militarismus.

Das gilt für Peter Boehringer, den AfD-Kandidaten für den Vorsitz im Haushaltsausschuss, der mit menschenverachtenden Aussagen aufgefallen ist, indem er wegen der Flüchtlingskrise von einer „Umvolkung der deutschen Bevölkerung“ sprach.

„Umvolkung“ ist ja nun wirklich der Gipfel aller menschenverachtenden Aussagen. Froh und dankbar müssen wir sein, daß Boehringer nicht „Vanillepudding“ gesagt hat, ohne den Schokopudding mit zu erwähnen.

Es trifft auch zu für den designierten Vorsitzenden des Rechtsausschusses, Stephan Brandner, der selbst in der AfD berüchtigt ist wegen seiner vulgären Ausfälle.

Die Rabulistik des tapferen Schneiderleins auf Deutsch: Wer „selbst in der AfD“ – selbst dort also! – für Sachverhalte bekannt ist, die man beim Süddeutschen Beobachter als „vulgäre Ausfälle“ zu bezeichnen beliebt, der muß aber auch eine richtige Drecksau sein.

Die anderen Fraktionen müssen auf Provokationen eine klare und kluge Antwort finden. Bisher haben sie sich beim Umgang mit der AfD einfacher Reflexe bedient und auch gegen Gebote verstoßen, die den Geist eines vorbildlichen Parlaments ausmachen. Das hat der AfD in die Hände gespielt. Es ist Zeit für einen Kurs, der von Souveränität, kühler Gelassenheit und klarer Haltung bestimmt ist.

Wie wäre es, Schneider, zunächst einmal zu erklären, worin die Provokationen der AfD überhaupt bestehen? Solange wir das nicht wissen, können die anderen Fraktionen klare und kluge Antworten zu allen möglichen Fragen finden müssen, zum Beispiel, ob man eine alte Pilzsuppe noch einmal aufwärmen soll oder nicht. Den Geist eines vorbildlichen Parlaments ausgerechnet bei den Altparteien zu suchen, ist nämlich so vergeblich, wie mit Schwimmflossen und Sauerstoffflasche auf den Mount Everest zu kraxeln, um dort nach Muscheln zu tauchen.

Im Bundestag konterkariert die AfD das Bild einer ungehobelten rechten Horde mit einem demonstrativ zivilen Auftreten. Diese Partei hat neben üblen Pöblern Abgeordnete mit Umgangsformen in ihren Reihen. Sie sind gebildet, haben ein erfolgreiches bürgerliches Leben geführt, wollen mit Argumenten überzeugen. Das macht weder sie noch die Partei besser oder weniger gefährlich für die Demokratie.

Mein ganzes Mitleid gilt dem tapferen Schneiderlein. Wie gemein aber auch von der AfD, das Bild zu konterkarieren, welches das Schneiderlein gern von ihr hätte. Und wie jetzt? Bildung und Erfolg im bürgerlichen Leben bei gleichzeitigem Willen zum Argument sind gefährlich für die Demokratie und machen niemanden besser als, sagen wir, Claudia Roth? Schneiderlein, Schneiderlein …

In den Fällen Brandner und Boehringer ist die Würde des Vorsitzendenamts unvereinbar mit deren infamen Grenzüberschreitungen.

Man muß zerebral schon ziemlich verwüstet sein, um bei „infame Grenzüberschreitungen“ an Abgeordnete der AfD zu denken, anstatt auf das Naheliegende zu kommen: Merkel und de Maizière.

Es darf nicht der Eindruck einer pauschalen Ablehnung der AfD-Kandidaten entstehen, weil dieser Eindruck dem Parlament schadet.

Bei einer pauschalen Ablehnung der AfD-Kandidaten soll also nicht der Eindruck einer pauschalen Ablehnung entstehen? Wie soll das denn gehen? Das ist ja fast, als dürfe der Eindruck nicht entstehen, die Straße sei naß, weil es regnet.

So war es ein Fehler, als der Bundestag den AfD-Vorschlag für den Geheimdienst-Ausschuss durchfallen ließ; Roman Reusch war mehr als dreißig Jahre deutscher Beamter, zuletzt leitender Oberstaatsanwalt. Mit der Ablehnung von Reusch kann sich die AfD in der Rolle der Ausgeschlossenen präsentieren und tut das gern.

Es ist sogar noch schlimmer, Schneider! Mit einem abgeschlagenen Kopf kann sich der Ungläubige sogar dann in der Rolle des Geköpften präsentieren, wenn er es ungern tut!

Es gibt in der Öffentlichkeit eine Sehnsucht nach starken Zeichen, nach dem starken Auftritt, der die AfD in die Schranken weist. Man hofft auf flammende Reden, die sie entlarven. Indes: Es läuft ins Leere. Die AfD hat sich längst demaskiert, und wurde doch gewählt.

Na ja, Schneider, das ist wie im Krieg. Man hofft auf Nachschub. Man hat keine Munition mehr und möchte doch so gern den Feind zurückdrängen. Wenn es erst einmal so weit ist, dann hat man sich … hat sich der Feind demaskiert. Kleiner Test, Schneider: Wieviel ergibt 2+2?

Es geht darum, eine Politik zu vertreten, die Fremde nicht zu einer Gefahr erklärt, sondern die Menschen sieht und achtet. All das ist nicht einfach, es braucht Sorgfalt, Ausdauer und Konsequenz im Umgang mit der AfD. Aber angesichts der neuen Extremisten sind Maß, Mitte und Klarheit die überzeugendste Form der Radikalität, die es in der Demokratie geben kann.

Das hat er jetzt schön gesagt. Maß, Mitte und Klarheit sind also radikal. Wer hätte das gedacht? Und wo der Scheider das herhat, daß die AfD „Fremde“ kurzerhand zu einer Gefahr erklärt? – Mysteriös. So weit ich das mitbekommen habe, geht es der AfD um ganz bestimmte Fremde in einer ganz bestimmten Anzahl aus ganz bestimmten Ländern, die angesichts eines ganz bestimmten Staatsversagens völlig unkontrolliert ins Land kommen und hier „die Menschen“ umbringen – und selbst diesen Barbaren hat die AfD bisher noch nicht abgesprochen, daß sie bestimmte Menschen sind. Noch nicht einmal beim Süddeutschen Beobachter hat man von Hitler bisher behauptet, daß er eine Milchkanne sei. Alle, alle Menschen sind immer „die Menschen“, Schneider! Merke Dir das!

 

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