Führen schwedische Banden Krieg mit über Kroatien eingeschmuggelten bosnischen Waffen?

Foto: Screenshot von Youtube, CROPIX
Foto: Screenshot von Youtube, CROPIX

Lage in Skandinavien eskaliert – Abrechnung mit dem Untergrund: Beteiligung der Armee möglich

Von Gastautor

Nach Einschätzung des Sonderanklägers von Banja Luka, Goran Glamocanin, ist Schweden der größte Markt für illegale Waffen vom Balkan; er ist Augenzeuge unzähliger Fälle von Schmuggelversuchen, wobei hunderte einzelne Waffen nach Schweden geschleust werden sollten.

„Es gibt eine gut organisierte Gruppe, die den Schweden Waffen verkauft“, so Glamocanin weiter.

Der Bandenkrieg auf den Straßen einiger schwedischer Städte hat die schwedische Aftonbladet dazu veranlasst, den Weg der Waffen vom Balkan zu veröffentlichen; zu diesem Anlass haben sich deren Mitarbeiter gerade in Banj’a Luka (Regierungssitz der Republika Srpska, Anm.) eingefunden.

Im Büro des Sonderanklägers fanden sie ein Arsenal vor, mit welchem man hunderte Menschen hätte töten können, darunter Maschinengewehre, Sprengstoff, hunderte Handgranaten sowie Munition.

All das war auf dem Weg nach Schweden und wurde beschlagnahmt.

„Nach derzeit verfügbaren Informationen ist Schweden der attraktivste Markt – wegen der hohen Nachfrage.“ 20 von Glamocanin angestrengte Strafprozesse laufen gegen Personen, welche der Waffenschieberei verdächtigt werden. Ihnen drohen bis zu sieben Jahren Haft, der Verfahrensbeginn ist für März 2018 angesetzt.

Die Polizei kam 2014 auf die Spur der Schmuggler, als diese an der slowenischen Grenze angehalten wurden – der erste größere Fall; das Ziel der Lieferung: Schweden. Die Aktion mit dem Geheimnamen „Rekyl“ kam durch die Zusammenarbeit der Länder Schweden, Bosnien-Herzegowina und Slowenien zustande, war jedoch im Hinblick auf die Verfahren und der Angeklagten nicht erfolgreich.

Im jüngsten Fall, gerade zu dem Zeitpunkt, als die Journalisten des Aftonbladet auf dem Weg waren, ging den Ermittlern ein 29-Jähriger an der kroatisch-slowenischen Grenze (Slowenien gehört im Gegensatz zu Kroatien zum Schengenraum, Anm.) ins Netz. In seinen Taschen fanden Grenzbeamte 36 Handgranaten, drei vollautomatische Gewehre, sieben Handfeuerwaffen, hunderte Schuss Munition, eine Antipersonenmine und eine nicht näher genannte Art von Projektil.

Dabei stellte sich heraus, dass der mutmaßliche Täter, geboren in einem Dorf nahe Banja Luka, regelmäßig nach Göteborg, Schweden reist, wo er auch wohnt und mit nahen Verwandten arbeitet. Doch abgesehen von den Funden in den Taschen wies wenig auf eine tiefere Verflechtung des Mannes mit dem schwedischen Untergrund hin, wie Aftonbladet berichtet. Die Journalisten suchten den heruntergekommenen Teil Banja Lukas auf und fanden hauptsächlich Roma vor. Der älteste Bruder des Verdächtigten behauptet, es handle sich um Betrug – der Inhalt der Taschen sei nicht bekannt gewesen.

„Man tut den Leuten einen Gefallen, die ihren Verwandten und Freunden in Schweden etwas zuschicken wollen; bisher ging es nie um verbotene Gegenstände.“ Der aufgeflogene Mittelsmann lebt an verschiedenen Adressen in Göteborg und Malmö. Er ist polizeibekannt und wird mit einem Mord in Verbindung gebracht.

Niemand in Bosnien möchte über ihn reden – es heißt, er sei gefährlich. Ein Polizeiinformant meinte gegenüber den Journalisten: „Das ist jemand, der sich sporadisch mit allem Möglichen beschäftigt; es wundert mich nicht, dass er die Waffen übernommen hat.“

Währenddessen ist der Bandenkrieg in Schweden in vollem Gange: Allein in der ersten Kalenderwoche des neuen Jahres sind vier Menschen getötet worden. Nachdem ein 21-Jähriger am vergangenen Wochenende in Malmö durch einen Kopfschuss getötet worden war, forderte ein Teil der Opposition eine Beteiligung der Armee am Kampf gegen die Kriminellen.

Der ein Jahr zuvor veröffentlichte Bericht der schwedischen Polizei verzeichnet 306 Vorfälle, bei denen es auch zu Schießereien mit insgesamt 41 Toten. Nach Aussagen von Schwedens Premierminister Stefan Löfven wird die Armee jedoch vorerst nicht zur Bekämpfung der Kriminellen herangezogen; vielmehr sollen bereits bestehende Gesetze verschärft und weitere Möglichkeiten erwogen werden, bevor man zu drastischeren Maßnahmen greift.

„Die Involvierung der Armee ist nicht meine erste Option, aber ich bin bereit, alles zu tun, um das organisierte Verbrechen zu entwurzeln. Am Wichtigsten ist es, diesen Kriminellen mitzuteilen, dass es für sie in unserer Gesellschaft keinen Platz gibt“, schloss Lövfen.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...