FAZ: „Hurra, wir haben die AfD unter Kontrolle“

Berichtet unkritisch: FAZ (Foto: Collage)

Hexenjäger Bender dokumentiert Demokratieverachtung

Wenn man eine neue politische Partei nicht vernichten, ja nicht einmal isolieren und ausgrenzen kann, dann muss man halt versuchen, sie zu integrieren und zu domestizieren, um sie möglichst unschädlich für die herrschenden Kräfte zu machen. Ob das bei und mit der AfD gelingen wird, steht noch lange nicht fest. Aber einer jubelt schon mal auf Seite 1 der Donnerstagsausgabe der „Zeitung für Deutschland“, in der inzwischen längst nicht jeder, der dort schreibt, ein kluger, geschweige denn ein charaktervoller Kopf ist. Justus Bender gehört zu diesen Nachwuchskräften, deren Ehrgeiz auf eine Medienkarriere größer ist als journalistische Skrupel und stilistische Eleganz.

Von Wolfgang Hübner (PI NEWS)

Seit Jahren verfolgt der FAZ-Redakteur mit dem Bubengesicht mit guthonorierter Hartnäckigkeit die AfD. Dabei konnte und kann er sich stets interner Informationen aus dem nicht immer harmonischen Innenleben der Partei erfreuen. Im Laufe der Zeit musste auch Bender einsehen, dass sein und seiner Zeitung Traumziel, nämlich die Zerstörung der AfD sich ebenso wenig erreichen ließ wie deren Ausgrenzung. Das muss eine schwer verdaubare Erkenntnis in den Frankfurter Redaktionsstuben gewesen sein, doch seit der Bundestagswahl im September 2017 musste man dort über eine neue Strategie zur wirksamen Bekämpfung der ungeliebten Partei nachdenken.

Was dabei herausgekommen ist, verkündet nun Bender unter der hämischen Überschrift: „AfD im Abklingbecken“. Ohne auch nur mit einem einzigen Satz auf die inzwischen vielen brillanten, über das Internet auch weit verbreiteten Redebeiträge von AfD-Bundestagsabgeordneten einzugehen, konstruiert Bender eine vergiftete Botschaft an die stark schwindende Leserschaft der Qualitätszeitung: „Die neue Partei im Bundestag ist offenbar im Parlament schon domestiziert worden“. Würde das wirklich zutreffen, wäre bei den allermeisten Mitgliedern, Wählern und Freunden der AfD Anlass zu großer Sorge gegeben.

Doch es gibt nur Anlass zur Entwarnung: Bender spinntisiert sich etwas zusammen, um Misstrauen und Enttäuschung zu schüren, für die keinerlei Grund gegeben ist. Denn aus der Tatsache, dass sich nicht die neuen AfD-Abgeordneten im Bundestag schlecht benehmen, pöbeln und geifern, sondern ihre Feinde und Konkurrenten in den anderen Fraktionen, konstruiert der FAZ-Hexenjäger die steile These, die AfD haben sich bereits ins System der politischen Folgenlosigkeit willig integriert. Das weiß selbstverständlich jeder besser, der auch nur drei Reden von AfD-Abgeordneten gesehen und gehört hat. Bender vertraut offensichtlich darauf, FAZ-Leser würden das schon nicht tun.

Um die Domestizierung der neuen Partei anhand einer Personalie zu beweisen, hat sich der Redakteur den künftigen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, Peter Boehringer, als „Opfer“ ausgesucht. Das geht dann so: Erst wird der AfD-Politiker mit Zitaten aus früheren Äußerungen konfrontiert, die Boehringer übrigens bislang nicht zurückgenommen oder aus dem Internet entfernt hat. Dann werden Boehringers Reaktionen auf die neue Funktion zitiert, die nichts anderes ausdrücken als den gebotenen Respekt vor der besonders anspruchsvollen Aufgabe im wichtigsten Ausschuss des Bundestages.

Geradezu krampfhaft unternimmt Bender in dem Leitartikel den Versuch, noch weitere Indizien für die Domestizierung der AfD anzuführen. Aber diese Versuche blamieren sich nur selbst. Tatsächlich ist der FAZ-Schreiber tief frustriert über kluge Reden, eifrige Anwesenheit und gutes Benehmen der AfD-Vertreter. Wie gerne doch hätte er Bericht um Bericht verfasst über barbarische Ausfälligkeiten, Dumm- und Dumpfheit oder peinlich provinzielles Gehabe der AfD-Fraktion. Doch damit könnte er nur mit „Fake News“ dienen, die keinen Tag Bestand hätten.

So kommt Bender nur zu der wahrlich sensationellen Erkenntnis, „dass die AfD – trotz ihrer inhaltlichen Radikalität – die Regeln des Meinungskampfes im Parlament grundsätzlich anerkennt“. Donnerwetter, wer hätte das für möglich gehalten? Die FAZ offenbar nicht. Doch irgendwie muss sich die in Kreisen der herrschenden Kräfte meinungsbildende Zeitung mit den Spaßverderbern der neuen Partei im Bundestag arrangieren, natürlich arrogant und giftig. Deshalb endet Benders Text so: „Mit ihrem Einzug in den Bundestag ist die AfD im Abklingbecken der Demokratie gekommen. Den Aufenthalt dort soll man ihr gönnen.“

Das immerhin sollten wir uns merken aus dem armseligen Leitartikel-Pamphlet: Der Bundestag ist also das „Abklingbecken der Demokratie“. Verächtlicher über den Bundestag, verächtlicher über die Demokratie kann und wird sich öffentlich kein AfD-Abgeordneter äußern. Da Bender eine solche Formulierung ganz prominent auf Seite 1 unterbringen kann, entspricht diese ungenierte Arroganz offenbar auch der Auffassung der Zeitung, die das druckt und verbreitet. Gut, dass wir das jetzt wissen. Denn damit haben wir ungleich mehr über das Denken und den Charakter der wirklichen Verächter von Parlament und Demokratie in Deutschland erfahren als über die fantasierte „Domestizierung“ der AfD.

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