„Deutschland versucht, Merkel unter Kontrolle zu bekommen“

Foto: Collage
(Foto: Collage)

Wenn ein einfacher Mann aus dem Fischereiverein Vater einer Tochter wird, dann freut er sich, setzt sich mit seiner Ausrüstung an den See und denkt bei einem Bier aus der Kühlbox über einen Vornamen nach. Kein Wunder, wenn ihm dann „Angela“ einfällt. Wenn aber ein roter Protestantenpfarrer über einen Vornamen für seine Tochter nachdenkt, dann wird es ernst. Wenn dem „Angela“ einfällt, dann meint er es auch so. Angela – die vom Himmel Geschickte. Angelus – der Engel, Bote Gottes. Eine Geschichte über Angela, die den Rechtspopulismus unter Kontrolle bringen möchte.

von Max Erdinger

Wenn ein Kind in einem protestantischen Pfarrhaus aufwächst, dann weiß es schon sehr früh, was das Gute ist und was das Böse. Der Volksmund jedoch weiß: „Pfarrers Kinder, Lehrers Vieh, gedeihen selten oder nie.“ Gudrun Ensslin (1940 – 1977) war eine protestantische Pfarrerstochter. Sie wurde eine der ideologischen Führungspersonen in der RAF der ersten Generation. Im Deutschlandfunk gab es vor über zehn Jahre eine Sendung von Michael Hollenbach zu Protestantismus und Terrorismus. Ilse Ensslin, Gudruns Mutter damals: „Ach, wenn wir sie doch nicht so fromm erzogen hätten.“ Hollenbach: „Und das war ein Stück Erkenntnis, denn diese evangelikale Frömmigkeit der Eltern (…) hat sie abgelehnt und dann doch umgeleitet auf eine andere Form des Fundamentalismus und die Mutter hat das irgendwie instinktiv erkannt, dass die Wurzeln in der Erziehung lagen.“ Ilse Ensslin: „Sie war dasjenige meiner Kinder, die das, was sie getan hat, ganz getan hat und ein totalitärer Charakter gegenüber den anderen war, das wusste ich schon früh.

Es gibt natürlich keinen Determinismus hinsichtlich einer Kindheit in einem protestantischen Pfarrhaus und einem Erwachsenenleben als Terrorist, aber Michael Hollenbach stellte damals dennoch fest: „Ein Aspekt taucht bei der Rückschau auf den sogenannten Deutsche Herbst 1977 selten auf: dass es offenbar einen Zusammenhang gibt zwischen protestantischer Sozialisation und der späteren Mitgliedschaft in der RAF. Viele RAF-Terroristen stammten aus protestantischen Familien oder Pfarrhäusern.“  Das heißt: 1:0 gegen die Familien von Fischereivereinsmitgliedern.

Daß aus Angela Merkel keine Bombenlegerin geworden ist, liegt vermutlich nicht nur daran, daß Terroristen untereinander klar und unmißverständlich kommunizieren können müssen, wenn es mit dem destruktiven –  und vor allem gemeinsam geplanten – Anschlag für ein neues Miteinander auf Augenhöhe etwas werden soll. Das ist eine Fähigkeit, die Angela Merkel bekanntlich völlig abgeht. Sie kann nur „konstruktiv“, „gemeinsam“ und „auf Augenhöhe“ so aussprechen, daß man weiß, sie hat diese Wörter verwendet. Die tieferen Zusammenhänge jedoch, in denen sie diese Wörter spricht, sind bis zum heutigen Tag völlig mysteriös, oder zumindest vielfältig interpretierbar. Wenn man sich alte Videos anschaut von Angela Merkel, etwa von Bundesparteitagen der CDU um das Jahr 2000 herum – und die vergleicht mit dem, was sie heute so von sich gibt, könnte man annehmen, daß ihr Friseur auch ihr persönlicher Chefideologe sein muß. So unterschiedlich ist ihre heutige Frisur zu damals.

Viel wahrscheinlicher ist aber, daß aus Angela Merkel keine Bombenlegerin geworden ist, weil sie in der Hinsicht privilegiert gewesen ist. Sie lebte bereits in dem Staat, den Gudrun Ensslin erst noch herbeibomben wollte. Protestantischer Moralterrorist konnte man in der DDR sein, so lange man staatsgläubig und links genug war. Ein ganz großer Staatsgläubiger ist Luther gewesen. Er plädierte dafür, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Beliebt war er in der DDR zwar nicht, aber als protestantischer Linker mit Luther im Herzen konnte man sich zu Honeckers Zeiten notfalls auch listig auf Thomas Müntzer berufen. Müntzer war zunächst ein Anhänger Luthers gewesen, ehe es zum Zerwürfnis zwischen den beiden kam. Er galt in der DDR als protestantischer Held. Thomas Müntzer wurde nämlich Revolutionär in den Bauernkriegen – und die aufständischen Bauern um Müntzer herum hätte Luther am liebsten erschlagen wie die „tollwütigen Hunde.“ Für Luther war Müntzer ein „Hundsfott“ geworden.

Sei es wie es sei: In protestantischen Pfarrhäusern, egal, ob sie in West- oder in Ostdeutschland stehen oder standen – (aktuell: Stadtjugendpfarrer König aus Jena und seine Tochter, die Abgeordnete der Linken, König-Preuss, die in jouwatch bereits das Böse erkannt hat) – man hält sich dort gern für eine geistig-moralische Elite, für besonders fortschrittlich im Glauben und rümpft über Katholiken, die „zurückgebliebenen Unreformierten“ also, gern ein bißchen die Nase. Diese Katholiken brauchen ja tatsächlich noch einen Stellvertreter Gottes auf Erden. Da ist der Protestant in seiner Eigenwahrnehmung schon weiter, also „fortschrittlich“. Er braucht zwischen seiner Brille und der heiligen Schrift nur klare Sicht. Er ist sein eigener Papst.

Und wie das so ist bei Leuten, die sich ihr eigener Papst sind: Sie wissen es einfach besser. „Es“ ist dabei alles, was im Entferntesten mit Moral zu tun hat. Da gibt es kein Vertun. Sie sind im Glauben fest, immer an der Seite des Guten zu stehen. Das sitzt so tief, daß jede Kritik an ihren Überzeugungen und den Taten, die daraus resultieren, erlebt wird als ein Angriff des Bösen auf die eigene Person. Das wird ganz schnell existentiell. Entsprechend fallen die Reaktionen aus. Immer triefen sie vor einer unerträglichen Selbstgerechtigkeit.

„Schwach“ wird fast immer übersetzt mit „gut“. Der bedürftige, schwache Mensch kommt in einer seiner Erscheinungsformen einfach nicht vor, nämlich in derjenigen des Arschlochs. Zu denken, daß jemand, obwohl er schwach und in Not ist, ein Arschloch sein könnte, ist in diesen Kreisen vollkommen unmöglich. In der Bibel steht auch nicht, daß Jesus den Lazarus geheilt hat, obwohl Lazarus ein krankes Arschloch gewesen ist. Wir wissen bis heute nicht, was Lazarus für ein Typ gewesen ist, bevor er krank wurde. Krank war er, hilfsbedürftig, arm dran – und also gut. Ich bin mir nicht sicher, ob Jesus auch Arschlöcher geheilt hätte. Ich meine, wie würde sich das machen in der Bibel: „Und dann heilte Jesus das dumme Arschloch.“ Ja, gut, ich verzettele mich schon wieder. Lassen wir es eben dabei. Sei´s drum. Lazarus war bloß krank und kein Arschloch. Und Jesus hat ihn geheilt.

Bei Angela Merkel kommen also mindestens drei ungünstige Faktoren zusammen: Erstens ihre Sozialisation in einem protestantischen Pfarrhaus, zweitens dieses Pfarrhaus im Geltungsbereich des DDR-Sozialismus (Konfession und Staat beide „fortschrittlich“), drittens die enge Verbindung zu den de Maizières, altem Beamtenadel, der sowohl unter Hitler als auch unter Honecker dem Staat diente – und heute eben in der Bunderepublik. Das sind alte Hugenotten in Deutschand mit einer ziemlich lutherischen, weil ziemlich preußischen Auffassung von Staat und Gehorsamspflicht. Angela Merkel hat Macht, was angesichts der drei vorgenannten Faktoren eine der größeren Katastrophen ist, die ich mir politisch denken kann.

Die protestantische Pfarrerstochter sitzt dieser Tage nun in Davos beim Weltwirtschaftsforum und fühlt sich sichtlich wohl, wenn sie im Plauderton von ihren Überzeugungen redet. Wortwörtlich sagte sie zum Thema Rechtspopulismus: „Deutschland versucht, diese Entwicklung unter Kontrolle zu bekommen.

Nicht sie selbst versucht das also, sondern Deutschland versucht es. Weil Merkel ganz genau weiß, daß es jedem demokratischen Gedanken und jeder Rechtsstaatlichkeit Hohn spricht, wie sie selbst den Rechtspopulismus unter Kontrolle bringen will, versucht es hier also „Deutschland“. Das ist interessant. In diesem Zusammenhang fällt ihr plötzlich ein, wie das Land heißt, dessen Kanzlerin sie ist. Das Ziel ist gut, die Wahl der Mittel aber böse. Das weiß sie. Zensur hat für eine deutsche Kanzlerin böse zu sein, denn sie ist verboten. So viel ist auch Angela Merkel klar. Sie externalisiert das Böse, um vor sich selbst gut zu bleiben – und läßt daher das böse Mittel zum guten Zweck das böse Mittel Deutschlands sein. Deutschland ist nämlich sowieso schon das Böse und hat bis in alle Zeiten Schuld wiedergutzumachen. Da kann das vermaledeite Land ja auch einmal ein „bißchen Böses zum guten Zweck“ tun für seine moralelitäre Bundeskanzlerin. Der vermeintlich gute Zweck bleibt bei ihr: Kontrolle des Rechtspopulismus.

Nun gibt es Bilder von Angela Merkel, die mehr über sie erzählen, als ihr lieb sein kann. Die Kanzlerin wurde bereits dabei gefilmt, wie sie im Bundestag ihre eigenen Rotzpopel gegessen hat. Und sie kaut Fingernägel. Es geht das Gerücht um, sie sei schwer benzodiazepinabhängig und käme ohne Tavor nicht über den Tag. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Vorstellen kann ich mir das aber, weil Tavor die innerlich Zerrissenen ganz gut zusammenhält. Psychologen sind sich einig, daß das Fingernägelkauen ein mögliches Indiz für innerliche Zerrissenheit darstellt.

Wenn nun eine innerlich zerrissene, denoch mächtige, zum Erbrechen selbstgerechte Person im Wahn ihrer haushohen moralischen Überlegenheit „den Rechtspopulismus unter Kontrolle bekommen“ will, die Verantwortung für die Wahl der Mittel aber externalisiert, indem sie sie kollektiviert („Deutschland“) – dann ist allergrößte Gefahr im Verzug. Es ist kein Zufall, daß es ausnahmslos protestantisch geprägte Gebiete in Deutschland gewesen sind, in denen die Nazis bereits vor 1933 den meisten Zuspruch hatten. Sowohl Nürnberg als auch Weimar hatten bereits 1932 jeweils NSDAP-Bürgermeister. Und wozu die Nazis sich im Wahn von der gerechten Sache später ermächtigt fühlten („Deutschland!“), ist bekannt. Ganz krass ausgedrückt ist es wohl so: Die Kanzlerin versucht via „Deutschland“ mit Nazimethoden, das Böse (den Rechtspopulismus) unter ihre Kontrolle zu bekommen – und ein kleiner Roter darf die nazimäßige Drecksarbeit für sie erledigen, damit sie vor sich selbst sauber bleibt.

Es reicht. Dringender als alles andere: Diese Frau muß weg. Sie ist über die Jahre, in denen ihr wegen der hierarchischen Ordnung von ihren Schranzen täglich der Bauch gepinselt worden ist, zu einer größenwahnsinnigen Lebensgefahr für unser ganzes Volk geworden. Das ist kein Spaß mehr. In Davos sagte sie tatsächlich, man dürfe Menschen nie mit Vorurteilen begegnen, sondern müsse jeden als einzelnen Menschen anerkennen, so sehr das die Sache auch verkompliziere. „Der Rechtspopulismus“ – das ist in ihrer Eigenwahrnehmung als der Guten irgendein Ding, das ganz offensichtlich nicht aus einzelnen Menschen besteht, sondern der Rechtspopulismus ist quasimonolithisch „das Böse“. Höchste Zeit also, daß Deutschland endlich Merkel unter Kontrolle bekommt.

 

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