Soll die SPD unterwandert werden? Seit SPD-Parteitag mehr als 1.800 Online-Beitrittsanträge

Foto: Screenshot/Youtube
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Berlin So kann man natürlich auch einen Mitgliederentscheid „manipulieren“: Seit dem SPD-Parteitag am vergangenen Sonntag, der mit knapper Mehrheit für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union stimmte, haben die sechzehn sozialdemokratischen Landesverbände insgesamt mehr als 1.800 Online-Beitrittsanträge verzeichnet. Das ergab eine Umfrage der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Anträge, die über den Postweg an die Landeszentralen geschickt wurden, sind noch nicht enthalten.

Sie werden in den nächsten Wochen ausgezählt. Ein besonders großes Interesse, der SPD beizutreten, verzeichnet der Landesverband Nordrhein-Westfalen. 520 Mitgliedsanträge sind dort bis Dienstagmittag online eingegangen.

Auch in Bayern haben sich etwa 220 Menschen um eine Mitgliedschaft beworben. Es folgen Hessen mit annähernd 190, Berlin mit 170 und Baden-Württemberg mit rund 150 Beitrittsanträgen. Die Entscheidung, ob ein Mitglied aufgenommen wird, liegt bei den jeweiligen Ortsvereinen, die vier Wochen Zeit haben, über die Aufnahme zu entscheiden.

Als Gegner einer Neuauflage der Großen Koalition werben derzeit verstärkt die Jungsozialisten (Jusos) für Parteieintritte. Die Jugendorganisation der SPD hofft, über den Mitgliederentscheid eine Große Koalition noch verhindern zu können. Die letzte große Eintrittswelle verzeichnete die SPD nach der vergangenen Bundestagswahl im September 2017. Damals beantragten einen Tag nach der Wahl knapp 1.200 Menschen eine SPD-Mitgliedschaft.

Der ehemalige SPD-Parteichef Björn Engholm kritisierte die Anti-GroKo-Kampagne „Tritt ein, sag` Nein“ der Jusos. Engholm sagte der „Heilbronner Stimme“ (Mittwochsausgabe): „Die SPD war und ist keine Neinsager-Partei. Ihr Ziel ist doch nicht `Stolz und Selbstachtung`, denn Selbstbezogenheit ist kein Programm, sondern stellt das parteiliche Interesse über das Gemeinwohl.“ Auf die Frage, ob die Aktion gestoppt werden sollte, sagte Engholm: „Ich setze immer auf die Vernunft – auch die der Juso-Führung.“ Die Partei müsse sich auf ihren Kern besinnen. „Die SPD ist Dienstleister für die Gesellschaft, für ihre sozialen Belange, für kluge Innovation, für Friedfertigkeit und Frieden“, so der SPD-Politiker.

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