Presseschau Lünen: Es gibt nichts zu sehen, bitte gehen sie weiter

Symbolfoto: Durch Peter Schulzek/Shutterstock
Alles ist relativ: Symbolfoto: Durch Peter Schulzek/Shutterstock

Einzelfall, Beziehungstat, Streit unter Schülern oder doch polizeibekannter „Intensivtäter“. Wie man versucht klein zu reden, was nicht klein zu reden ist

Von Volker Kleinophorst

Eine unerträgliche Tat wird nicht erträglicher durch die Relativierung in den Medien.

Also das Wichtigste aus der Systempresse kurz zusammengefasst:

Die Tat hatte keinen ausländerfeindlichen Hintergrund. (Da sind wir ja alle beruhigt. Ist ja das Wichtigste.) Opfer ist wohl Deutschdeutscher. (Deutschfeindlicher Hintergrund? Wird nicht ermittelt? Gibt es nicht.) Einzeltat !!! (Ist nicht jede Tat eine Einzeltat?) Und natürlich last but not least: POLIZEIBEKANNT. (Aber sind sie das nicht alle?)

Zu meiner Zeit im Boulevard hätte man heute alle Infos und Hintergründe zu Täter und Opfer. BILD hätte mindestens 10 Reporter losgeschickt. Heute berichtete man, was die Polizei rausgibt.

Ein Kollege heute morgen zu mir:

„Wo sind eigentlich alle diese alten Enthüllungs-Journalisten, die mal ein bisschen nebenher recherchieren und Hintergründe aufklären? Auch in Bild heute Morgen, nichts. Unfassbar!“

Den Relativierungs-Vogel schießt wie so häufig der ZDF Hofkriminologe Christian Pfeiffer ab, der in allen ZDF-Nachrichtensendung verbreitet: „Die Gewalt hat in Deutschland ständig abgenommen und befindet sich nun auf dem sogenannten Tiefststand. Der Vorfall in Lünen ist völlig untypisch. So was kommt hier sonst nicht vor!“

Er denkt, der familiäre Hintergrund spiele eine Rolle, Ei Wei. Die Religion aber sicher nicht Herr Pfeiffer?

Das Pfeifferlein, seit Willy Brandts Zeiten Sozialdemokrat, er war 2000 bis 2003 Justizminister in Niedersachsen, ist ja so verstrahlt, der merkt nicht einmal, dass er sich selbst wiederspricht:

Auch in der von Studie des Familienministeriums, welche die Kriminalitätsstatistik in Niedersachsen von 2015 und 2016 auswertet, kommt er zu dem Schluss, früher war es viel schlimmer. Wenn wir die nur alle reinlassen und den Clan gleich mit, dann wird das ganz toll. Nur die Zahlen sagen etwas ganz anderes, so die Hannoversche Neue Presse:

Die Forscher beschränken sich auf Niedersachsen. 2015 und 2016 steigt dort die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttaten um gut 10 Prozent an – und das nach sieben Jahren des Rückgangs. 2015 und 2016 waren zugleich die Jahre des starken Zuzugs von Flüchtlingen, die über die Balkan- oder die Mittelmeerroute nach Deutschland kamen. Und zu 92 Prozent sind Flüchtlinge für den Wiederanstieg der Gewaltdelikte verantwortlich.

Auf diesen Widerspruch hat Herrn Pfeiffer beim ZDF keiner angesprochen.

Wer zur Hölle zerrt diesen Spinner, der völlig die Orientierung verloren zu haben scheint, immer wieder vor die Kamera? Wie viel Geld zahlt man ihm für diesen Flachsinn und für die Verblödung der Bürger? Was dieser Mann von sich gibt, ist eine Frechheit und eine Verhöhnung der Opfer!

Aber Pfeiffer ist beim Abwiegeln in guter Gesellschaft:

Die ARD Tagesschau berichtete gestern Abend kurz über den Mord in Lünen, obwohl ja nach deren Lesart allenfalls von „regionaler Bedeutung“. Die Geschichte „Bundessozialgericht – Schüler bei Projektarbeit versichert“ war der ARD gefühlte 1.30 Min wert.

Der WDR fragt, warum denn der religiöse Hintergrund des Täters relevant sein sollte?

WELT: Bluttat an Lüner Schule „Entsetzt und fassungslos“

„Am Nachmittag veröffentlicht die Schulleitung eine bewegende Stellungnahme auf ihrer Homepage: „Wir trauern“ steht in großer Schrift auf der schwarzen Seite. „Immer noch tief erschüttert von der Tragödie, die heute an unserer Schule passiert ist, wollen wir mit diesem Brief sofort mit Ihnen und Euch in Kontakt treten. Es handelte sich um eine schreckliche Einzeltat, die nicht absehbar war. Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden“, erklärt Schulleiter Reinhard Bauhus mit seinem Kollegium.“

Schulleiter Reinhold Bauhus sagte auf einer Pressekonferenz vor seiner Schule: „Ich möchte mein tiefes Mitgefühl ausdrücken. Der Familie des Opfers, aber auch des Täters.“

Die WELT-Leser sehen es etwas anders:

Herr Pfeiffer macht die Familie verantwortlich (da hat er wohl ausnahmsweise mal Recht) und der Schulleiter spricht der Familie des Täters sein Mitgefühl aus. Finde den Fehler!

„Mein Mitgefühl für die Familie des jungen Täters hält sich in engen Grenzen. Den hätte man auch anders oder vielmehr besser erziehen können.

„Emphatisch sein für den Täter? wozu?“

„Entsetzt und fassungslos“ hat gerade Hochkonjunktur und wird inflationär verwendet!

Wenn sich die Polizei derart verdeckt hält, fördert sie nur die Gerüchteküche. Niemand kauft ihnen ab, dass sie es nach der ganzen Zeit nicht geschafft haben alle nötigen Informationen zusammenzutragen.

BILD: Schüler erstach Mitschüler

 „Dann fragt einer: „Warum hat der den ermordet?“ Stille in der Runde.“

Antworten? Keine. Stattdessen Tränendrüse:

„Mein Herz ist total gebrochen“… Weinend stehen Schülerinnen vor dem Tor der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, legen Blumen, Briefe und Kerzen ab. Sie können nicht begreifen, dass so etwas Schreckliches an ihrer Schule passiert ist.“

 Focus: Experte über Gewalttaten an Schulen: „Waffendetektoren wären eine komplett wirksame Methode“

Grenzsicherung aber nicht?

„Die Ereignisse der Vergangenheit haben ja gezeigt, dass aus einem nichtigen Anlass plötzlich Messer gezogen werden. Das sind wirklich gefährliche Gegenstände und die gehören nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen“

Dafür liefert der Focus eine Chronik der Gewalt an Schulen, die bis zum Jahr 1871 zurückgeht:

Gewalt an Schulen ist kein neues Phänomen. Auch wenn die schrecklichen Gewalttaten von Erfurt im Jahr 2002 mit 15 Opfern oder Winnenden 2009 mit ebenfalls 15 Opfern eine andere Sprache zu sprechen scheinen.“

„1871 in Saarbrücken: Damals schoss der 21-jährige Julius Becker auf zwei Mitschüler seines Gymnasiums. Er fühlte sich von ihnen gedemütigt. Mit einem sechsläufigen Taschenrevolver verletzte er die Klassenkameraden schwer.

Was könnte wichtiger sein?

Der SPIEGEL: Getöteter Schüler in Lünen Schule öffnet wieder – Schockbewältigung und Schweigeminute

Die Tat sorgt für Entsetzen: Ein 15-Jähriger soll an einer Schule in Lünen einen Mitschüler getötet haben. Am Tag danach beginnt der Schulbetrieb wieder – aber ohne Unterricht.“

„Am Dienstag war an der Schule ein 14-Jähriger getötet worden, mutmaßlich durch den Angriff eines 15-Jährigen.“

Und ohne Pfeiffer geht es auch beim SPIEGEL nicht:

Der Kriminologe Christian Pfeiffer betonte nach der Tat in Lünen, dass es sich um einen „extremen Ausnahmefall“ handele. Alle Statistiken zeigten, dass Gewaltdelikte an Schulen und auch Tötungsdelikte von Jugendlichen extrem rückläufig seien. Seit 1993 sei die Zahl der Tötungsdelikte von Tätern im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren um 47 Prozent zurückgegangen.“

Aus Pfeiffers Sicht hat dieser Rückgang mit einer veränderten Erziehung und weniger Gewalt gegenüber Kindern zu tun. Seien in den 1950er, 1960er bis in die 1970er Jahre noch 20 Prozent der Kinder misshandelt worden, liege dieser Wert heute bei fünf Prozent. „Die Jüngsten profitieren am stärksten vom Wandel der Erziehungskultur: mehr Liebe, weniger Hiebe.“

Haben sie auch dieses Würgen im Hals, wenn Sie das lesen. Deswegen ist bei dem Thema im SPIEGEL auch die Kommentarspalte zu.

Auf Facebook Spiegel online wird aber kommentiert:

„Wenn es ein Rechtsradikaler wäre ist dann der ethnische und eventuell ideologische Hintergrund des Täters auch egal oder seid ihr wieder mal nur beschissene Heuchler?“

 „Mir wird echt körperlich schlecht, wenn ich hier lese, wie der erste Reflex von manchen Kreaturen ist, den Tod eines Kindes für ihre rassistische Hetze nutzen zu wollen.“

 „Hmm nun war es also ein Täter mit kasachischem Hintergrund. Ist das nicht die afd Klientel?“

 „Ganz schrecklich….mein Beileid an die Eltern und Angehörigen.
Und an all , die hier wieder hetzen und stänkern: Hier ist ein Kind gestorben.“

 „Die CDU NRW kann schon mal auf ihrer Liste mit Opfern einen Strich machen. Oder ist der Zuständige Minister noch ahnungslos im Dienstschlaf?“

Die SPIEGEL-Redaktion selbst ruft natürlich zur Mäßigung auf:

Liebe Leser, der Text wird aktualisiert, sobald wir weitere Informationen haben. Solange Einzelheiten noch unklar sind, bitte nicht blind drauflos hetzen.“

Kurz: Wir sind mit aller Macht dabei zu relativieren, abzuwiegeln und zu verdrehen. Manchmal dauert das halt etwas.

Fragen zur muslimischen Gewaltkultur und wieso das Messer im Orient so locker sitzt, stellt man sich nicht. Das schon Kinder von ihren Vätern das Schächten, also das Töten lernen, das Mitgefühl von klein auf abtrainiert wird, das ist ein „fremdenfeindliches“ und damit verbotenes Gedankenverbrechen. (Gebt auf youtube ein: „Schächten Kinder im Schlachthof.“ Nichts für schwache Nerven, nur mit Altersverifizierung.)

Zwischen immerhin und lächerlich: „Die Polizeigewerkschaft fordert Lagebild zu Messerangriffen“, berichtet die Lausitzer Rundschau.

Denn: „Polizisten in Deutschland beobachten immer öfter Auseinandersetzungen mit dem Messer.“ (Sind die nicht wahnsinnig auf Zack?)

„Die Verunsicherung der Bürger ist regelrecht spürbar, weil kaum noch ein Tag vergeht, an dem nicht Polizeimeldungen über gefährliche oder sogar tödliche Messerattacken bekannt werden“, betonte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow“

„Es sei höchste Zeit, diesem Deliktphänomen auf den Grund zu gehen.“

„In Cottbus waren es in den vergangenen Tagen vor allem syrische Jugendliche, die mit dem Messer in der Hand erwischt wurden.“

Da hätte man ja schon mal einen Ansatz, oder?

Ich fasse zusammen: Der Mörder ist zweimal von der Schule geflogen (wohl wegen Gewalt) und polizeibekannt. Wie kann man da nur von einer „nicht absehbaren“ Tat reden? Das ganze hilflose Sozialarbeiter-Gedöns ist doch offensichtlich für die Katz. Zum Gespräch mit der Sozialarbeiterin bringt der Mörder ein Messer mit. Noch Fragen?

Außer warum die „Lügenpresse“ an der Stelle so lückig ist?

Es gibt aber auch positive Beispiele:

Alexander Wallasch, Tichys Einblick, fragt zu Recht:

„Aus archaischen Ländern wandert archaische Gewalt mit ein. Was müssen wir künftig von Kindern der in den letzten drei Jahren in Massen Zugewanderten an Gewalt erwarten?“

 Und zur Frage Moslem oder nicht hat er auch eine klare Ansage:

„Ob einer aus Kasachstan oder anderen archaisch (meist moslemisch) geprägten Ländern Moslem ist oder Christ, spielt für seine Messerkultur und sein Verhältnis zu Gewalt keine Rolle (am Balkan gut zu sehen).“

PS.: Auch während der verordneten Schweigeminute habe ich weiter geschrieben.

Wandere aus, solange es noch geht!
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