Irren

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Der Fuck-You-Goethe, oder wie der Dichter heißt, sagte schon, dass der Mensch irre, so lange er strebe. Christliche Büßerüberzeugungen erklären das Irren zum Menschlichsten von allem. Hauptsache man bemerkt den Irrtum irgendwann.

Von Schlaglicht

Der Fuck-You-Goethe, oder wie der Dichter heißt, sagte schon, dass der Mensch irre, so lange er strebe. Christliche Büßerüberzeugungen erklären das Irren zum Menschlichsten von allem. Hauptsache man bemerkt den Irrtum irgendwann. So irrlichtert auch der Russlanddeutsche Arthur Wagner aus dem Havelland durch die Gezeiten. Im dritten Lebensabschnitt mit Mitte Fünfzig hat er seinen Gefallen am Islam gefunden. Das ist eigentlich nichts Besonderes im weltoffenen Deutschland, wäre der Mann nicht bei einer Partei, die unter spezieller Beobachtung der Medien steht.

Bis zum 11. Januar war er noch Beisitzer im Landesvorstand der Brandenburgischen AfD. Heute ist er es aus privaten Gründen nicht mehr. Heute wendet sich der Konvertit dreimal täglich Mekka zu und sucht sein Heil dort. Häme und Spott kommen ausgerechnet von linker Seite über den Mann, der sich mit Religionsgemeinschaften intensiv auseinandersetzte. Spott von angeblich weltoffenen Internationalisten, denen diese Entwicklung deutlich über ihren Suppenschüsselhorizont hinausgeht. Gehört er doch nun zu einer Gruppe, die nach AfD-Aussagen nicht zur Deutschen Leitkultur zählt.

Nun, der gute Arthur war bis 2012 ein CDU-Mitglied. Vielleicht irrte er auch hier. Nur kommt niemand aus der CDU heute auf den Gedanken, dies öffentlich anzuzweifeln. Ein Mann mit seiner Herkunft hat schon mehrere Gesellschaftssysteme kennen gelernt. Das prägt. Nun will er den Islam erforschen, die – nach AfD-Programmkommisionsmittglied Albrecht Glaser – Religion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kenne und diese nicht respektiere. Ob der gute Arthur nun einen Kampfnamen Abu Arthur annimmt und mit Feuer und Schwert durchs Havelland missioniert, steht zu bezweifeln.

Sein Grundrecht nutzt er dabei bis zum Anschlag aus und gibt der AfD einen toleranteren und weltoffenen Anstrich. So wie die Ex-Grüne und Berliner Bürgerrechtlerin Seyran Atec mit ihrer liberalen Moschee wird sich Arthur Wagner dann auch Angriffen aus allen möglichen Lagern gegenüber sehen. So ist das in einer Demokratie. Von radikalen Eifereren bis hin zu lächelnden Autonomen, die ihn nun nicht mehr hassen, oder gerade deshalb. Immerhin verschafft Arthur der AfD eine ganz neue, schillernde Facette. Salam, Arthur!

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