Die Hälfte von Nichts

Symbolbild: shutterstock.com
Armut (Symbolbild: shutterstock.com)

Es klingt wie der Aufruf zum Klassenkampf: Nur 45 Menschen im Land gehört die Hälfte des deutschen Vermögens. Da muss man doch im Zeitalter gesprengter Sozialkassen, befristeter Arbeitsverträge und nicht mehr gedeckelter Rentenkassen in Angelas reichem Land  sofort etwas unternehmen. Nur was?

Von Schlaglicht

Was den Reichtum angeht, so steht Deutschland statistisch jetzt schon hinter Spanien und Frankreich. Bei Immobilieneigentum fragen wir den deutschen Miet-Michel besser erst gar nicht. Die erschreckenden Zahlen belegt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

In Deutschland besitzen die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Die reichsten 0,001 Prozent, 400 Haushalte, besaßen  4,7 Prozent der 214 Mrd und damit doppelt so viel wie die rund 20 Millionen ärmeren Haushalte. In Spanien genießt die ärmere Hälfte zwölf Prozent des Vermögens, in Frankreich sechs. Bei uns: 2,3 Prozent. Merken! Oder noch mal anschaulicher: Die reichsten zehn Prozent besitzen in Frankreich und Spanien jeweils die Hälfte des Vermögens,  in Deutschland zwei Drittel.

Die Besitzer sind meist Unternehmerfamilien. Viele davon gehören zu den typischen Vertretern des Mittelstands. Natürlich stärken sie den Wettbewerb mit den Großunternehmen und schaffen Arbeitsplätze. Oftmals verhökern sie aber auch ihre Unternehmen an Hedgefonds oder lassen mehr und mehr in Asien fertigen und zerstören so nachhaltig unser aller Zukunft. Langfristig angelegte Strategien gepaart mit sicheren Wertschöpfungsketten sehen anders aus.

Und wie es immer so ist zahlen jene die Zeche, die sich noch nie wehren konnten: Die berühmten kleinen Leute.

Eine seit Jahren vom Bundesverfassungsgericht angemahnte gerechtere Erbschaftssteuer blieb auf der Strecke. Vererbt der Bäcker seine Bäckerei so ist die weitgehend steuerfrei, was auch Sinn macht. Nur vererbt ein Immobilienmogul sein Imperium gestückelt, muss er kaum Steuerabzüge fürchten. Steuerschlupflöcher wie Panama, Luxemburg oder die Kanalinseln wurden nicht geschlossen, sondern von der Grauen Liste genommen. Das Hebeln von Steuersätzen via Holland funktioniert für internationale Betriebe wie Starbucks immer noch reibungslos. Und die viel diskutierte Reichensteuer ist mit der Atomisierung der SPD ebenfalls vom Tisch. Haben doch die Sozen wieder einmal den Fehler gemacht, sich bei der Herabsetzung der Reicheneinkünfte auf ein mittleres Jahresgehalts eines kleinen Angestellten festzulegen. Doch darum ging es nie. Ein Familienvater ist mit 60 000 Euro im Jahr nicht reich, denkt man an die Abzüge, Soli, kalte Progression, Ehegattensplitting und all die anderen giftigen Steuergeschenke, die man uns als wesentliche Errungenschaften unserer Sozialgesellschaft verkaufte. Arbeitet die Frau auch, steht sie mit mehr als 50 Prozent im Steuertreibsand. Ein wirklich Reicher, der sein Geld, und nicht seine Frau arbeiten lässt, dagegen mit 42 Prozent. Gerechtigkeit sieht anders aus.

Solange die Reichen immer reicher und die Armen im Alter sicher arm sein werden, ist dieses Land nicht sozial. Unsere Nachbarn wissen das und können darüber immer weniger lächeln. Denn sie wissen: Bricht bei uns dieses System zusammen, leiden sie alle eines Tages darunter. Dann wird auch bei ihnen nichts mehr verteilt werden. Und von der Hälfte von nichts kann man einfach nicht leben.

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