Mazedonien oder nicht

Foto: Durch ColorMaker/Shutterstock

Hundertausende Griechen protestieren gegen den Namen „Mazedonien“ für das Nachbarland

 An einer Großkundgebung, die am Sonntag in Thessaloniki stattfand, beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 90.000 Menschen. Die Organisatoren sprechen hingegen von mehr als 300.000 Teilnehmern. Gerichtet war die Demo in der nordgriechischen Metropole gegen die Benutzung des Wortes „Mazedonien“ bei der künftigen Benennung der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Makedonien

(UNO-Kurzbezeichnung: FYROM). 
Hintergrund für die Kundgebung sind neue Verhandlungen zur Lösung der Namensfrage, die in der vorigen Woche in New York begonnen haben. Matthew Nimetz ist der UNO-Sonderbeauftragte, der mit diesem heiklen Thema beauftragt worden ist. Er hat bereits
 fünf Namen vorgeschlagen, die als Kompromisslösung dienen könnten. Sie alle beinhalten den Begriff „Makedonija“, d. h. auf slawisch.

 Von Thomas Schlawig

Wie immer, wenn es um territoriale Streitigkeiten geht, muß man in der Geschichte weit zurückblicken. Ebenso verhält es sich mit Mazedonien, um dessen mit Griechenland gestritten wird. Die Fakten:

Alexander der Große

·         Lebensdaten: 20. Juli 356 v.Chr. bis 10. Juni 323 v.Chr.

  • Nationalität: griechisch
  • Zitat:„Ich habe keine Angst vor einem Heer von Löwen, das von einem Schaf angeführt wird. Ich habe aber Angst vor einem Heer von Schafen, das von einem Löwen angeführt wird.“

Alexander der Große wurde am 20. Juli 356 v. Chr. in Pella, der Hauptstadt Makedoniens, als Sohn von König Philipp II. und der Königin Olympias geboren. […]  Alexander stand schon als kleiner Junge an der Seite seines Vaters, der das ursprünglich unbedeutende Makedonien führte. Er erkämpfte sich über die Jahre alle griechischen Stadtstaaten – außer Sparta – und gründete daraus den Korinthischen Bund. Alexander der Große beteiligte sich an den Kriegszügen und wurde somit bestens ausgebildet, um später in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Zusätzlich hatte er die Möglichkeit von den besten Gelehrten seiner Zeit unterrichtet zu werden. Philosophie, Kunst und Mathematik wurde ihm beispielsweise von Aristoteles gelehrt.

Als sein Vater im Jahre 336 v. Chr. ermordet wurde, trat Alexander die Thronfolge an. Noch im selben Jahr, im Alter von 20 Jahren, führte er unter der Folgschaft von 15.000 Mann seinen ersten Kreuzzug ins heutige Bulgarien und Rumänien. Der so genannte Balkanfeldzug war erfolgreich. Alexander marschierte daraufhin südwärts, wo er immer mehr griechische Stadtstaaten eroberte.

Am 10. Juni 323 v. Chr. starb er überraschend. Wie er umgekommen ist, weiß man bis heute nicht. Alexander blieb kinderlos und soll kurz vor seinem Tod gesagt haben, dass deshalb der stärkste Grieche die Thronfolge antreten dürfe.

Um herauszufinden, wer das war, kämpften die Menschen im alten Griechenland jahrzehntelang gegeneinander. Das Reich von Alexander dem Großen zerfiel dabei. Doch das Zeitalter des „Hellenismus“, welches er mit seinem Lebensstil einläutete, blieb bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bedeutsam.

Und nun zur nicht so weit zurückliegenden Geschichte Mazedoniens. Da, wie große Teile des Balkans, auch Mazedonien zum Osmanischen Reich gehörte, kam es im Jahr 1903 zu einem Befreiungskampf  (Ilinden-Aufstand)  gegen die türkischen Besatzer.

Heute reklamieren sowohl Mazedonien als auch Bulgarien den Ilinden-Aufstand für sich. Die bulgarische Geschichtsschreibung reiht den Aufstand als Versuch der „Befreiung Makedoniens“ in die eigene Nationalgeschichte ein; die Verfassung der Republik Mazedonien von 1991 reklamiert die „staatsrechtlichen Traditionen der Republik von Kruševo“, die sie somit als Beginn der eigenen staatlichen Souveränität ansieht.[2]

 Während des Ersten Weltkrieges war Vardar-Mazedonien seit Ende 1915 von Bulgarien besetzt, im Grenzgebiet zu Griechenland verlief die Salonikifront. […]  Zwischen 1918 und 1941 war Vardar-Mazedonien Teil des Königreich Jugoslawiens.  Im Zweiten Weltkrieg folgte von 1941 bis 1944 die erneute bulgarische Besetzung. 1943 erkannten die kommunistischen Partisanen Jugoslawiens (ohne Vertreter aus Mazedonien) die Existenz einer eigenständigen mazedonischen Nation an und planten die Errichtung einer „Republik Makedonien“ in einem zukünftigen föderalen Jugoslawien.[28] Am 2. August 1944 fand die erste Sitzung der mazedonischen Kommunisten (ASNOM) im serbischen Kloster des Heiligen Prochor Pčinjski statt. Am selben Tag erfolgte die Gründung der jugoslawischen sozialistischen Teilrepublik Mazedonien.

Foto: Thomas Schlawig  (1992 im Hafen von Ancona, Italien)

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund stellt sich die Frage, wer ein größeres „Anrecht“ auf diese Region hat? Leider mischen sich auch hier wieder Mächte ein, die im 20.Jahrhundert Europa in zwei Kriege gestürzt haben, denn man muß die Geschichte von 1991 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges von hinten betrachten. Bis 1991 gehörte Mazedonien zu Serbien, davor zum Königreich Jugoslawien. Bis 1918 gehörte die ganze Region zur österreichisch/ungarischen Monarchie, welche durch die Siegermächte des 1.Weltkrieges zerschlagen wurde. Man sollte dabei nicht vergessen, daß unter dieser Monarchie die Ausdehnung des Osmanischen Reiches und des Islam auf den Balkan und somit nach Europa aufgehalten und zurückgedrängt wurde. Seit dem Zerfall Jugoslawiens kam es in diesem Pulverfaß inmitten Europas seit 1991 zu mehreren Kriegen.

So intervenierte die Jugoslawische Volksarmee (JNA) zuerst 1991 in Slowenien (10-Tage-Krieg) und daraufhin in Kroatien (Kroatienkrieg). Als dies jedoch misslang, verschoben sich die Kampfhandlungen zunächst auf die von Krajina-Serben beanspruchten Gebiete in Kroatien. Im Folgenden verlagerte sich der Krieg dann immer mehr nach Bosnien-Herzegowina (Bosnienkrieg). Letzten Endes gelang den drei Staaten aber die Durchsetzung der Unabhängigkeit. Die Unabhängigkeitsbestrebungen im Kosovo (Kosovokrieg) führten 1999 zu Interventionen der NATO auf dem gesamten Territorium der Teilrepublik Serbien, die schließlich die Einrichtung einer UN-Verwaltung in der Provinz bei bestehender Zugehörigkeit des Gebietes zur Bundesrepublik Jugoslawien zur Folge hatten.

Und wie im Jahr 1999 mischt sich im Fall Mazedoniens auch wieder eine inzwischen völlig überflüssig gewordene Macht, die NATO ein. Allerdings darf man nicht vergessen, daß hinter dieser Macht die Hauptkriegstreiber von 1914 (England und Frankreich) stehen. Der Mord am österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajevo wird gern als Auslöser des 1.Weltkrieges angeführt, aber inzwischen ist hinlänglich bekannt, daß es dafür wesentlich andere Gründe gegeben hat. Die lagen u.a. im Bau der Bagdad-Bahn, durch welche England  seine Interessen in dieser Region durch Deutschland bedroht sah.

„Deutschlands … Grundidee war, eine Kette von verbündeten Staaten unter deutscher Vorherrschaft zu errichten, die sich von der Nordsee bis zum Golf von Persien erstreckt…Würde die Bahn Berlin-Bagdad fertiggestellt, wäre eine riesige Landmasse unter deutscher Herrschaft vereinigt worden, in der jeder erdenkliche wirtschaftliche Reichtum hergestellt werden könnte, die aber für eine Seemacht unangreifbar wäre…Die türkische und die deutsche Armee könnten leicht auf Schussweite an unsere Interessen in Ägypten herankommen und vom Persischen Golf aus würde unser indisches Empire bedroht…Ein Blick auf die Weltkarte zeigt, aus welchen Gliedern sich diese Kette der Staaten zusammensetzt, die zwischen Berlin und Bagdad liegen: das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei. Nur ein kleiner Gebietsstreifen verhinderte, daß die beiden Enden der Kette miteinander verbunden werden konnten. Dieser kleine Streifen ist Serbien. Serbien war in der Tat die erste Verteidigungslinie für unsere Besitzungen im Osten…“

Das kann wohl als Hauptgrund für den 1.Weltkrieg angesehen werden, welcher durch die Hauptakteure England, Frankreich und Amerika in den 2.Weltkrieg führte. Die heutigen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten sind immer noch die Folge der Interessen Englands und auch Frankreichs, die in dieser Region willkürlich Grenzen mitten durch (verfeindete) Ethnien und Religionen gezogen haben. So ist ein Streit um einen Staatsnamen wieder einmal ein anschauliches Beispiel für die Geschichte von Europa und die Herbeiführung von Spannungen durch fremde Mächte, welche ihre Interessen bedroht sehen. Und es sind immer dieselben Mächte, denn:

Unterdessen hat sich am Donnerstag der Generalsekretär der NATO Jens Stoltenberg in Skopje aufgehalten. Nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten des Landes Zoran Zaev hat der Norweger betont, dass eine Aufnahme der FYROM in der NATO nicht möglich ist, solange keine Lösung für die Namensfrage gefunden wird. Er wiederholte, dass die Entscheidungen der NATO einstimmig getroffen werden.

 „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten“                               Mahatma Gandhi (1969-1948)

 

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